Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros
1895
14. Juli: Ricardo Walther Darré wird in der deutschen Kolonie Belgrano (heute ein Stadtteil von Buenos Aires, Argentinien) als Sohn des Kaufmanns und Chefs des Handelshauses Hardt & Co. Richard Oskar Darré und seiner Frau Emilia Berta Eleonore (geb. Lagergren) geboren. (Sein Vater ist hugenottischer, seine Mutter schwedischer Abstammung.)
bis 1914
Veranlaßt durch den Beruf des Vaters, zieht die Familie häufig um. Darré besucht die deutsche Schule in Belgrano, die Oberrealschulen in
Heidelberg
und Godesberg (heute Stadtteil von Bonn)
sowie das Kings College in Wimbledon.
1914
Darré besucht die Deutsche Kolonialschule in Witzhausen mit dem Ziel der Ausbildung zum Überseefarmer.
1914-1918
Darré nimmt als Freiwilliger am
Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im Range eines Leutnants.
1918
Nach Kriegsende nimmt Darré sein Studium in Witzhausen wieder auf.
1920
Darré macht sein Diplom als Kolonialwirt; freilich hat Deutschland seine Kolonien 1919 im Diktatfrieden von Versailles abtreten müssen.
1920-1925
Darré studiert Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Viehzucht und Vererbungsfragen in
Gießen und
Halle.
Sein Hauptinteresse gilt genetischen Fragen, die prägend für seine späteren Rasseforschungen am Menschen sind.
1922
Darré heiratet Albertine, geb. Staadt.
1925
Darré besteht das Examen als Dipl.-Landwirt.
ab 1925
Darré bearbeitet staatliche Aufträge auf dem Gebiet der Zuchtauslese, nachdem seine Bemühungen um eine Universitätsstelle gescheitert sind.
1927
Darré unternimmt eine Studienreise durch Finnland.
1928/29
Darré wird landwirtschaftlicher Sachverständiger der Deutschen Gesandtschaft in Rīga (Lettland).
1929
In seiner Schrift "Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse" konzentriert Darré seine Untersuchungen auf die altgermanische Rasse, wobei er den Ursprung der germanischen Bevölkerung in einem nomadischen Krieger- und Bauerntum sieht. Die Bauern sollen seiner Ansicht nach wieder zum ersten Stand in einer künftigen nationalen Ordnung werden.
1930
Darré verfaßt die programmatische Schrift "Neuadel aus Blut und Boden". Die Gründe des wirtschaftlichen Verfalls der modernen Industrie- und Massengesellschaft im Zuge der
Weltwirtschaftskrise liegen für ihn in den "jüdisch-kapitalistischen" und "jüdisch-bolschewistischen" Machenschaften der
Weimarer Republik. Aus
völkischer Sicht entwickelt Darré den Gedanken einer geistigen und rassischen Erneuerung durch die Hinwendung zur Agrarwirtschaft und durch die Abkehr von der Industrie-Produktion.
Darré macht sich - ähnlich wie
Heinrich Himmler und
Adolf Hitler - die
Rassentheorien
vor allem französischer und britischer Forscher (Gobineau, Knox, Galton, Chamberlain u.a.) zu eigen.
6. März: Durch Vermittlung des Architekten Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) wird Darré von Hitler mit der Ausarbeitung eines Agrarprogramms für die
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) beauftragt. Darré wird zum Berater der NSDAP in allen agrarischen Fragen.
1. Juni: Darré wird Leiter des Agrarpolitischen Apparats der Reichsleitung der NSDAP.
Juli: Darré tritt offiziell in die NSDAP ein. Durch seinen Einfluß auf die deutsche Bauernschaft wird Darré zu einem der wichtigsten Beschaffer von Wählerstimmen für die Partei bei den folgenden Wahlen. Der agrarpolitische Apparat unter Darré steuert die gezielte
NS-Propaganda
auf dem Land für den Wahlkampf.
1931
Darré übernimmt das neu gegründete Rasse- und Siedlungs-Hauptamt (RuSHA) innerhalb der
Schutzstaffel (SS).
Darré heiratet in zweiter Ehe Charlotte, geb. v. Vietinghoff.
1932
Darré gründet die Monatsschrift "Deutsche Agrarpolitik" (ab 1939 "Odal"). Darin propagiert er seine Vorstellungen vom neuen "Bauernadel".
Darré wird als Abgeordneter der NSDAP in den Reichstag gewählt.
1933
Nach der nationalsozialistischen
Machtübernahme wird Darré Leiter des Amts für Agrarpolitik der NSDAP.
4. April: Darré wird Vorsitzender der "Reichsführergemeinschaft" der vereinigten landwirtschaftlichen Verbände.
28. Mai: Darré wird zum "Reichsbauernführer" ernannt.
29. Juni: Darré wird Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft.
29. September: Das von Darré mitgestaltete Reichserbhofgesetz tritt in Kraft. Es regelt die Vererbung von Hofstellen und vermeidet die ruinöse Erbteilung.
Darré baut den
Reichsnährstand auf, der alle Personen und Verbände, die an der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte mitwirken, genossenschaftlich vereinigt und gleichschaltet.
Oktober: Darré gestaltet das
Erntedankfest
auf dem Bückeberg bei Hameln aktiv mit.
1934
14. Juli: Das "Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" wird verabschiedet. Es folgt US-amerikanischen, schwedischen u.a. Vorbildern, die z.T. noch heute in Kraft sind. (Lediglich in Deutschland wird die Eugenik seit 1945 als "verbrecherisch" geächtet.)
1936
Darré greift in seiner Schrift "Blut und Boden, ein Grundgedanke des Nationalsozialismus" die These von "Blut und Boden" erneut auf. Er propagiert die "Einheit eines rassisch definierten Volkskörpers und seines Siedlungsgebietes".
ab 1936
Darré gerät in zunehmenden Gegensatz zu der von
Hermann Göring geleiteten
Vierjahresplan-Verwaltung. Der Schwerpunkt der Wirtschaft konzentriert sich auf die Industrie und nicht - wie von Darré erhofft - auf die Landwirtschaft.
1938
September: Darrés Pläne zur Förderung bäuerlicher Siedlungen im Reich konkurrieren mit Himmlers Ostsiedlungspolitik. Deshalb wird er als Leiter des RuSHA abgesetzt.
ab 1939
Nach Beginn des
Polenfeldzugs, der sich nach Kriegseintritt der USA und Japans bald zum Zweiten Weltkriegs ausweitet, tritt Darré als Minister für Ernährung und Landwirtschaft wegen der Umstellung auf die Kriegswirtschaft mehr und mehr in den Hintergrund.
1942
16. Mai: Darrés Bemühungen, die Deutschland ernährungswirtschaftlich autark zu machen, scheitern. Darré wird von der NS-Führung persönliches Versagen vorgeworfen und aus allen Führungs-Positionen entlassen. Die letzten Kriegsjahre verbringt er zurück gezogen in einem Jagdhaus in der Schorfheide.
1945
Nach Kriegsende kommt Darré in Internierungshaft und wird vor dem inter-alliierten Militär-Tribunal in Nürnberg als "Kriegsverbrecher" angeklagt.
1949
14. April: Darré wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.
1950
Im Zuge einer Amnestie wird Darré aus der Haft entlassen.
1952
Darré tritt als Experte für Düngemethoden noch einmal in die Öffentlichkeit.
1953
5.September: Richard Walther Darré stirbt in München.