PORFIRIO  DÍAZ

(1830 - 1915)

[Porfirio Díaz]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1830
15. September: Porfirio Díaz wird als sechstes von sieben Kindern des Gastwirts José Díaz Bohorques und seiner Ehefrau Maria Petrona, geb. Mori Cortés in Oaxaca geboren. Sein Vater ist Kreole*, seine Mutter Mestizin halb-mixtekischer Abstammung.
México hat sich 1821 nach einem elf Jahre langen Unabhängigkeitskrieg von Spanien gelöst; seitdem geht es kontinuierlich bergab. 1823 sind die südlichen Provinzen (heute Guatemala, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador) verloren gegangen; auch Yucatán steht vor der Sezession.

1835-43
Díaz besucht die Pfarreischule in Oaxaca.

1836
México verliert Texas (das zunächst "unabhängig", dann ein US-Bundesstaat wird).

1843-46
Díaz besucht das Priesterseminar in Oaxaca.

1846
Díaz meldet sich im Krieg gegen die USA zu den Waffen und wird als Kadett ausgebildet. México wird schwer geschlagen; es verliert bis 1853 rund die Hälfte seines Staatsgebiets an die USA.

1850
Díaz lernt den Advokaten und künftigen Revolutionär Benito Juárez kennen und beschließt, in dessen Fußstapfen zu treten. Er bricht mit seiner Familie, verläßt das Priesterseminar und beginnt ein Studium am Institut der Wissenschaften in Oaxaca; danach arbeitet er kurzzeitig bei einem Advokaten in Oaxaca.

1853
Díaz wird Leutnant der Revolutionstruppen.

1856
Díaz wird zum Hauptmann befördert.

1858
Díaz wird Militärkommandant von Tehuantepec und zum Major befördert.

1859
Díaz wird zum Oberstleutnant befördert.

1860
Díaz wird zum Oberst befördert.

1861
Díaz wird zum Brigadegeneral befördert.

1864
Die Erfolge des österreichischen Admirals Wilhelm v. Tegetthoff im deutsch-dänischen Krieg (Seeschlacht vor Helgoland) und seine anschließende Heroïsierung wecken in Tirpitz den Wunsch, Marineofficier zu werden.

1865
Tirpitz tritt als Cadett in die königlich preußische Kriegsmarine ein.

1869
Tirpitz wird zum Seconde-Lieutenant zur See befördert.

1871
Januar: Das Deutsche Reich wird gegründet. Anders als bei den Landstreitkräften, wo sich die größeren Bundesstaaten eigene Truppen vorbehalten, wird die königlich preußische Kriegsmarine in Ermangelung von Seestreitkräften anderer Staaten zur kaiserlich deutschen Marine.
Tirpitz wird zum Premier-Lieutenant zur See befördert.

1877
Tirpitz besucht das k.u.k. (österreichische) Torpedo-Centrum in Fiume. Danach wird er zum Capitain-Lieutenant befördert und wirkt als 1. Officier der Torpedo-Corvette 'Blücher' maßgeblich am Aufbau einer deutschen Torpedoboot-Flotille mit.

1881
Tirpitz wird zum Corvetten-Capitain befördert und zum Commandeur der "Blücher" ernannt.

1885
Tirpitz wird zum Chef der Torpedoboot-Flotille und zum Decernenten für Torpedo-Angelegenheiten bei der Admiralität ernannt.

1886
Tirpitz wird zum Premier-Inspecteur des Torpedo-Wesens ernannt.

1888
Tirpitz wird zum Capitain zur See befördert und zum Commandeur des Panzer-Kreuzers Preußen ernannt.

1889
Tirpitz wird zum Commandeur des Panzer-Kreuzers Württemberg ernannt.

1890
Tirpitz wird zum Stabschef des Ostsee-Geschwaders ernannt.

1892
Tirpitz wird zum Stabschef des Obercommandos der Marine ernannt.

1896
Tirpitz verfaßt eine Denkschrift über die Notwendigkeit des Aufbaus von zwei Geschwadern mit je acht schweren Schlachtschiffen statt einer Flotte von schnellen Kreuzern, wie sie Kaiser Wilhelm II ursprünglich bauen lassen wollte.
Tirpitz wird zum Contre-Admiral befördert und zum Chef des (bis dahin in der britischen Colonie Hongkong stationierten) deutschen Kreuzergeschwaders Fernost ernannt. Er bereitet den Pachtvertrag über Kiautschou vor, mit Tsingtao als Marinestützpunkt auf der Halbinsel Shaoling in China. Er kehrt über den Pazifik, die USA und den Atlantik nach Deutschland zurück, hat also die Welt einmal umrundet.

1897
Tirpitz wird zum Staatssecretaire des Reichsmarineamtes (Reichsmarineminister) ernannt. Zu diesem Zeitpunkt besitzt die deutsche Kriegsmarine 12 gepanzerte Schiffe über 5.000 Tonnen, die russische 18, die französische 36, und die englische 62 (20 weitere sind im Bau).

1898-1912
Tirpitz betreibt mit den Flottengesetzen von 1898, 1900, 1908 und 1912 eine moderate Nachrüstung Deutschlands zur See.

1898
Tirpitz wird zum Preußischen Staatsminister ernannt. Er bringt das 1. Flottengesetz (Neubau von sieben Schlachtschiffen) durch den Reichstag.*

1900
Während des Burenkrieges kapern englische Schlachtschiffe in Piratenmanier unbewaffnete deutsche Postboote vor der Küste Natals. Tirpitz bringt daraufhin das 2. Flottengesetz (Neubau von 19 Schlachtschiffen) durch den Reichstag, wofür er von Kaiser Wilhelm geadelt wird (v. Tirpitz).

1903
v. Tirpitz wird zum Admiral befördert. Großbritannien beginnt mit einer ungeheuren Aufrüstung zur See. Gemeinsam mit amerikanischen Firmen konstruiert es turbinengetriebene Großkampfschiffe vom Typ "Dreadnought" - deren erstes der Hilfskreuzer Lusitania ist. Das Deutsche Reich zieht zunächst nicht nach.

1904
Großbritannien schließt ein gegen Deutschland und Österreich-Ungarn gerichtetes Bündnis ("Entente cordiale") mit Frankreich. Die französische Flotte übernimmt den "Schutz" des Mittelmeers, die britische (die in ihren Stützpunkten Gibraltar, Malta und Cypern genügend "Schutz" hat) den der Nordsee.

1905
Mai: In der Seeschlacht von Tsushima - in der erstmals schwere, gepanzerte Schlachtschiffe aufeinander treffen - vernichtet die japanische Flotte die russische Ostseeflotte. Entgegen dem Rat des Generalstabs verzichtet das Deutsche Reich auf einen Präventivkrieg gegen Frankreich. Entgegen dem Rat des britischen Admirals John ("Jackie") Fisher verzichtet Großbritannien auf einen Überfall auf die deutschen Flotte nach dem Muster "Kopenhagen 1801".

1907
August: Großbritannien schließt eine "Entente cordiale" mit Rußland (Aufteilung Persiens, Neutralisierung Afģānistāns). Danach zieht Admiral Fisher das beruhigende Fazit: "Die Royal Navy war niemals stärker als heute: Insgesamt zehn Großkampfschiffe fertig oder im Bau, während Deutschland nicht mal ein einziges begonnen hat." Die britische Flotte ist größer als die zweitgrößte (die deutsche) und die drittgrößte (die U.S.-amerikanische) zusammen.**
Auf der Haager Konferenz lehnt v. Tirpitz angesichts der drückenden Überlegenheit der Briten zur See ein von diesen vorgeschlagenes Übereinkommen, die Flotten auf dem derzeitigen Stand einzufrieren, ab; ihm wird der Schwarze Adlerorden verliehen.


1908
v. Tirpitz bringt das 3. Flottengesetz durch den Reichstag. Es besagt lediglich, daß die deutschen Kriegsschiffe künftig statt nach 25 schon nach 20 Jahren außer Dienst gestellt werden, so daß die Ersatzbauten etwas schneller vorgenommen werden müssen. In England wird dies jedoch zu einem "Wettrüsten" der "Hunnen" aufgebauscht und zum Anlaß für den Bau noch größerer Schlachtschiffe mit noch schwereren Geschützen genommen.


1911
v. Tirpitz wird zum Großadmiral befördert. Die deutsche Diplomatie versagt in der so genannten "Marokkokrise": Bei einem (vermutlich von Frankreich geschürten) Berber-Aufstand gegen den Sultan hatte das Reich ein (!) kleines Kanonenboot namens "Panther" nach Agadir geschickt, um deutsche Flüchtlinge aufzunehmen. Das Ausland macht daraus einen kriegerischen Akt ("Panthersprung von Agadir"). In Großbritannien wird Befehl zum Präventivkrieg gegen Deutschland gegeben; allerdings stellt sich heraus, daß die Flotte keinen brauchbaren Einsatzplan hat, so daß der Krieg wieder abgeblasen werden muß. [Damit so etwas nicht wieder vorkommt, wird Winston Churchill zum Ersten Lord der Admiralität ernannt, der zielstrebig auf einen Krieg hin arbeitet.] Die Deutschen, denen dies verborgen bleibt, geben kleinlaut nach und lassen Marokko (wo unvorsichtige deutsche Kaufleute erhebliches Kapital investiert haben) an Frankreich fallen, da sie sich für zu schwach halten, um sich alleine gegen die Entente-Mächte England, Frankreich und Rußland durchzusetzen.

1912
Zur Behebung dieser vermeintlichen Schwäche bringt v. Tirpitz das 4. Flottengesetz durch den Reichstag: Weitere Schlachtschiffe sollen gebaut werden. Dies ist umso unverständlicher, als jemand, der wie v. Tirpitz von der Torpedowaffe kommt, wissen müßte, daß die großen, teuren Schlachtschiffe überholt sind, weil sie von kleinen, billigen "S[chnell]-Booten" vernichtet werden können, deren Torpedos selbst die stärkste Panzerung durchschlagen, seit einiger Zeit auch von fast ebenso billigen Tauchbooten ("U[ntersee]-Booten") und sogar von spottbilligen Treibminen. (Dies hatte schon v. Tirpitz' Vor-Vorgänger v. Caprivi in den 80er Jahren richtig erkannt, ohne seinen Standpunkt durchsetzen zu können.) Der Bau dieser "hochbeweglichen Torpedoträger" wird jedoch sträflich vernachlässigt.

1914
August: Großbritannien erklärt dem Deutschen Reich den Krieg, der sich zum Ersten Weltkrieg ausweitet.
Gleich im ersten Kriegsjahr verliert England mehrere Schlachtschiffe durch Minen und Torpedotreffer. Dagegen kommt die deutsche Hochsee-Flotte mit ihren teuren Schlachtschiffen kaum zum Einsatz. (Als sie im
Dezember durch Zufall auf Teile der englischen Grand Fleet trifft, bricht Admiral v. Ingenohl das Gefecht ab und zieht sich zurück.) Zu Helden des Seekrieges avancieren neben dem U-Boot-Kapitän Otto Weddigen die Kommandanten der wenigen kleinen Kreuzer, die Kaperfahrten auf allen Weltmeeren durchführen, wie Kapitänleutnant v. Mücke, der mit einem einzigen Schiff, der Emden, Monate lang den gesamten Handelsverkehr der Entente im Indischen Ozean lahm legt, und später Graf Luckner, der sogar Segelboote dafür einsetzt.
Die Weichenstellung "Schlachtschiffe statt schneller Kreuzer" erweist sich nun als verhängnisvoller Fehler, denn den ersteren gelingt es nicht, die von den Briten betriebene Hungerblockade gegen Deutschland zu durchbrechen.


1915
2. Juli: Porfirio Díaz stirbt in Paris.

*Lateinamerikaner rein spanischer Abstammung.


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