Friedrich Ebert

(1871 - 1925)

[Friedrich Ebert, offizielles Portrait von Lovis Corinth, März 1924]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammegestellt von
Nikolas Dikigoros

1871
4. Februar: Friedrich Ebert wird als siebtes von neun Kindern* des Schneidermeisters Karl Ebert und seiner Ehefrau Katharina (geb. Hinkel) in Heidelberg geboren.

1877-1885
Ebert besucht die Volksschule in Heidelberg.


1885-1888
Ebert absolviert eine Lehre als Sattelmacher. Zu einer Zeit, da noch nicht das Automobil, sondern das Pferd bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist, ist dies ein hoch angesehenes Handwerk, das unter den lederverbeitenden Berufen an erster Stelle steht.


1888
Ebert begibt sich auf "Gesellen-Wanderschaft", obwohl er nie die Gesellenprüfung abgelegt hat.

1889
In Mannheim kommt Ebert mit der sozialistischen Bewegung in Kontakt. Er tritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein - die von August Bebel streng marxistisch geführt wird - und engagiert sich auch gewerkschaftlich.
August: Ebert wird Schriftführer des Sattlerverbandes in Hannover.

1890
Da Ebert wegen seiner politischen Tätigkeit auf der "schwarzen Liste" der Polizei steht, wechselt er ständig seinen Wohnort.
In Kassel, Braunschweig, Elberfeld-Barmen (heute Wuppertal), Remscheid, Quakenbrück und Bremen gründet und leitet Ebert örtliche Zahlstellen des Sattlerverbandes.


1891
Mai: Ebert läßt sich in Bremen nieder. Er finanziert seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten.
Er wird Vorsitzender der Filiale des Sattlerverbandes und des Gewerkschaftskartells in Bremen (bis 1905, mit Unterbrechungen).

1893
März: Ebert wird Lokalredakteur der "Bremer-Bürgerzeitung".

1894
März: Ebert pachtet das Lokal "Zur guten Hilfe" und macht es zu einem Zentrum gewerkschaftlicher und politischer Aktivitäten. Er wird Vorsitzender der Bremer SPD (bis 1895).
Mai: Ebert heiratet die Arbeiterin Louise Rump. Aus der Ehe gehen vier Söhne und eine Tochter hervor.


1900
Ebert wird in die Bremer Bürgerschaft gewählt und führt deren sozialdemokratische Fraktion. Daneben übernimmt er die neu eingeführte Funktion eines "Arbeitersekretärs".

1904
Ebert leitet den in Bremen tagenden Reichsparteitag der SPD und wird dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

1905
Ebert geht als Parteisekretär des SPD-Vorstands nach Berlin.

1911
September: Ebert unterliegt auf dem Reichsparteitag der SPD in Jena bei der Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitzenden ("Mitvorsitzenden") Hugo Haase.

1912
Ebert wird für den Wahlkreis Elberfeld-Barmen in den Reichstag gewählt, wo die SPD die stärkste Fraktion stellt.

1913
September: Nach dem Tod Bebels wird Ebert auf dem Reichsparteitag der SPD in Jena gemeinsam mit Haase zum neuen Vorsitzenden gewählt.

1914
Ebert wird im Urlaub von der "Juli-Krise" überrascht. Er flieht zusammen mit dem Parteikassierer Otto Braun nach Zürich, da er seine Verhaftung und ein Verbot der SPD befürchtet.
6. August: Nachdem Kaiser Wilhelm II zu Beginn des Ersten Weltkriegs erklärt hat, daß er keine Parteien mehr kenne, sondern nur Deutsche, und daß selbstverständlich kein Sozialist verhaftet wird, kehrt Ebert nach Berlin zurück und übernimmt wieder gemeinsam mit Haase die Parteiführung. Er wird nicht eingezogen; zwei seiner Söhne fallen, der älteste - Friedrich jun. - überlebt, wird ebenfalls SPD-Politiker und später SED-Bonze (1948 Oberbürgermeister von [Ost-]Berlin, 1971 Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Staatsratsvorsitzender** der DDR).


1916
11. Januar: Nach dem Rücktritt Haases wird Ebert neben Philipp Scheidemann Vorsitzender der SPD-Reichstagsfraktion. Aufgrund seines Vorsitzes in Parteivorstand, Parteiausschuß und Reichstagsfraktion gewinnt er maßgeblichen Einfluß in der SPD.

1917
April: Wegen der Differenzen in der Frage der Kriegskredite kommt es zur Abspaltung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und des linksradikalen Spartakusbundes.

1918
Januar: Bei Ausbruch der Berliner Januarstreiks tritt Ebert der Streikleitung bei und bemüht sich um eine schnelle Beilegung des Ausstands. Er wird dafür von links als "Arbeiterverräter" und von rechts als "Landesverräter" beschimpft.
4. Oktober: Mit den verfassungsändernden Gesetzen ist ein Hauptziel der Sozialdemokraten, die Parlamentarisierung im Reich, erreicht. Ebert tritt für den Erhalt der Monarchie ein.
9. November: Prinz Max von Baden verkündet die Abdankung des Kaisers und ruft Ebert ohne Gesetzesgrundlage zum Reichskanzler aus.
10. November: Ein selbst ernannter Rat der Volksbeauftragten aus Führern der SPD und der USPD tritt zusammen, dessen Vorsitz sowohl Ebert (SPD) als auch Haase (inzwischen USPD) für sich beanspruchen.


Nach außen werden die inneren Differenzen vertuscht und dem Wahlvolk eine "Einigung" vorgetäuscht.


Ebert tritt für sofortige Wahlen zur Nationalversammlung ein.
Ebert Bündnis mit der Obersten Heeresleitung (OHL) unter General Wilhelm Groener soll die Revolution eindämmen.

1919
11. Februar: Die Nationalversammlung wählt Ebert zum vorläufigen Reichspräsidenten.
Ebert unterstützt das gewaltsame Vorgehen des Reichswehrministers Gustav Noske gegen streikende, demonstrierende und revoltierende Arbeiter, die ihn daraufhin als "Bluthund" beschimpfen.
21. August: Ebert wird als Reichspräsident vereidigt.


1920
März: Vor dem Kapp-Putsch fliehen Ebert und seine Minister aus Berlin und rufen zum Generalstreik auf. Kommunistische Gruppierungen nehmen dies zum Anlaß für erneute Aufstände, u.a. im Ruhrgebiet.
April: Ebert läßt die kommunistischen Aufstände erneut durch die Reichswehr niederschlagen.


1922
24. Oktober: Der Reichstag verlängert Eberts Amtszeit mit verfassungsändernder Mehrheit bis zum 23. Juni 1925.


1923
Dem politischen und wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands (Hyperinflation, Streiks und Putschversuche von links und rechts) steht Ebert völlig hilflos gegenüber, obwohl die Weimarer Verfassung dem Präsidenten theoretisch eine starke Stellung einräumt. Ebert versagt im Amt auf der ganzen Linie und gibt statt dessen den Prozeßhansel in eigener Sache, "um das Ansehen des Reichspräsidenten zu wahren". (Er führt insgesamt über 150 Verfahren, darunter so alberne wie das um seine Ablichtung in Badehose mit nacktem Oberkörper - was damals in "besseren" Kreisen auch bei Männern als unzüchtig gilt - im Ostseebad Haffkrug. Das Bild ziert zuerst die Titelseite der im jüdischen Ullstein-Verlag erscheinenden "Berliner Illustrirte Zeitung" vom 24.8.1919 - drei Tage nach seiner Vereidigung als Reichspräsident - und wird seitdem immer wieder verwendet.) Ebert macht sich dadurch zunehmend selber lächerlich und fordert seine Gegner zu unvorteilhaften Vergleichen mit Friedrich dem Großen, Kaiser Wilhelm und Generalfeldmarschall v. Hindenburg heraus.

[Friedrich der Grobe] [Ebert mit Noske in der Ostsee, Titelbild der 'Berliner Illustrirte Zeitung' vom 24.8.1919] [einst und jetzt - v.o.n.u.: Nichtschwimmer Wilhelm II, Noske und Ebert, Nichtschwimmer Hindenburg]

1924
23. Dezember: Nachdem Ebert einen Journalisten angezeigt hat, der ihm seine Beteiligung am Berliner Januarstreik von 1918 als "Landesverrat" ausgelegt hat, wird der letztere lediglich wegen Beleidigung verurteilt, nicht aber auch wegen Verleumdung, wie Ebert es gewollt hatte, weil das Amtsgericht Magdeburg den Tatbestand seiner Beteiligung am Januarstreik - mit Recht - als erfüllt ansieht. Ebert nimmt sich das sehr zu Herzen und spielt mit dem Gedanken an Rücktritt, zumal auch noch seine Beteiligung am "Barmat-Skandal" heraus zu kommen droht.


1925
28. Februar: Friedrich Ebert stirbt an einer verschleppten Blinddarmentzündung in Berlin. Er wird in Heidelberg beerdigt.


April: Das erleichterte Volk - von dem Ebert nie gewählt worden war - wählt Hindenburg zu seinem Nachfolger als Reichspräsident.

* * * * *


1942
Reichskanzler Adolf Hitler rehabilitiert Ebert ausdrücklich vom Vorwurf des Landesverrats, indem er seine Vorgehensweise beim Streik der Munitionsarbeiter im Januar 1918 für richtig erklärt.

1975
Eberts 50. Todestag wird in der BRD regierungsamtlich gefeiert.

[Gedenkmünze zu 5 DM auf Eberts 50. Todestag]

1999
Februar: In Heidelberg wird die Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet. Der Versuch, einen Personenkult um Ebert als "braven [Sozial-]Demokraten" aufzubauen, schlägt jedoch fehl: Für die Rechte ist er nach wie vor ein Verräter des Kaiserreichs, für die Linke ein Verräter der Revolution vom November 1918, und die Mitte läßt er indifferent.


*Die Behauptung, Ebert sei das vierte von sechs Kindern, ist unzutreffend; drei seiner Geschwister verstarben im Kleinkindalter.

*Die DDR ersetzte das küchen-lateinische Fremdwort "Präsident" durch die deutsche Entsprechung "Vorsitzender". Wiewohl Walter Ulbricht auch nach seiner Entmachtung 1971 pro forma Staatsratsvorsitzender blieb, wußte doch jeder, daß er nichts mehr zu sagen hatte. Friedrich Ebert jun. hatte also de facto in der "Deutschen Demokratischen Republik" zuletzt das selbe Amt inne wie sein Vater in der "Weimarer Republik".


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