SIC TRANSIT GLORIA
MILITÄRISCHE LEBENSLÄUFE
UND WELKENDER LORBEER

Den Charakter einer Nation erkennt man daran, wie sie
ihre Soldaten nach einem verlorenen Krieg behandelt.

[Dominique Appia - Entre les trous de la memoire (zwischen den Gedächtnislücken)]

Kurzbiografien vergessener oder verdrängter
"Kriegshelden"  des  20.  Jahrhunderts
zusammengestellt von N. Dikigoros

[Welker Lorbeer]

Auf seinen Reisen durch die Vergangenheit erwähnt Dikigoros ab und zu Personen der Zeitgeschichte, die, wie ihm Rückfragen seiner Leser zeigen, einigen kaum noch dem Namen nach bekannt sind. Das gilt insbesondere für Militärs - die nun mal in den heutigen Medien und Geschichtsbüchern keine Konjunktur mehr haben. Deshalb hat er hier einige Links zusammen gestellt mit Kurzlebensläufen von Soldaten, die im 20. Jahrhundert noch als "Helden" galten - ob zu Recht oder zu Unrecht - , im 21. Jahrhundert aber nicht mehr - ob zu Recht oder zu Unrecht. (Über letzteres zu filosofieren überläßt er anderen). Es wurden nicht nur Berufssoldaten aufgenommen, sondern auch Freiwillige, Reservisten und Freischärler, die zwar keine "regulären" Soldaten waren, aber gleichwohl wichtige militärische Aktionen durchführten, die von ihren Staaten lediglich aus diplomatischer Rücksichtnahme keinem offiziellen Kommando unterstellt werden konnten, übrigens auch solche, die nicht so sehr auf dem Schlachtfeld als auf anderen Gebieten bekannt wurden, wie z.B. Gabriele d'Annunzio, Gorch Fock, Felix Graf Luckner und Gunther Plüschow. Der gewaltsame oder "Heldentod" - den Fock, Garros, Koltschák, Marseille, Prien, v. Richthofen, Saint-Exupéry, Sauro, Schlageter und Weddigen gestorben sind - ist in der Regel zwar nützlich, aber nicht erforderlich. Diese Regel wird durch einige wenige Ausnahmen bestätigt, die eigentlich keine einzige "Heldentat" vollbracht haben (und damit meint Dikigoros nicht die Kriegsverbrecher Garros und York, deren Verbrechen man einfach zu "Heldentaten" umgedeutet hat), sondern nur durch ihren "Martyrertod" nachträglich zu "Helden" aufgebauscht worden sind, wie Saint-Exupéry, Sauro und Schlageter. (Leibbrandt starb ja nicht mal den "Heldentod", sondern wurde nur zum Tode verurteilt, aber später begnadigt :-)

Ursprünglich hatte Dikigoros hier auch "Kriegshelden" aufgenommen, die später als Politiker "Karriere" gemacht haben - im Guten wie im Bösen. Inzwischen hat er diesen eine eigene Seite gewidmet, auf die er vor allem Europäer der Zwischenkriegszeit wie Atatürk, Horthy, Mannerheim, Metaxás, Pétain und Pilsudski verschoben hat, aber auch südamerikanische Nachkriegs-Generäle wie Banzer, Geisel, Perón, Pinochet und Stroessner. Die Abgrenzung, die er dabei vorgenommen hat, läßt sich vielleicht am ehesten an den Paaren Hindenburg/Ludendorff und Eisenhower/Patton demonstrieren: Die ersteren wurde nach ihren "Heldentaten" im Krieg (die in Wahrheit ohnehin andere vollbracht hatten) Präsidenten, also erfolgreiche Politiker; die politischen Karrieren der letzteren endeten dagegen, noch bevor sie richtig begonnen hatten: die Ludendorffs nach dem gescheiterten "Marsch auf die Feldherrenhalle" von 1923, und die Pattons nach seiner "Verunfallung" wahrscheinlich auf Veranlassung Eisenhowers. Dafür hat Dikigoros jetzt auch Personen aufgenommen, deren Vorstellung er zunächst für überflüssig gehalten hatte, weil er meinte, sie seien noch nicht allgemein in Vergessenheit geraten, oder jedenfalls bekannt genug, um sich auf Seiten Dritter über sie zu informieren. Zahlreiche Zuschriften haben ihm gezeigt, daß er in diesem Punkt irrte: Zumal deutsche Leser kennen oft weder Lindbergh noch Rudel, weder Saint-Exupéry noch Wlassow, und von MacArthur und Roland Garros haben sie zwar schon mal gehört, aber meist nur im Zusammenhang mit einem Schlager-Park oder einem Tennisplatz. Und gute Webseiten Dritter zu diesem Thema sind leider nur schwer zu finden - was nicht nur an den Suchmaschinen liegt. Dort sind meist die halbamtlichen Seiten des "Deutschen Historischen Museum (lemo)" und die diversen Ergüsse von "Wikipedia" ganz oben plaziert. Doch die ersteren sind meist so knapp gehalten, daß die genannten Fakten und Daten mehr Gerippe als Gerüst sind, und das ganze kaum noch einen sinnvollen Zusammenhang darstellt. (Die Kunst des Kurzlebenslaufs ist es nicht, die Hälfte - oder mehr - wegzulassen, sondern das Notwendige möglichst kurz und präzise darzustellen!) Die letzteren fallen oft in das andere Extrem - vor allem wenn mehrere Köche, pardon Bearbeiter, ihren Brei einrühren; dann ufert das ganze bisweilen aus zu einem Sammelsurium, in dem man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. [Und das so genannte "Lexikon der Wehrmacht" zeichnet sich nicht nur durch mangelne Sachkenntnis seiner Bearbeiter aus, sondern auch durch mangelhafte Kenntnisse in Rechtschreibung (einschließlich Orts- und Personennamen) und Zeichensetzung.] Dikigoros hofft, einen guten Mittelweg gefunden zu haben, auch in der Auswahl - wobei er Personen weg gelassen hat, über die er an anderer Stelle ausführlicher schreibt, wie Stephan Bandera, T. E. Lawrence oder Pierre Closterman.

Mehr als die Hälfte der hier vorgestellten "Helden" sind Deutsche oder deutscher Abstammung. Dikigoros findet das selber erschreckend - und es tröstet ihn wenig, daß auf vergleichbaren französischen Seiten hauptsächlich französische und auf vergleichbaren italienischen Seiten hauptsächlich italienische "Helden" vorgestellt werden, obwohl auch sie sich "international" geben. Sind die Deutschen wirklich so leichtfertig mit dem Ausrufen und Wiedervergessen von "Helden"? Ist es nur Zufall, daß man den amerikanischen Spielfilm "We Were Soldiers [Wir waren Soldaten]" in Deutschland unter dem Titel "Wir waren Helden" laufen ließ? Oder beruht das lediglich auf Dikigoros' mangelnder Kenntnis ausländischer "Helden"? Hoffentlich das letztere - Ihr dürft ihm gerne mailen, wenn Euch noch welche einfallen, am besten gleich mit Kurzlebenslauf und URL zum verlinken. (Aber bitte keine frei erfundenen Personen wie den notorischen Genossen Lei Fen, nach dem die Rot-Chinesen ihren Heldengedenktag benannt haben :-) Einige der bisher nur extern verlinkten Texte - vor allem die fremdsprachigen sowie die meist völlig unzureichenden Biografien des Deutschen Historischen Museums - wird er nach und nach übersetzen, korrigieren, ergänzen und dann neu einstellen. Die nachfolgende Auswahl stellt keine Bewertung dar; es sind nicht Dikigoros' Helden (das sind ohnehin nicht die großen Krieger, sondern die großen Forscher, Entdecker und Erfinder des 19. Jahrhunderts: Abbe, Benz, Bunsen, Darwin, Humboldt, Liebig, Lilienthal, Mergenthaler, Richthofen - Ferdinand, nicht Manfred! -, Röntgen, Siemens, Virchow usw.); und wenn er ausnahmsweise einen der hier Vorgestellten Kriegshelden auch persönlich als solchen akzeptiert, dann nicht wegen seiner militärischen Meriten (die man fast keinem von ihnen absprechen kann), sondern weil sie entweder versucht haben, den Krieg zu verhindern - wie Lindbergh -, ihn mit möglichst wenigen Verlusten zu führen - wie Skorzeny - oder aber Verbrechen der eigenen Truppen an der Zivilbevölkerung der Besiegten zu unterbinden - wie Patton. Im übrigen hat sich Dikigoros ausschließlich nach dem (ehemaligen) Grad der Bekanntheit und Verehrung durch Dritte gerichtet, nicht nach deren Berechtigung in seinen Augen oder nach der Dauer, die z.B. bei Günther Prien und Hans-Joachim Marseille auf wenige Jahre beschränkt war, bei Wittmann sogar auf wenige Monate. Und es stört ihn auch nicht, wenn jemand bei der Waffen-SS war - in einer Zeit, da die Angehörigen der "normalen" Wehrmacht ebenso pauschal diffamiert und kriminalisiert werden, kommt es darauf nun wahrlich nicht mehr an. (Wie sagte Dikigoros' Vater, im Mai 1945 Leutnant d.R. bei der Infanterie und zeitlebens parteilos - aber ein begeisterter Leser der Memoiren Skorzenys - schon 1966: "Eines Tages werden wir alle keine Offiziere mehr gewesen sein, sondern Nazi-Offiziere." Das klang zu einer Zeit, als der Ex-PG Kiesinger Bundeskanzler, der Ex-PG Lübke Bundespräsident und der Ex-PG Waldheim UN-Botschafter - nein, noch nicht UN-Generalsekretär oder Bundespräsident von Österreich, das sollte er beides erst später werden - waren, völlig absurd; dennoch hat er Recht behalten.) Dikigoros macht freilich keinen Hehl daraus, daß er persönlich einige der hier vorgestellten Personen zutiefst verachtet, während er bei anderen die Völker verachtet, die ihrer nicht mehr gedenken. [Ganz zu schweigen von denen, die sie als "Verräter" betrachten. Aber es ist kein Verrat, wenn jemand seine Volkszugehörigkeit höher stellt als seine Staatsbürgerschaft und deshalb gegen die "eigene" Regierung kämpft, die er entweder als Fremdherrschaft empfindet - wie Sauro oder Leibbrandt - oder wenn er sie als verbrecherisch erkannt hat - wie Wlassow, Lindbergh oder Degrelle - und deshalb bereit ist, sich mit ihren äußeren Feinden zu verbünden; das gilt jedenfalls so lange, wie er annehmen darf, daß jene Feinde nicht gegen sein Volk, sondern nur gegen dessen verbrecherische Regierung kämpfen. (Den wahren Verrätern hat Dikigoros im übrigen ein eigenes Kapitel seiner "Reisen durch die Vergangenheit" gewidmet.)] Ebenso verachtet Dikigoros jene, welche die Worte ihrer großen Historiker vergessen oder sie gar ihren schlimmsten Feinden zuschreiben - das Eingangszitat stammt nicht von Charles de Gaulle (wie man selbst auf solchen Webseiten, deren Verfasser sich als "charakterfest" und "national" ausgeben, immer wieder lesen muß), sondern von Leopold v. Ranke. Solche Korrekturen mögen einigen Mächtigen - die über die Medien herrschen und ein Informations-Monopol anstreben - nicht in den Kram passen; aber diese Mächtigen gilt es zu bekämpfen, wie der - sicher unverdächtige - Tscheche Milan Kundera einmal schrieb: "Des Menschen Kampf gegen die Macht ist der Kampf der Erinnerung gegen das Vergessen."

Andere führen einen Kampf für ihr Vergessen, stürzen ihre Denkmäler und schänden ihre Gräber - nicht nur Hooligans und Kleinkriminelle, sondern auch richtige Verbrecher, die irgendwie an die Macht gelangt sind, von Staats wegen und "im Namen des Volkes". Das war nicht immer so. Darf Dikigoros eine kleine, aber bezeichnende Passage aus den Memoiren eines Russen zitieren, der nach dem Zweiten Weltkrieg Besatzungsoffizier in Deutschland war: "In jedem kleinsten Dorf - unbedingt ein Denkmal für die gefallenen Soldaten... Man sieht hin - und möchte die Mütze abnehmen... Brave Kerle, diese Deutschen, sie verstehen, ihre Toten zu achten... In dem Städtchen, wo ich in der Kommandantur arbeitete, war auch ein Denkmal. Unser Politkommissar machte dem Kommandanten einmal den Vorschlag, es zu sprengen, sagte: 'Militärische Propaganda'. Der Kommandant schaute ihn an und sagte: 'Hör mal, Kommissar, Du bearbeite die Lebendigen, die Toten aber laß in Ruhe. Verstanden?'" Und heute, liebe Leser? Habt Ihr auch verstanden?

Die Reihenfolge der Lebensläufe ist weitgehend chronologisch, in der Regel nach dem Geburtsdatum der "Helden", wenn dies nicht gerade dazu führte, daß z.B. die größten amerikanische Heerführer des Zweiten Weltkriegs vor den deutschen und französischen Fliegerassen der Ersten Weltkriegs zu stehen kämen; in diesen Fällen hat Dikigoros die Reihenfolge behutsam geändert.


Cecil Rhodes (1853-1902), Freischärler

Carl Peters (1856-1918), Freischärler

Gabriele d'Annunzio (1863-1938), Freischärler


Alfred v. Tirpitz (1849-1930), Großadmiral

August v. Mackensen (1849-1945), Feldmarschall

Erich Ludendorff (1865-1937), General

Paul v. Lettow-Vorbeck (1870-1964), Generalleutnant

Aleksandr Wassilewitsch Koltschák (1874-1920), Admirál

Otto Weddigen (1880-1915), Kapitänleutnant

Nazario Sauro (1880-1916), Tenente di vascello1 (externer Link)

Gorch Fock (1880-1916), Obermatrose

Felix Graf Luckner (1881-1966), Korvettenkapitän

Gunther Plüschow (1886-1931), Korvettenkapitän (externer Link)

Alvin C. York (1887-1964), Sergeant d.R.

Roland Garros (1888-1918), Lieutenant

Manfred v. Richthofen (1892-1918), Rittmeister2

Albert Leo Schlageter (1894-1923), Leutnant


Douglas MacArthur (1880-1964), General

George S. Patton (1885-1945), Lieutenant General

Eduard Dietl (1890-1944), Generaloberst

Erwin Rommel (1891-1944), Generalfeldmarschall

Helmuth v. Pannwitz (1898-1947), Generalleutnant

Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944), Sous-Lieutenant d. R.

Andrej Andrejewitsch Wlassow (1900-1946), Generallejtenant

Charles A. Lindbergh (1902-1974), Brigadier General d. R.

Ernesto Botto (1907-1984), Tenente Colonello3 (externer Link)

Léon Degrelle (1906-1994), Standartenführer4 d. R.

Günther Prien (1908-1941), Kapitänleutnant (externer Link)

Otto Skorzeny (1908-1975), Obersturmbannführer5 d. R.

Werner Mölders (1913-1941), Oberst

Sidney Robey Leibbrandt (1913-1966), Sonderführer

Michael Wittmann (1914-1944), Hauptsturmführer6

Hans-Ulrich Rudel (1916-1982), Oberst

Hans-Joachim Marseille (1919-1942) Hauptmann (externer Link)

Walter Nowotny (1920-1944) Major (externer Link)

Jurij Gagarin (1934-1968), Oberst


+ + + + +

Die Nacht wird zum Morgen, die Ebbe zur Flut
Die Flamme des Feuers wird sterbende Glut
Die Lieder verklingen, der Glanz schwindet bald
Die Helden vergißt man, das Neue wird alt.

[geschändetes Soldatengrab]

Sag mir wo die Gräber sind - wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Gräber sind - was ist gescheh'n?
Sag mir wo die Gräber sind - Blumen blüh'n im Sommerwind
Wann wird man je versteh'n - wann wird man je versteh'n?


1Kapitänleutnant
2Hauptmann der Kavallerie (eine Luftwaffe gab es damals noch nicht)
3Oberstleutnant (Botto wurde - anders als die deutschen "Fliegerasse", denen die Bundeswehr verschlossen blieb - nach dem Krieg in die neue italienische Luftwaffe übernommen und stieg noch bis zum General-Leutnant auf)
4Oberst der Waffen-SS
5Oberstleutnant der Waffen-SS
6Hauptmann der Waffen-SS


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