INDIRĀ  GĀNDHĪ

(1917 - 1984)

[Indira Gandhi]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1917
14. November: Indirā1 Priydarshinī Nehrū wird als einziges Kind des Rechsanwalts Jwāharlāl Nehrū und seiner Ehefrau Kamala Kaul in Allahābād geboren. Indien ist Teil des britischen Empire, das seit 1914 einen Weltkrieg führt, um sein Territorium (ca. ein Drittel der bewohnten Erde) noch weiter zu vergrößern.



1918
Am Ende des Krieges verweigern die Briten den Indern - von denen ca. 1 Million für sie in den Kampf gegen Deutschland gezogen und ca. 100.000 gefallen sind - die dafür zuvor versprochene Unabhängigkeit.

seit 1922
Indirās Vater - der sich als einer der Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung zu etablieren beginnt - wird wiederholt wegen Anstiftung zum Landfriedensbruch verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt.

1926-41
Indirā besucht Internatsschulen und Universitäten in der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

1929
Dezember: Indirās Vater wird zum Führer der [Indian National] Congress-Partei gewählt und schreibt von da an "vollständige Unabhängigkeit [purna swarāj]" auf dessen Fahne.

1930
Oktober: Indirās Vater wird erneut von den Briten verhaftet und verbringt vier der folgenden fünf Jahre im Gefängnis.
(Die Briefe, die er während dieser Zeit an sie schreibt, werden später - stark verändertbearbeitet - als "Weltgeschichtliche Betrachtungen" heraus gegeben.2)

1939
3. September: Zwei Tage nach Beginn des Polenfeldzugs erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg (nicht aber der Sowjetunion, als auch die Rote Armee in Polen einrückt), der sich in den folgenden Jahren zum Zweiten Weltkrieg ausweitet.
Während die Muslim-Liga unter Jinnah die Briten unterstützt, nehmen führende Politiker des Congress - fast durchweg heimliche Bewunderer Hitlers - dies zum Anlaß, die Briten zum Verlassen des Landes aufzufordern ("Quit India!"). Die Briten reagieren mit einer Auflösung der Congress-Verwaltung; sein "lieber Führer [Netajī]", der Bengale Subhas Chandr Bosh [im Westen fälschlich auch "Bose" genannt], flieht ins Ausland.

1941
April: Indirā kehrt nach Indien zurück.

1942
März: Indirā heiratet den Parsen Feroze Gāndhī - gegen den erklärten Willen beider Familien, ein in Indien außerordentlich seltener Vorgang, der jedoch im Hause Nehrū Tradition hat und behalten wird. (Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.)


Indirās Hochzeitsreise nach Kashmīr bestärkt sie in der - auch von ihrem Vater geteilten - Überzeugung, daß diese Provinz ihre eigentliche Heimat sei, die zu halten jede Anstrengung, einschließlich kriegerischer Auseinandersetzungen, wert sei.
August: Indirās Vater wird erneut von den Briten verhaftet und bleibt bis kurz vor Kriegsende im Gefängnis.
Japanische Truppen erobern den Ostteil von Britisch-Indien (Barmā, heute "Myanmar").
Bosh stellt zur Unterstützung der Achsenmächte eine "Indische National-Armee [I.N.A.]" auf.

1943
Die Briten reagieren mit verstärkter Ausplünderung Indiens, insbesondere Bengalens. Bei einer Hungersnot, die nur mit der zu vergleichen ist, die zehn Jahre zuvor Stalin in der Ukraïne künstlich herbei geführt hatte, sterben mehrere Millionen Inder.

1944
Wiederholte Verhandlungen zwischen Jinnāh und Gāndhī über eine Teilung oder Nichtteilung Indiens scheitern an der kompromißlosen Haltung von Indirās Vater.

1945
August: Nach dem Abwurf zweier US-amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki endet der Zweite Weltkrieg. Subhas Chandr Bosh wird von den Briten ermordetverunfallt, die gar nicht daran denken, Indien in die Unabhängigkeit zu entlassen.

1946
Februar: Als die Briten versuchen, die 11.000 gefangen genommenen Angehörigen der I.N.A. pauschal zu "Kriegsverbrechern" zu stempeln und ihren höheren Offizieren vor einem Tribunal in Delhi den Schauprozeß zu machen, meutern die Besatzungen aller Flotteneinheiten in Britisch-Indien, ausgehend von Bombay, Kārāchī und Kalkattā, geschlossen und erklären sich zur "I.N.N. [Indischen National-Marine]". Binnen weniger Tage greift die Meuterei auf die Luftwaffeneinheiten und die Polizeikräfte in ganz Indien über, ferner auf die Armeeeinheiten in Punä und Madrās; in den größeren Städten brechen Generalstreiks aus. Die Briten bitten daraufhin die Führer der Muslim-Liga und des Congress, den nationalen Aufstand zu beenden, unter Zusicherung der Unabhängigkeit noch im selben Jahr.
September: Indirā trennt sich von ihrem Mann und zieht zurück zu ihrem Vater, der Chef einer "Übergangs-Regierung" von Englands Gnaden wird.
Dezember: Auf einer Konferenz in London akzeptieren die Muslim-Liga und der Congress eine Teilung Indiens mitten durch die beiden reichsten - und gemischt besiedelten - Provinzen, Panjāb und Bengalen. (Kashmīr soll dagegen ungeteilt bleiben.)


1947
15. August: Großbritannien gibt seine Herrschaft über Indien auf. Die beiden wichtigsten Nachfolgestaaten sind das hindūistische Bhārat und das muslimische Pākistān, die als "Dominions" dem "British Commonwealth of Nations" beitreten. Indirās Vater wird Premierminister Bhāratas.
Unmittelbar nach Ausrufung der Unabhängigkeit beginnt ein mörderischer Bürgerkrieg zwischen Hindus und Muslimen in allen gemischt besiedelten Gebieten, vor allem im Panjāb und in Bengalen.
In weniger als zwei Monaten werden ca. 11 Millionen Menschen vertrieben oder ermordet3.
Pākistān und Bhārat beginnen einen ersten Krieg um Kashmīr, der zur Teilung der Provinz führt.

1948
Januar: Gāndhī wird bei einem Attentat getötet.
September: Auch Jinnāh stirbt; das Verhältnis zwischen Bhārat und Pākistān bessert sich jedoch nicht.

1955
Indirā wird Vorsitzende des Congress.
Indirās Vater ruft den Block der "Blockfreien" ins Leben. Zu seinen Mitstreitern zählen einige der übelsten Politverbrecher der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie der "indonesische" Diktator Soekarno, der "jugoslawische" Diktator Tito und der ägyptische Militärmachthaber Nasser.

1959
März: Die brutale Unterdrückung der indisch-geprägten Kultur Tibets durch die rot-chinesischen Besatzer desillusioniert Indirās Vater über die vermeintliche Solidarität "der" Asiaten; auf Indirās Drängen gewährt er dem Dalai Lama politisches Asyl. Rot-China reagiert mit Überfällen auf Nordost-Ladakh und Asām (bis 1962).
Juli: Indirās Vater löst auf ihr Anraten die kommunistische Regierung Keralas auf und schreibt Neuwahlen aus. Indirā führt den Wahlkampf persönlich.

1960
Februar: Indirās anti-kommunistische Koalition gewinnt die Neuwahlen in Keral mit großer Mehrheit.
September: Nach dem Tode ihres Mannes bleibt Indirā Witwe.

1964
Mai: Nach dem Tode ihres Vaters tritt Indirā dessen politisches Erbe an.
Dies bestätigt ein Fänomen des gesamten indischen Raums, wo - unabhängig von der Religion - Ehefrauen, Schwestern und/oder Töchter4 führender Politiker deren Nachfolger werden können.
Indirā wird zunächst Propaganda-Ministerin.

1965
März: In den südindischen Bundesstaaten kommt es zu Unruhen, als die Regierung Hindi anstelle von Englisch als Amtssprache in ganz Bhārat einführen will. Indirā - die selber sowohl Englisch als auch Hindi fließend spricht - reist nach Madrās und legt den Streit bei: Künftig sind beide Sprachen Amtssprachen. Im folgenden kommt es zu einer vernünftigen Neuordnung der Bundesstaaten nach Sprachgrenzen, die ihr Vater stets abgelehnt hatte.


September: Während Indirā Urlaub in Kashmīr macht, bricht ein zweiter Krieg zwischen Bhārat und Pākistān um diese Provinz aus. Die Sowjet-Union vermittelt einen Waffenstillstand ohne territoriale Veränderungen.

1966
Januar: Als Premierminister Shastri nach Taschkend fliegt, um den Friedensvertrag zu unterzeichnen, stirbt er dortselbst; Indirā folgt ihm im Amt.

1966-71
Indirās Beliebtheit beim Volk nimmt infolge von Wirtschaftskrisen, Hungersnöten u.a. Problemen allmählich ab.

1971
Dezember: Mit Unterstützung der USA und Rotchinas beginnt Pākistān einen dritten Krieg gegen Bhārat. (Dennoch entblödet sich US-Präsident Nixon nicht, Bhārat als den "Aggressor" zu bezeichnen und es damit noch weiter in die Arme der Sowjet-Union zu treiben.)


Da die Bevölkerung in "Ost-Pakistan" (Bengalen) von ihrem Regime nichts mehr wissen will und die Truppen Bhārats - insbesondere die Einheiten der Sikhs, die auch einen Großteil des Offizierskorps der anderen Verbände stellen - denen "West-Pakistans" an Kampfmoral und Know-how weit überlegen sind, endet der Krieg nach nur zwei Wochen mit der Kapitulation Pakistans.


[West-]Pakistan erkennt die Unabhängigkeit von "Ost-Pakistan" (künftig "Bangla Desh") an, ebenso die Zugehörigkeit von Ost-Kashmīr zu Bhārat. (Indirā verzichtet - gegen den Rat ihres Verteidigungsministers - darauf, ganz Kashmīr zu annektieren, und legt damit den Grundstein für eine Bewegung, die Kashmīr notfalls auch unter muslimischem Vorzeichen wiedervereinigen will.)

1972
März: Bei den Parlamentswahlen gewinnt der Congress mehr als zwei Drittel der Abgeordneten. Indirā ist auf dem Gipfel ihrer Popularität. Diese schwindet jedoch nach erneuten Wirtschaftskrisen und Hungersnöten erneut sehr schnell. Die "Grüne Revolution", die zur landwirtschaftlichen Autarkie Bhārats führen sollte, scheitert vor allem am ungebremsten Bevölkerungswachstum (die Einwohnerzahl übersteigt Ende des Jahrhunderts die Milliardengrenze), dem Indirā erst mit Prämien für freiwillige Sterilisationen, dann mit Zwangssterilisationen in kinderreichen Familien der Unterschicht zu begegnen sucht, was sie bei den kinderliebenden Indern viele Sympathien kostet.5 Vor allem in den Randprovinzen Panjāb, Asām und Keral, aber auch in Bihār und Bengalen kommt es zu - meist kommunistisch gelenkten - Unruhen.

1975
Mai: Indirā annektiert - nach einer "Volksabstimmung" zweifelhafter Art und Güte - das kleine Himālay-Königreich Sikkim.
(Als Reaktion darauf beginnt die Wühlarbeit der Rotchinesen im benachbarten Königreich Nepāl, wo 30 Jahre später die Maoïsten die Macht ergreifen.)
Juni: Indirā ruft den Notstand aus, wirft die Anführer der "außer-parlamentarischen Opposition" ins Gefängnis und läßt die anstehenden Wahlen "vertagen".


1977
März: Gegen den Rat ihres Sohnes Sanjay schreibt Indirā kurzfristig Wahlen aus, die sie deutlich verliert.
Neuer Premierminister wird Morar Desai, der Indirā und Sanjay verhaften und dafür alle Polit- und sonstigen Verbrecher frei läßt, die in den letzten zwei Jahren ins Gefängnis gekommen waren. Eine Welle der Kriminalität überrollt Bhārat. Indirās Popularität beginnt wieder zu steigen.


1980
Januar: Bei Neuwahlen gewinnt Indirā die absolute Mehrheit und wird wieder Premierministerin. Bald hat sie erneut mit Unruhen in Kashmīr, Asām und vor allem im Panjāb zu kämpfen, wo militante Sikhs einen eigenen Staat ("Khalistān") fordern.


1981
Februar: Indirās Sohn Sanjay kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.6

1983
Dezember: Sant Jarnail Singh Bhindranwale, der Anführer der militanten Khalistān-Befürworter, verschanzt sich mit seinen Anhängerm - zu denen u.a. der ehemalige Fallschirmjäger-General Shabeg Singh7 zählt - im Bezirk des "Goldenen Tempels" in Amritsar, dem Heiligtum der Sikhs.


Sant Jarnail Singh Bhindranwale * * * * * Der Tempelbezirk in Amritsar mit dem "goldenen Tempel" Harmandar Sahib (links) und dem Akal Tākhat Sahib (rechts)

1984
5./6. Juni: Indirā - in religiösen Dingen ebenso indifferent wie ihr Vater und ihr Großvater8 und entsprechend rücksichtslos - läßt den Tempelbezirk mit Waffengewalt stürmen und alle dort angetroffenen Personen töten.9
Damit macht sie Bhindranwale (hinter dem bis dahin nur eine Minderheit der Sikhs stand - bei Wahlen erzielte er keine nennenswerten Erfolge) zum Martyrer und sich selber Millionen Sikhs zu Todfeinden; sie will dies freilich nicht wahr haben und hält demonstrativ an ihren Sikh-Leibwächtern fest.
31. Oktober: Indirā Gāndhī wird von zwei ihrer Sikh-Leibwächter erschossen.
Eine sechsstellige Anzahl von Sikhs wird anschließend Opfer von Pogromen aufgebrachter Hindus10; das Verhältnis zwischen den beiden Religionsgemeinschaften ist auf absehbare Zeit vergiftet.


Indirās politisches Erbe tritt ihr Sohn Rājiw an. Er fällt 1991 als Premierminister ebenfalls einem Attentat zum Opfer.


1"die Glänzende" - ein Beiname der Göttin Lakshmī.

2Indirās Schwiegertochter Sonia gibt später eine Auswahl unter dem Titel "Tochter der Freiheit" neu heraus.

3Die Emory-Universität in Atlanta/Georgia legte 2006 eine Untersuchung vor, wonach es sogar "15 Millionen" Opfer gewesen sein sollen. Dikigoros mißtraut solchen nachträglichen Berechnungen, die mal eben um ein paar Millionen nach oben oder unten von früheren, zeitnahen Zählungen abweichen, will sie aber seinen Lesern nicht vorenthalten.

4Die bekanntesten Beispiele sind - neben Indirā selber - ihre Schwiegertochter Sonia in Bhārat, Sirimāwo Bhãdārnāyke und deren Tochter Chandrika Kumaratunga in Shrī Lankā, Mujibur Rahmans Tochter Hasina Wajed in Bangla Desh, Aung Sans Tochter Suu Kyi in Barmā sowie Jinnāhs Schwester Fatima und Zulfikar Alī Bhuttos Tochter Benazir in Pākistān. Eine unumstößliche Regel scheint ferner zu sein, daß indische Politiker[innen] kein "normales" Familienleben haben. So lebte Jinnāh die meiste Zeit seines Lebens mit seiner Schwester zusammen, Nehrū erst mit seiner Schwester, dann mit seiner Tochter, und Indirā mit ihrem Sohn. Benazir Bhutto wurde nachgesagt, daß sie ihren Bruder ermorden ließ, um ihren Vater beerben zu können.

5Die westlichen Medien haben Indirās wachsende Unbeliebtheit überwiegend der Ausrufung des Notstands im Juni 1975 und der damit verbundene Einschränkung "demokratischer Grundrechte", vor allem der "Pressefreiheit" zugeschrieben. Tatsächlich war das letztere nicht die Ursache, sondern vielmehr die Folge des ersteren, als Indirā sich nicht mehr anders zu helfen wußte. Dikigoros hat damals in Indien mit vielen Menschen aller Bevölkerungsschichten gesprochen. An erster Stelle der Kritik stand bei allen Gegnern Indirās das Sterilisations-Programm. (Dagegen interessierten "Demokratie" und "Pressefreiheit" allenfalls am Rande.) Im Westen - wo gerade erst die Abtreibung legalisiert worden war und "Familienplanung" groß in Mode kam - verstand man das nicht, da man eine Bremsung des indischen Bevölkerungswachstums für gut und wünschenswert hielt. Außerdem griff dieses Programm erst nach dem zweiten Kind, während z.B. in der VR China die Ein-Kind-Familie propagiert und u.a. durch Zwangsabtreibungen forciert wurde.

6Merkwürdigerweise wurde nie ernsthaft bezweifelt, daß es sich dabei um einen bloßen Unfall handelte. Dabei war Sanjay der bestgehaßte Mann im Lande. Im Volk herrschte die Meinung vor, daß Indirā alle unpopulären Entscheidungen von ihrem Sohn "eingeflüstert" worden seien; Motive für ein Attentat gab es also reichlich. Sanjay war - wie sein Bruder Rājiw - ein erfahrener Pilot; der Looping, bei dem er abstürzte, war für ihn kein besonders schwieriges Manöver. Sabotage an seinem Flugzeug wurde jedoch ausgeschlossen.

7Shabeg Singh war in jungen Jahren ein großer Sportler (indischer Meister im 100-m-Lauf - auch Landesrekordhalter -, Weitsprung und Hockey) und später ein hoch dekorierter Kriegsheld. Er hatte in Barmā gegen die Japaner, in Malaya und Asām gegen die Chinesen und in Kashmīr gegen die Pākistānī gekämpft. 1971 war er maßgeblich am siegreichen Feldzug in Ost-Pākistān beteiligt, wo er zuvor heimlich eine Armee aus unzufriedenen Ost-Bengalen aufgebaut hatte, die auf Seiten Bhāratas kämpfte. Seine Entlassung im Jahre 1976 durch Indirā - mit äußerst fadenscheiniger Begründung - hatte ihr Verhältnis zum Offizierskorps im allgemeinen und zu den Sikhs im besonderen stark belastet.

8Indirā bekannte sich zum "Adi Dharm", einer Glaubensrichtung, die Dikigoros mit aller gebotenen Vorsicht als "Anti-Hinduïsmus" bezeichnen würde, die jedenfalls alle seine wesentlichen Grundsätze über Bord geworfen hat. In "besseren" Hindu-Tempeln hatte Indirā Zutrittsverbot.

9Indirā befürchtete, daß nach einer Unabhängigkeit "Khalistānas" auch andere Randprovinzen "wegbrechen" könnten und daß dies der Anfang vom Ende Bhāratas wäre, was in Anbetracht des Sonderfalls "Sikhs" - zumal nach der Abtrennung Hariyānās anno 1966 - nicht zwingend erscheint. Doch selbst wenn man ihre Auffassung teilte - und ferner glaubte, daß dies eine politische Katastrofe wäre -, so gab es doch keinen stichhaltigen Grund für eine gewaltsame "Eroberung" des Goldenen Tempels. Indirā meinte, daß diese Entscheidung nicht auf sie persönlich zurück fallen würde, da der Angriffsbefehl formell vom Präsidenten - einem Sikh - kam und auch der Angriff von Sikh-Offizieren geführt wurde - auch in diesem Punkt irrte sie. Mit etwas Geduld hätte sie den Tempel abriegeln und die "Rebellen" binnen einiger Wochen oder Monate aushungern lassen können; statt dessen schickte sie die Armee mit Panzern ins Gefecht, bei dem wahllos alles nieder gemacht wurde, was man antraf. Als Zeitpunkt wählte sie ausgerechnet die Nacht vom Heiligabend auf den Weihnachtstag der Sikhs, als der Tempelbezirk mit harmlosen Pilgern aus aller Welt überfüllt war. (Schätzungen schwanken zwischen ca. 500 und ca. 5.000 zivilen Opfern.) Die Behauptung, der Harmandar Sahib - der wichtigste Tempel des Bezirks - sei bei dieser Gelegenheit zerstört worden, ist allerdings unzutreffend. Stark beschädigt wurde "nur" der - zweitwichtigste - Akal Tākhat Sahib. Hauptvorwurf der Sikhs war auch nicht der Beschuß des A.T.S. - wo die Aufständischen schließlich selber Maschinengewehr-Nester eingerichtet hatten -, sondern die Entweihung des H.S. durch Soldaten, die ihn in Stiefeln betraten, und die "versehentliche" Vernichtung der heiligen Schriften.

10Die Angaben zur Zahl der Todesopfer schwanken extrem - zwischen "300" und "50.000". Auch die Zahl der vertriebenen oder in den Panjāb geflüchteten Sikhs ist nicht mehr genau zu ermitteln; die jüngsten Schätzungen von ca. 1,25 Millionen dürften zu hoch gegriffen sein; sie war jedoch zumindest sechsstellig.


zurück zu Kalkutta liegt nicht am Ganges

zurück zu Politiker des 20. Jahrhunderts

heim zu Von der Wiege bis zur Bahre

stats

Hosted by T35 Free Web Hosting. Authentic Sunglasses - Online Casinos - Drug Rehab - Online Degree - Hosting - Prada Sneakers - SEO Services