Tabellarischer Lebenlauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros
1892
14. Januar: Martin Niemöller wird in Lippstadt/Westfalen als zweites von sechs Kindern des lutherischen Pfarrers
Heinrich Niemöller und seiner Ehefrau Paula, geb. Müller, geboren.
Er wird kaisertreu und deutsch-national erzogen.
1900
Die Familie zieht nach Eberfeld um.
1910
Niemöller tritt nach dem Abitur als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein.
1912
Niemöller wird zum Leutnant befördert und auf das Linienschiff "Thüringen" versetzt.
Niemöller wird zum Oberleutnant befördert und Steuermann auf U 39.
1918
Niemöller wird Kommandant von UC 67, das im Mittelmeer vor Malta operiert.
1919
Juni: Niemöller tritt aus Ablehnung des Weimarer Systems und Protest gegen das Versailler Friedensdiktat (das die
Auslieferung der deutschen Flotte an die Alliierten vorsieht) aus der Marine aus.
Juli: Niemöller heiratet Else, geb. Bremer. (Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor.)
Die Eheleute beginnen mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung, um nach Südamerika auszuwandern, was jedoch aus finanziellen Gründen scheitert.
Oktober: Niemöller beginnt aus Verlegenheit ein Theologie-Studium in Münster.
1920
Niemöller wird Offizier der "Akademischen Wehr", eines Freikorpsverbandes, der bei der Niederschlagung kommunistischer Aufstände an der Ruhr mitwirkt.
1924
Niemöller wird zum protestantischen Geistlichen ordiniert.
Niemöller wird Geschäftsführer der "Inneren Mission" in Westfalen.
1931
Niemöller erhält eine Pfarrei in Berlin-Dahlem.
Er betätigt sich als Antisemit und unterstützt politisch die NSDAP.
1933
30. Januar: Nachdem Reichspräsident
Paul v. Hindenburg den Führer der NSDAP,
Adolf Hitler zum Reichskanzler berufen hat, gelobt Niemöller "unserem Führer [...] treue Gefolgschaft".
Niemöller begrüßt auch die Einrichtung von Konzentrationslagern für "gottlose Kommunisten".
Oktober: In Konkurrenz zu den (national-sozialistisch orientierten) "Deutschen Christen" ruft Niemöller zur Gründung eines "Pfarrernotbundes" auf, aus dem später die so genannte
Bekennende Kirche hervor gehen soll.
1934
Januar: Niemöller nimmt an einem Treffen der deutschen Kirchenführer mit Hitler teil, der inzwischen ein Konkordat mit dem Vatikan geschlossen hat.
März: Da Niemöller den so genannten
Arierparagrafen
ablehnt, wird er seiner Ämter enthoben und erhält Predigtverbot.
Mai: Auf der 1. Synode der "Bekennenden Kirche" in Barmen bekennt sich diese zur von Karl Barth (1886-1968) verfaßten "Barmer Erklärung".
Juli: Niemöller wird nach einem Urteil des Landgerichts Berlin wieder in seine Kirchenämter eingesetzt.
Niemöller veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "Vom U-Boot zur Kanzel".
1935
Niemöller veröffentlicht einige seiner Reden unter dem Titel "Predigten".
Niemöller wird zusammen mit anderen Pfarrern, die gegen die Schriften des NS-Ideologen
Alfred Rosenberg
gepredigt haben, verhaftet, aber kurz darauf wieder frei gelassen.
1937
Juli: Niemöller wird erneut verhaftet.
1938
März: Niemöller wird zu 7 Monaten Festungshaft verurteilt, die jedoch durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten.
Gleichwohl wird er als "persönlicher Gefangener des Führers" im Konzentrationslager Sachsenhausen in "Schutzhaft" genommen, die freilich eher den Charakter eines Hausarrests hat.
1939
September: Nach der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an das Deutsche Reich bittet Niemöller um seine Einberufung zur Wehrmacht; sein Gesuch wird jedoch abgelehnt.
1940
Dezember: Die alliierten
Medien
beginnen, Niemöller für ihre Propagandazwecke zu instrumentalisieren.
1941
Niemöller wird in das Konzentrationslager Dachau verlegt.
1945
Niemöller wird nach Tirol verlegt, wo er von deutschen Truppen frei gelassen wird; er gerät jedoch als "Nazi-Deutscher" in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst nach einem Hungerstreik entlassen wird.
Unterdessen bauen die Amerikaner das Konzentrationslager Dachau zu "Museumszwecken" in ein Vernichtungslager um (u.a. Einbau von "Gasduschen"). Als prominentestes "Opfer" gilt bis heute Niemöller, dem man einen Spruch über versäumten Widerstand in den Mund legt, auf dessen Text man sich indes nie ganz einigen konnte.
Niemöller wird Mitglied des Rates der "Evangelischen Kirchen in Deutschland" (EKD).
Niemöller wird zum Präsidenten des Kirchlichen Außenamtes "gewählt".
Niemöller vertritt gegen heftigen Widerstand aus Kirchenkreisen im so genannten
Stuttgarter Schuldbekenntnis die These von der Mitschuld der evangelischen Kirche am National-Sozialismus; er lehnt jedoch die These einer "Kollektivschuld" der Deutschen ab und wendet sich gegen die Auswüchse der "Entnazifizierung". Die Zustände unter der alliierten Besatzung bezeichnet er als so schlimm, wie sie "selbst unter dem Naziregime niemals gewesen sind".
1946
Niemöller reist - auf Einladung von John Foster Dulles - in die USA und wiederholt dort seine Vorwürfe gegen die US-Besatzer, womit er sich dort nicht eben beliebt macht.
1947
Oktober: Niemöller wird Kirchenpräsident der evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau (bis 1965).
1949
Niemöller protestiert vehement gegen die Gründung der "Bundesrepublik Deutschland" (nicht aber gegen die Gründung der "Deutschen Demokratischen Republik").
1950
Niemöller schreibt einen offenen Brief an Bundeskanzler
Konrad Adenauer,
in dem er sich gegen die Wiederbewaffnung ausspricht - die noch gar nicht zur Debatte steht.
1952
Niemöller besucht in Moskau den russisch-orthodoxen Patriarchen, der ein strammer Stalinist ist. Diese Haltung stört Niemöller jedoch - anders als die einiger protestantischer Bischöfe im "Dritten Reich" - nicht im geringsten. (Er schweigt sich auch darüber aus, wen die Kommunisten alles "holten", und warum es keinen mehr gibt, der gegen das Sowjet-Regime
protestieren könnte.) Zur Belohnung wird ihm der
Stalin-Friedenspreis der UdSSR verliehen.
(Zweieinhalb Jahre nach Stalins Tod wird der "Stalin-Friedenspreis" in "Lenin-Friedenspreis" unbenannt, und alle Preisträger werden aufgefordert, Urkunden und Medaillen zurück zu geben; sie erhalten dafür neue, zurück datierte Lenin-Friedenspreise.)
1955
Niemöller gibt nach heftiger Kritik durch die Weimarer Generalsynode seinen Sitz im Rat der EKD mit den Worten auf: "Ich habe unter der Kirche nach 1945 mehr gelitten als unter dem ganzen National-Sozialismus."
1959
Niemöller, der immer mehr zum Kommunismus tendiert, geht auf Vortragsreise durch die DDR und verunglimpft bei der Gelegenheit die Bundeswehr als "hohe Schule für Berufsverbrecher" - die "Friedenstruppen" der NVA kritisiert er dagegen nicht. Zur Belohnung wird ihm die DDR-Friedensmedaille in Gold verliehen.
Die Niemöller-Biografien von Dietmar Schmidt und Clarissa Start-Davidson erscheinen.
1961
Niemöller wird einer von sechs Präsidenten des Weltkirchenrats (bis 1968). Als solcher setzt er sich u.a. - erfolglos - für die Freilassung von
Rudolf Hess ein.
1965
Niemöller nimmt am - kommunistischen - "Weltfriedenskongreß" in Helsinki teil. Von den Spannungen und Widersprüchen zwischen linientreuen Moskowitern und Maoisten - die bald zum Bruch zwischen der SU und der VRC führen werden - bemerkt er nichts.
Nach seinem Rücktritt als Kirchenpräsident von Hessen-Nassau lebt Niemöller in
Darmstadt.
1967
Niemöller reist ins kommunistische Nordvietnam, wird von
Hô Chí Minh
empfangen und hetzt gegen den US-Imperialismus und Kapitalismus.
1968
Niemöller schließt sich der kommunistischen "APO (außer-parlamentarische Opposition)" an.
1969
Niemöller wird von der neuen SPD-FDP-Regierung (Bundeskanzler
Willy Brandt)
das Großkreuz des Bundesverdienstordens verliehen - für welche seiner vielen "Verdienste" genau, bleibt unklar.
1971
Niemöller - seit 1961 verwitwet - heiratet in 2. Ehe seine "Assistentin" Sibylle [nach ihrer Konvertierung zum Judentum: Sarah] v. Sell.