Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros
1887
28. November: Ernst Julius Röhm wird als dritter Sohn des bayrischen Eisenbahn-Oberinspektors (später Direktors) Julius Röhm und seiner Ehefrau Emilie, geb. Baltheiser, in München geboren.
1906
Nach dem Abitur am humanistischen Maximilians-Gymnasium in München tritt Röhm in das 10. bayerische Infanterie-Regiment "Prinz Ludwig" ein.
1908
Röhm besucht die Kriegsschule in München und wird zum Leutnant befördert.
1914
Nach Beginn des
Ersten Weltkriegs
wird Röhm zunächst als Bataillons-Adjutant an der Westfront eingesetzt.
1916
Röhm wird vorübergehend dem bayerischen Kriegsministerium zugeteilt.
1917
Röhm wird Ordonnanzoffizier, anschließend zum Hauptmann befördert und 2. Generalstabsoffizier seiner Division an der Westfront .
1918
Nach dem Waffenstillstand wird Röhm Stabschef der Stadtkommandantur München mit politischen Sicherheitsaufgaben.
1919
Röhm schließt sich dem
Freikorps von Oberst
Franz Ritter v. Epp an, das zusammen mit regulären bayrischen Einheiten die
kommunistiche "Räterepublik" niederschlägt.
In dem zur "Brigade Epp" umgewandelten Freikorps ist Röhm zuständig für die Erfassung von Waffen demobilisierter Truppenteile und die Anlage geheimer Waffenlager, aus denen die bayerischen Einwohnerwehren und andere paramilitärische Organisationen versorgt werden.
Röhm wird Generalstabsoffizier der
Reichswehr
in München.
1923
Röhm wirkt als Motor beim Zusammenschluß bayerischer paramilitärischer Wehrverbände (einschließlich der NSDAP) zum "Deutschen Kampfbund", wobei er Hitler als revolutionäre politische Kraft besonders fördert.
November: Röhm nimmt mit seinem eigenen Wehrverband "Reichskriegsflagge" am
Hitler-Putsch
teil und wird nach dessen Scheitern aus der Reichswehr entlassen.
1924
April: Röhm wird für seine Beteiligung am Hitler-Putsch zu 15 Monaten Festungshaft auf Bewährung verurteilt.
Röhm wird bei den
Reichstagswahlen vom 4. Mai
für die Deutsch-Völkische Freiheitspartei in den Reichstag gewählt.
Röhm wird von Hitler mit der Reorganisation der nationalsozialistischen
Sturmabteilung (SA)
beauftragt. Er gründet außerdem als Dachorganisation der völkischen Wehrverbände den "Frontbann".
1925
April: Zwischen Röhm und Hitler entwickelt sich ein Streit über die Stellung des "Frontbanns". Nach der Neugründung der NSDAP möchte Hitler gemäß seiner Legalitätstaktik nicht mehr mit paramilitärischen Gruppen zusammenarbeiten. Röhm tritt aus Protest von seinem Amt als SA-Führer zurück.
1928
Röhm arbeitet als Militärinstrukteur für die bolivianische Regierung (bis 1930).
1930
1. November: Nach seiner Rückkehr nach Deutschland tritt Röhm wieder in die NSDAP ein.
1931
Januar: Röhm folgt dem Angebot Hitlers, erneut die oberste SA-Führung zu übernehmen. Zuvor war es zwischen dem Parteiapparat der NSDAP und der SA zu Machtrivalitäten gekommen.
Röhm baut die SA zu einer schlagkräftigen Massenorganisation aus. Sie findet während der
Weltwirtschaftskrise besonders Zulauf von proletarisierten ehemaligen Frontkämpfern und Arbeitslosen, darunter zahlreichen Ex-Kommunistenm, die sich erbitterte Straßenkämpfe mit ihren einstigen Genossen liefern. Teile der revolutionär eingestellten SA-Männer lehnen Hitlers Legalitätspolitik und seine Annäherung an kapitalistische Kreise als "Verrat an der braunen Revolution" ab.
1933
Januar: Nachdem Reichspräsident
Paul v. Hindenburg
Hitler als Führer der Mehrheitsfraktion im Reichstag zum Reichskanzler berufen und mit der Kabinettsbildung beauftragt hat, wird Röhm Reichsminister ohne Geschäftsbereich und bayerischer Staatsminister.
Seine Bemühungen, die auf viereinhalb Millionen Mitglieder angewachsene SA in einer "zweiten Revolution" zum Kader eines neuen Volksheers zu machen, bringen Röhm in Rivalität zur Reichswehr und in zunehmenden Gegensatz zur NSDAP. Besonders
Heinrich Himmler,
Führer der aus der SA hervor gegangenen und mittlerweile mit dieser konkurrierenden
Schutzstaffel
(SS) sowie die Reichswehr-Generäle fordern Hitler zum Eingreifen gegen die SA auf.
Röhm veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "Die Geschichte eines Hochverräters".
1934
Juni: Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Putsch der SA, den so genannten
Röhm-Putsch,
bieten Hitler den Anlaß, gegen die SA vorzugehen. Er beurlaubt die SA-Führung zunächst für einen Monat und bestellt sie dann auf eine Tagung nach Bad Wiessee.
30. Juni/1. Juli: In der "Nacht der langen Messer" werden Röhm und andere hohe SA-Führer verhaftet. Gleichzeitig werden auch ca. 200 andere tatsächliche oder vermeintliche Feinde Hitlers und anderer NS-Größen liquidiert, u.a.
Gregor Strasser,
Gustav Ritter von Kahr
und General und Reichskanzler a.D.
Kurt von Schleicher.
1. Juli: Ernst Röhm wird in München-Stadelheim von SS-Unterführern erschossen.
Die SA verliert fortan an Bedeutung, die Reichswehr behält das Militärmonopol, zugleich beginnt der Aufstieg der SS.
Mit dem "Staatsnotwehrgesetz" schafft die Justiz nachträglich die Rechtsgrundlage für die "Nacht der langen Messer". Hitler habe als "oberster Gerichtsherr" im Einklang mit dem Recht gehandelt. Röhm wird nie rehabilitiert.