Tabellarischer Lebenslauf
erstellt u. bebildert von
Nikolas Dikigoros
1916
02. Juli: Hans-Ulrich Rudel wird in Konradswaldau (Niederschlesien) als Sohn eines evangelischen Pastors geboren.
1927-36
Rudel besucht das humanistische Gymnasium in Lauban, wo er das Abitur ablegt.
1934
Rudel wird Mitglied der Hitlerjugend; der NSDAP tritt er jedoch nie bei.
1936
Dezember: Nach dem Arbeitsdienst tritt Rudel als Fahnenjunker in die Luftwaffe ein.
1938
Juni: Rudel wird als Oberfähnrich zum Sturzkampfgeschwader 168 nach Graz versetzt.
Dezember: Rudel wird zur Aufklärerschule der Luftwaffe nach Hildesheim versetzt.
1939
Januar: Rudel wird zum Leutnant befördert.
Juni: Rudel wird der Fernaufklärungsgruppe 121 zugewiesen.
September: Rudel nimmt als Fernaufklärer am
Polenfeldzug teil.
November: Rudel wird das EK II verliehen.
1940
März: Rudel wird zum Fliegerausbildungsregiment 43 versetzt. Er gilt als Außenseiter, da er weder raucht noch Alkohol trinkt und seine Freizeit lieber auf dem Sportplatz als im Kasino verbringt.
Mai-Juni: Rudel nimmt am Frankreichfeldzug teil, fliegt jedoch keine Kampfeinsätze.
September: Rudel wird zum Oberleutnant befördert.
1941
April: Rudel nimmt am
Balkanfeldzug
teil, jedoch wiederum ohne Kampfeinsätze zu fliegen.
Er wird der Stukagruppe des Geschwaders "Immelmann" zugeteilt.
September: Rudel versenkt im Hafen von Kronstadt das sowjetische Schlachtschiff Marat.
1942
Januar: Rudel wird nach dem 500. Feindflug das Ritterkreuz verliehen.
Juni: Rudel nimmt am Krimfeldzug teil.
1943
Februar: Rudel absolviert seinen 1000. Feindflug.
März: Rudel wird nach Brjansk versetzt, um den Einsatz von Sturzkampfbombern gegen Panzer zu erproben.
(Die deutsche Führung hatte es trotz offensichtlicher Kriegsplanungen der Alliierten versäumt, entsprechend der eigenen Propaganda ernsthaft aufzurüsten und konnte diesen Rückstand auch während des Krieges nie ganz aufholen. Bei Beginn des Rußlandfeldzugs ist die Wehrmacht selbst der Roten Armee waffentechnisch hoffnungslos unterlegen - insbesondere bei Panzern und Panzerabwehrkanonen. Auch für die Stukaangriffe gegen Panzer stehen nur minderwertige Maschinen zur Verfügung; Rudel fliegt bis zum bitteren Ende die veraltete Ju 87. Er wird auf insgesamt über 2.500 Feindflügen - bei denen er über 500 feindliche Panzer vernichtet - 30 mal abgeschossen, kann sich jedoch immer wieder retten.)
April: Rudel wird zum Hauptmann befördert; ihm wird das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
Juli: Rudel wird Kommandeur im Geschwader Immelmann.
November: Rudel werden die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes verliehen.
1944
1. März: Rudel wird zum Major befördert.
20. März: Rudel gelingt es mit einem Husarenstück, hinter den sowjetischen Linien zu landen und gefangene deutsche Piloten zu befreien.
1. Juni: Rudel absolviert seinen 2000. Feindflug.
1. September: Rudel wird zum Oberstleutnant befördert. Stalin setzt 100.000 Rubl auf seinen Kopf aus.
1. Oktober: Rudel wird Kommodore des Immelmann-Geschwaders.
29. Dezember: Rudel wird das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten, die - eigens für ihn geschaffene - 5. Stufe des Ordens, verliehen. Er ist damit der höchstdekorierte deutsche Soldat des Zweiten Weltkriegs.
1945
Januar: Rudel wird zum Oberst befördert
8. Februar: Rudel wird durch Flaktreffer abgeschossen und verliert den rechten Unterschenkel.
8. Mai: Nach der Kapitulation der Wehrmacht begibt sich Rudel in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.
1946
April: Rudel wird aus der Gefangenschaft entlassen.
1948
Rudel wandert nach Argentinien aus. Er berät Präsident
Perón
beim Aufbau der argentinischen Luftwaffe.
1950
Rudel veröffentlicht seine Kriegs- und Nachkriegsmemoiren unter dem Titel "Trotzdem".
1951
Rudel kehrt nach Deutschland zurück und engagiert sich politisch für die Sozialistische Reichspartei (SRP).
1952
Oktober: Bundeskanzler
Adenauer läßt die SRP verbieten.
1953
Oktober: Rudel kandidiert bei den Bundestagswahlen erfolglos für die Deutsche Reichspartei (DRP), eine Nachfolgeorganisaton der SRP.
1955
Rudel übersiedelt nach Paraguay.
1956
Rudel veröffentlicht "Zwischen Deutschland und Argentinien".
1958
Rudel reist zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Schweden und wird von der DFB-Delegation empfangen; er gilt als enger Freund von Bundestrainer
Herberger.
Niemand regt sich darob auf.
1970
Rudel erleidet einen Schlaganfall, nach dem sein rechter Arm gelähmt bleibt.
1976
"Verteidigungs"-Minister Leber (SPD) entläßt zwei Bundeswehr-Generäle, die sich positiv über Rudels militärische Leistungen im Zweiten Weltkrieg geäußert haben. Mit einer groß angelegten Kampagne wird versucht, die letzteren herunter zu rechnen, indem man behauptet, die meisten von Rudels Abschüssen seien in Wahrheit von anderen erzielt und nur aus Propagandagründen ihm zugeschrieben worden, weil er ein besonders "fanatischer Nazi" gewesen sei. [Tatsächlich war es umgekehrt: Rudel ließ 1945 seine letzten Abschüsse anderen zuschreiben, damit nicht auffiel, daß er sich über
Hitlers
Flugverbot hinweg setzte.] Haltlose Gerüchte werden in Umlauf gesetzt, z.B. daß Rudel mit der - inzwischen zur "verbrecherischen Organisation" abgestempelten - Legion Condor am Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) teilgenommen habe und daß er seit dem Militärputsch General
Pinochets
in Chile lebe - womöglich gar in der "verbrecherischen" Colonia Dignidad.
1978
Rudel darf während der Fußball-Weltmeisterschaft in Argentinien das Trainingslager der DFB-Auswahl besuchen. Der "Zentralrat der Juden"
protestiert, veranlaßt eine Bundestags-Debatte über den "fanatischen Nazi" Rudel und läßt den Besuch von den Medien zum "Skandal" aufbauschen. Bundestrainer Helmut Schön muß nach dem Turnier zurück treten. [Als "sportlicher" Vorwand dient die 2:3-Niederlage der DFB-Auswahl gegen die RÖ-Auswahl in der Vorschlußrunde ("Schmach von Córdoba").]
1982
Juli: Anläßlich seines 66. Geburtstags gibt Rudel einer katalanischen Zeitung ein Interview. Darin äußert er sich kritisch bis distanziert über die "Kriegshelden"
Adolf Galland (der seine Ideale verraten habe) und
Léon Degrelle (der sich aus Furcht vor einer Auslieferung an Belgien nie wieder nach Deutschland getraut habe und daher die Jahrestreffen der Überlebenden des Kessels von Tscherkassy versäumte); nur über
Otto Skorzeny äußert er sich uneingeschränkt positiv.
18. Dezember: Hans-Ulrich Rudel stirbt in
Rosenheim.
Seine Beerdigung in Dornhausen (bei
Gunzenhausen)
führt zu einem Skandal, da einige Piloten der Bundesluftwaffe - angeblich - eine Ehrenbezeugung über seinem Grab fliegen.
2006
März: Das Nachrichtenmagazin "Focus" hetzt unter dem Titel "Die Schmach von Cordoba" gegen "den früheren Nazi-General Hans-Ulrich Rudel". Wem der letztere diese posthume Beförderung verdankt, bleibt unklar. In politisch-korrekten Internet-Foren diskutieren Möchtegern-"Militär-Historiker" die Frage, wie es möglich war, daß ein Bomberpilot, der "so viele Städte in Schutt und Asche gelegt hat", zum Helden und Vorbild werden konnte. Auch die Urheberschaft dieser posthumen Versetzung Rudels - der nie auch nur eine Bombe auf eine Stadt abgeworfen hat - zu den alliierten Bomberverbänden bleibt ungeklärt. [Möglicherweise geht sie zurück auf die falsch verstandene Aussage des jüdischenelsässischen französischen Terror-Bombers Pierre Clostermann (Mörder der KZ-Häftlinge der
Cap Arcona),
er hätte sich gewünscht, Rudel in den eigenen Reihen zu haben.]