Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros
1937
28. April*: Saddām Ħusäin wird in einem Vorort von Tikrīt* - daher sein Namenszusatz "äl-Tikrītī [der aus Tikrit]" - als uneheliches Kind einer Bäuerin geboren. Er wächst bei seinem Onkel auf.
Großbritannien hat sich nach dem
Ersten Weltkrieg
aus der Konkursmasse des
Osmanischen Reichs
u.a. die Provinzen Mosul, Bagdad und Basra unter den Nagel gerissen, sich deren Besetzung 1920 mit einem "Völkerbund-Mandat" absegnen lassen, dagegen gerichtete Aufstände insbesondere der Kurden mit probaten Mitteln - u.a. Luftbombardements auf die Zivilbevölkerung unter Einsatz von Giftgas (auf Veranlassung von Kolonial-Minister
Churchill)
- nieder geschlagen, sie 1921 zu einem Marionetten-Königreich "'Irāq" - mit dem Haschimiten-Häuptling Fäisal als "König" - zusammen gefaßt und dieses 1932 formal in die "Unabhängigkeit" entlassen (sich jedoch zuvor vertraglich den größten Teil des Erdöls aus Mosul und Basra gesichert).
1939
September: Großbritannien erklärt dem Deutschen Reich den Krieg.
1941
April: Saddāms Onkel beteiligt sich an einem Aufstand gegen den Marionetten-König. Von den Achsen-Mächten im Stich gelassen, werden die Aufständischen von den Briten leicht besiegt und die Marionette wieder eingesetzt; Saddāms Onkel wird ins Gefängnis geworfen; Saddām kehrt zu seiner Mutter zurück.
1945
.
1946
Nach der Heirat seiner Mutter kehrt Saddām - der mit seinem Stiefvater nicht auskommt - zu seinem inzwischen wieder frei gelassenen Onkel zurück.
1948
Im arabisch-israelischen Krieg um Palästina erlebt Ğamāl seine Feuertaufe.
1952
26. Juli: Eine kleine Offiziersclique unter Ali Muhammad Nagib stürzt König Faruq, schafft die Monarchie ab und errichtet eine Militär-Diktatur. Ğamāl - inzwischen Oberst - wird Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte.
1953
Nagib macht Ğamāl zum Innenminister.
1954
Nagib schließt mit Großbritannien ein Abkommen, wonach die Briten die Suez-Kanal-Zone binnen zwei Jahren räumen sollen - was auch tatsächlich geschieht.
November: Ğamāl putscht erfolgreich gegen Nagib und ernennt sich selber zum "Ministerpräsidenten". Er beginnt, die ägyptische Armee massiv mit Waffen aus dem Ostblock aufzurüsten.
1955
Saddām geht nach Bagdad, wo er - angeblich - ein Gymnasium besucht und Abitur macht.
1956
Juni Ğamāl ernennt sich nach einer Scheinwahl zum "Präsidenten" von Ägypten.
Juli: Nachdem die USA (Präsident
Eisenhower)
eine Finanzierung des unsinnigen Prestigeprojekts "Bau eines Assuan-Staudamms" verweigert haben, enteignet Ğamāl kurzerhand die Suez-Kanal-Gesellschaft.
Oktober: Britische, französische und israelische Truppen greifen Ägypten an und besetzen die Suez-Kanal-Zone.
November: Auf sowjetischen Druck müssen Großbritannien, Frankreich und Israel ihre Truppen wieder abziehen, nachdem ihnen auch die USA in Verfolgung einer merkwürdigen Schaukelpolitik (gegen die gleichzeitige Besetzung Ungarns durch sowjetische Truppen unternehmen sie nichts) in den Rücken gefallen sind. An der Suez-Kanal-Zone ziehen UN-Blauhelme auf.
[Der Assuan-Staudamm wird schließlich mit finanzieller und technischer Hilfe der Sowjet-Union gebaut; seine Fertigstellung führt zu einer ökologischen und ökonomischen Katastrofe, da er den fruchtbaren Nilschlamm von den Feldern fern hält; die einstige Kornkammer Ägypten kann die schnell wachsende Bevölkerung bald nicht mehr aus eigener Kraft ernähren, zumal auch die von Ğamāl forcierten, "Bodenreform" genannten Enteignungen in der Landwirtschaft kontraproduktiv sind.]
1958
Der ägyptische Diktator
Ğamāl 'Abd-äl-Nāsir
("Nasser") vereinigt sein Land mit Syrien (und dem Yemen) zur "Vereinigten Arabischen Republik [VAR]".
1961
September: Syrien verläßt die "Vereinigte Arabische Republik".
1963
.
1964
Assad wird Oberbefehlshaber der Luftwaffe.
1966
Assad wird Verteidigungsminister.
1967
Juni: Ägypten, Syrien und Jordanien bereiten einen Krieg gegen Israel vor, der den "Zionistenstaat" von der Landkarte tilgen soll. Israel kommt ihnen jedoch zuvor und schlägt sie im "Sechstagekrieg" vernichtend; seine Truppen besetzen die strategisch wichtigen Golan-Höhen.
1970
September: In Ägypten stirbt Nasser.
21. November:
Im Ausland glaubt niemand, daß er sich längere Zeit an der Macht halten wird.***
1973
Oktober: Im "Yom-Kippur-Krieg" versucht Ğamāls Nachfolger Anwar äl-Sadat erneut, Israel "von der Landkarte zu tilgen"; trotz massiver Unterstützung der Araber durch die Sowjet-Union und obwohl die USA unter Präsident
Nixon und Außenminister
Henry Kissinger
Israel erneut in den Rücken fallen, mißlingt dies wiederum. Im folgenden entzweien sich die arabischen Staaten mehr denn je; an eine "Union" ist nicht mehr zu denken.
1976
Assad läßt den Libanon besetzen.
2000
10. Juni: Assad stirbt in Damaskus. Die politische Macht geht nach wenigen Tagen reibungslos auf seinen Sohn Bashar über.
2002
Oktober: Saddām läßt sich erneut zum Präsidenten wählen.
2003
März: Eine von den USA geführte Koalition der Westmächte beginnt einen neuen Krieg gegen den Irak.
April: Die Invasionstruppen besetzen Bagdad; Saddām taucht unter, wird aber gefaßt.
2006
November: Saddām wird von einem Sondergericht zum Tode durch den Strang verurteilt - für die selben Verbrechen, für die Churchill einst einen Orden erhalten hatte.
30. Dezember: Saddām wird gehenkt.
Der Untergrundkampf der Iraker - nicht nur Anhängern Saddāms - gegen die ausländischen Besatzungsmächte und ihre Marionetten-Regierung geht unvermindert weiter.
*So der offizielle Lebenslauf. Rein zufällig handelt es sich um den (800.) Geburtstag und den Geburtsort des mittelalterlichen Sultāns
Salāh äd-Dīn [Saladin],
mit dem sich Saddām identifiziert; die Angaben sind also mit Vorsicht zu genießen.