Schacht wird Inhaber der "Nationalbank für Deutschland".
1922
Die Nationalbank und die Darmstädter Bank für Handel und Industrie fusionieren zur "Danat-Bank", deren Leitung Schacht übernimmt.
1923
November: Schacht wird auf dem Höhepunkt der
Inflation
zum Reichswährungskommissar berufen. Als solcher setzt er die Einführung der "Rentenmark" durch und erreicht damit die Konsolidierung der deutschen Währung.
Dezember: Schacht wird von Reichskanzler
Gustav Stresemann
gegen das einstimmige Votum des Reichsbankdirektoriums zum Reichsbankpräsidenten ernannt.
1924
Schacht nimmt als Zuhörer an den alliierten Verhandlungen über den
Dawes-Plan
teil, der die deutschen Reparationszahlungen neu festsetzt.
1926
Schacht verläßt die DDP.
1929
Schacht leitet die deutsche Delegation bei den alliierten Verhandlungen über den
Young-Plan,
der erneut über die Festsetzung deutscher Reparationszahlungen berät.
1930
Schacht lehnt den Young-Plan ab und nähert sich den rechten Parteien, die versuchen, dessen Annahme mittels eines Volksbegehrens zu verhindern. Nach Scheitern des Volksbegehrens und Annahme des Young-Plans im Reichstag tritt Schacht vom Amt des Reichsbankpräsidenten zurück. Grund hierfür sind auch Differenzen mit Reichskanzler
Heinrich Brüning,
der die Wirtschaftskrise mit einer konsequenten Deflationspolitik bekämpfen will, während Schacht ein inflationäres "deficit spending" befürwortet, als dessen Erfinder heute der amerikanische Finanzwissenschaftler Keynes gilt.
11. Oktober: Schacht bekennt sich zur
"Harzburger Front",
einem Bündnis zwischen deutschnationalen Gruppierungen und der NSDAP zur Bekämpfung der Politik des "Hungerkanzlers"
Brüning.
1932
Nach dem Sturz Brünings beginnen seine Nachfolger
Franz v. Papen und
Kurt v. Schleicher
mit einer Politik der staatlichen Kreditschöpfung, die Schacht jedoch nicht weit genug geht.
November: Schacht initiiert daher als Mitglied des "Freundeskreises der Wirtschaft" eine Petition deutscher Industrieller und Bankiers an Reichspräsident
Paul v. Hindenburg,
Hitler als Reichskanzler zu berufen.
1933
30. Januar: Hindenburg beauftragt Hitler mit der Regierungsbildung. Das neue Kabinett besteht - neben Hitler als Reichskanzler - überwiegend aus Angehörigen anderer "nationaler" Parteien (u.a. Papen und der Pressezar
Alfred Hugenberg).
16. März: Schacht wird erneut Reichsbankpräsident.
1934
August: Schacht wird Reichswirtschaftsminister.
1935
Februar: Schacht setzt das "Kreditermächtigungsgesetz" durch, das die von ihm geplante Geldbeschaffung durch Staatsverschuldung in großem Stil ermöglicht.
Mai: Schacht wird zusätzlich "Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft"; als solcher ist er vor allem für das "Autarkie"-Programm verantwortlich, welche er durch Drosselung der Rohstoffeinfuhr zugunsten von "Ersatzstoffen" und eine strenge Devisenbewirtschaftung nach Vorbild der US-Regierung
Roosevelt zu verwirklichen versucht.
Schacht fördert die Gründung der "Metallurgischen Forschungs-GmbH" durch die Konzerne Krupp, Siemens und Rheinmetall. Diese akzeptiert bis 1938 Wechsel des Reichsfinanzministeriums in Höhe von insgesamt 2,37 Mrd. RM ("Mefo"-Wechsel) und kurbelt damit die Wirtschaft an, so daß die Arbeitslosigkeit in kürzester Zeit beseitigt wird.
1937
November: Schacht, der die seiner Meinung nach ausufernde Kreditpolitik des Staates nicht länger verantworten zu können glaubt, tritt von seinen Ämtern als Wirtschaftsminister und Generalbevollmächtigter zurück, bleibt jedoch bis 1943 Minister ohne Geschäftsbereich. (Die "Mefo"-Wechsel werden vier Monate später durch so genannte "Lieferungsschatzanweisungen" ersetzt - am System der Geldbeschaffung ändert sich dadurch jedoch nichts.)
1939
Januar: Schacht tritt auch vom Amt des Reichsbankpräsidenten zurück. Unter seinen Nachfolgern wird wird die von ihm initiierte Politik der Kreditschöpfung und Staatsverschuldung weiter betrieben (wie in allen Krieg führenden Staaten), wenngleich nicht annähernd in dem Ausmaß, wie dies später - nicht nur in der Bundesrepublik - mitten im Frieden geschehen sollte.
1944
Juli: Schachts Kontakte zum Widerstand führen nach dem gescheiterten
Attentat vom 20. Juli 1944
zu seiner Verhaftung. Bis Kriegsende ist er in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Flossenbürg interniert.
1946
01. Oktober: Schacht wird vom alliierten
Militär-Tribunal in Nürnberg überraschend frei gesprochen.
1947
13. Mai: Schacht wird von einer "Entnazifizierungs"-Spruchkammer in Stuttgart ebenso überraschend als "Hauptschuldiger" eingestuft und zu acht Jahren Arbeitslager (die der inzwischen 70-jährige schwerlich überlebt hätte) und zur Einziehung seines Vermögens verurteilt.
1948
September: Schacht wird nach Aufhebung des "Entnazifizierungs"-Urteils durch eine Berufungskammer aus dem Lager entlassen.
Schacht veröffentlicht "Abrechnung mit Hitler".
ab 1950
Schacht arbeitet als "Berater" in diversen Entwicklungsländern (bis 1953).
1953
Schacht gründet in Düsseldorf eine Außenhandelsbank (Schacht & Co.)
Schacht veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "76 Jahre meines Lebens".
1958
Schacht warnt nochmals eindringlich vor einer zunehmenden Staatsverschuldung und einer Politik des Konsums auf Pump statt der Investitionen. Ausgerechnet das rote Nachrichtenmagazin
Der Spiegel
bietet "Mefo-stopheles" eine Plattform.