Stresemann wird in den Stadtrat von Dresden gewählt (bis 1912).
1907-1912
Stresemann wird Mitglied des Reichstags (bis 1912), dessen jüngster Abgeordneter er ist. Wegen seines Engagements für eine Ausweitung der Sozialgesetzgebung wird er in seiner Partei zum Außenseiter und zunächst nicht wieder aufgestellt.
1914-1918
Stresemann wird erneut Reichstagsabgeordneter. Im Ersten Weltkrieg spricht er sich als Mitglied des "Deutschen Kolonialvereins" für Annexionen aus.
2. November: Stresemann tritt zurück, nachdem die SPD seiner Regierung wegen Differenzen über die Vorgehensweise gegen die Unruhen in Sachsen, Thüringen und Bayern das Vertrauen entzogen hat. In Stresemanns Augen ging die größte Gefahr für das Deutsche Reich nicht von jenen links- und rechtsextremen Umsturzversuchen aus, sondern von der Sezessions-Bewegung des Kölner Oberbürgermeisters
Konrad Adenauer,
der einen separaten westdeutschen Staat unter französischem Protektorat nach Muster des "Rheinbunds" von Napoleons Gnaden gründen wollte.
1923-1929
Stresemann gehört den drei folgenden Kabinetten als Außenminister an. Durch Annäherung an Frankreich sucht er die außenpolitische Isolation Deutschlands aufzubrechen. Die damit verbundene Aufgabe persönlicher Überzeugungen rechtfertigt er öffentlich mit dem Nietzsche-Zitat: "Nur wer sich wandelt bleibt mit mir verwandt." Privat gibt er jedoch seiner Enttäuschung über das Verhalten seiner französischen "Verhandlungspartner" mit dem Satz Ausdruck: "Wenn sie mir nur eine Konzession gemacht hätten, hätte ich mein Volk gewinnen können. Aber sie gaben nichts... Das ist meine Tragödie und ihr Verbrechen."
1924
Stresemann ist maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt, die zur Unterzeichnung des nach dem US-Außenminister benannten
Dawes-Plans
am 9. April führen, der die Reparationszahlungen des durch Ruhrbesetzung und Hyperinflation ruinierten Deutschen Reiches neu festsetzt.
1925
April: Stresemann spricht sich im Wahlkampf um das Amt des Reichspräsidenten gegen den pensionierten Feldmarschall
Paul v. Hindenburg
aus, der gleichwohl gewählt wird.
16. Oktober: Abschluß der von Stresemann angeregten
Locarno-Konferenz.
Das Deutsche Reich verzichtet gegenüber Frankreich und Belgien auf eine gewaltsame Veränderung seiner Westgrenze (Elsaß-Lothringen, Eupen-Malmedy). Pro forma verzichten auch Frankreich und Belgien auf weitere Annektionen über die bereits erfolgten hinaus; an der Besatzung des Rheinlands und des Saarland durch französische und belgische Truppen ändert sich jedoch vorerst nichts; es handelt sich also um eine einseitige Anerkennung des status quo durch Deutschland.
27. August: Stresemann, als erster deutscher Außenminister seit dem
Versailler Vertrag
wieder in Frankreich, unterzeichnet für das Deutsche Reich den
Briand-Kellogg-Pakt,
dem sich insgesamt 63 Staaten anschließen; über die Ernsthaftigkeit dieser später als "Ächtung des Krieges" bezeichneten Absichtserklärung macht sich jedoch weder Stresemann noch sonst irgendjemand ernsthafte Illusionen.
1929
3. Oktober: Gustav Stresemann stirbt in Berlin. Zur Beerdigung erscheint u.a. Briand.
1931
In Mainz wird ein Ehrenmal für Stresemann eingeweiht, das im Krieg von alliierten Bombern zerstört wird.
1978
In der Bundesrepublik wird der 100. Geburtstag von Stresemann - der die Gnade des frühen Todes hatte - von denjenigen, welche die Gnade der späten Geburt hatten, groß gefeiert. Er ist der einzige nicht-sozialistische Politiker der Weimarer Republik, dem diese zweifelhafte Ehre widerfährt.
1979
Zum 50. Todestag erscheint die umfangreiche Biografie "Mein Vater Gustav Stresemann" von Wolfgang Stresemann.