Ernst Thälmann

(1886 - 1944)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1886
16. April: Ernst "Teddy" Thälmann wird als Sohn zweier Kleinkrimineller, Johannes Thälmann und Magdalena Kohpiss, in Hamburg geboren. Da seine Eltern sich meist im Knast befinden, wächst Thälmann bei Pflegeeltern auf.

1893
Thälmann kommt auf die Volksschule, die er nach sieben Jahren ohne Abschluß verläßt.

1900-1902
Thälmann geht seinen Eltern zur Hand.

1902
Thälmann wird zum Militär eingezogen, aber nach einem Jahr als "unbrauchbar" entlassen.

1903
Mai: Thälmann tritt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei.
Thälmann wird Mitglied des Zentralverbands der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands.

1903-1907
Thälmann arbeitet als Transport-, Hafen- und Werftarbeiter in Hamburg, wird aber jedesmal nach kurzer Zeit wieder entlassen.
In den Akten der Hamburger Polizei wird er wegen diverser politischer und nicht-politischer Aktivitäten als Krimineller geführt.

1907
Thälmann wird Heizer auf einem Transatlantik-Dampfer, aber noch im selber Jahr entlassen.

1907-1915
Thälmann arbeitet als Speicherarbeiter, Schauermann und Kutscher in Hamburg.

1913
Thälmann unterstützt die Forderung der polnischen Jüdin Rosa Luxemburg nach dem Massenstreik als Aktionsmittel der Sozialdemokraten zur Durchsetzung politischer Forderungen.
Thälmann kritisiert die Bewilligung der von dem Reichskanzler Theobald v. Bethmann Hollweg eingebrachten Heeresvorlage durch die SPD.

1915
13. Januar: Thälmann heiratet die Schuhmachertochter Rosa Koch. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.


1915-1918
Thälmann wird Soldat an der Westfront.

1918
Oktober: Thälmann desertiert nach einem Heimaturlaub.
November: Thälmann tritt der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) bei, die sich von der SPD abgespalten hat und den Sturz der Monarchie herbeiführt.

1919
Januar: Die Hamburger Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) fordert die bewaffnete Unterstützung der soeben ausgerufenen Bremer Räterepublik gegen die von Gustav Noske befehligten Truppen. Thälmann ist am Diebstahl von Waffen aus Polizeigebäuden und Kasernen beteiligt.
Thälmann wird zum ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg der USPD gewählt.
November: Thälmann unterstützt auf dem USPD-Parteitag in Leipzig den Anschluß der USPD an die Kommunistische Internationale (Komintern).

1919
Thälmann wird Mitglied der Hamburger Bürgerschaft (bis 1933).

1920
Thälmann schließt sich mit Teilen der USPD der KPD an. Er unterstützt die Forderung nach einem Generalstreik gegen den "Kapp-Lüttwitz-Putsch".

1921
Thälmann wird in den Vorstand der Hamburger KPD gewählt.

1923
Oktober: Unter Thälmanns Beteiligung beschließt ein Teil der KPD-Mitglieder den bewaffneten Kampf zur Konstitution der proletarischen Räterepublik in Hamburg. Der Aufstand wird von der Hamburger Polizei und aus ganz Deutschland herbei gerufenen Freikorps nieder geschlagen.

1924
Thälmann wird zum stellvertretenden Vorsitzenden der KPD gewählt und Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI).
Thälmann wird ferner Vorsitzender des Roten Frontkämpferbunds (bis 1929), einer para-militärischen Schlägertruppe, die sich regelmäßig Straßenschlachten mit der Polizei, dem Stahlhelm der DNVP, dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold der SPD und den Sturmabteilungen (SA) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) liefert.

[Nieder mit dem Abtreibungs-Paragraphen! Wahlplakat der KPD von 1924]

Im Reichstagswahlkampf propagiert die KPD auf ihren Plakaten - für die Käthe Kollwitz die Motive zur Verfügung stellt - in noch nicht dagewesener Schamlosigkeit den Mord an ungeborenen Kindern und appelliert dabei an die niedersten Beweggründe, vor allem an die Habgier. ("Wenn das zweite und dritte Kind kommt, beginnt das Elend.") Das durch den Kindesmord "eingesparte" Geld soll nach den Vorstellungen Thälmanns - und Kollwitz' - als "Hilfe" für Rußland gespendet werden, um den Aufbau der Sowjet-Macht zu finanzieren. Obwohl nach Überwindung der Hyperinflation, Aufhebung der alliierten Hungerblockade und Beendigung des Ruhrkampfes eine Zeit relativen wirtschaftlichen Wohlstands beginnt, wird Thälmann mit diesem Programm in den Reichstag gewählt (bis 1933).

1925
Thälmann wird als Kandidat der KPD für die Reichspräsidentenwahl aufgestellt.
März/April: Beim ersten Wahlgang erreicht keiner der sieben Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang siegt Paul v. Hindenburg mit 48,3% der Stimmen; Thälmann erhält nur 6,4%.
Thälmann übernimmt mit Unterstützung des EKKI in Moskau und ausdrücklicher Billigung durch Josif W. Stalin den Vorsitz der KPD (bis 1933) von Ruth Fischer, geb. Eisler (1895-1961), die sich um eine von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) unabhängige Parteiführung bemüht hatte.
Unter Thälmann konzentriert sich die KPD vor allem auf die politische Bekämpfung der SPD, deren Mitglieder sie in Übereinstimmung mit Stalin als "Sozialfaschisten" bezeichnet. Erst in zweiter Linie bekämpft Thälmann auch die NSDAP.

1928
September: Thälmann wird wegen Beihilfe zur Unterschlagung von Parteigeldern als KPD-Vorsitzender abgesetzt, jedoch auf Anweisung von Stalin wenige Tage später wieder eingesetzt.

1931
Thälmann wird Mitglied des Präsidiums der Komintern.
Unter Thälmanns Vorsitz beantragt die KPD gemeinsam mit dem "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" einen Volksentscheid zur Auflösung des SPD-regierten Preußischen Landtags.
August: Der Volksentscheid scheitert, die preußische Regierung unter Otto Braun bleibt im Amt.

1932
Thälmann wird als Kandidat der KPD für die Reichspräsidentenwahl nominiert.
März/April: Thälmann erhält im ersten Wahlgang nur knapp 5% der abgegebenen Stimmen, im zweiten Wahlgang gut 10%. Hindenburg siegt mit 53% vor Adolf Hitler, der 36,8% der Stimmen erhält.
Thälmann warnt in einer Rede vor der Überschätzung der NSDAP, in die viele Menschen große Hoffnungen auf Besserung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation setzen.

1933
3. März: Thälmann wird im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand verhaftet.
Thälmann wird des Hochverrats angeklagt.

1933-1944
Thälmann sitzt in verschiedenen Gefängnissen in Untersuchungshaft, zunächst in Moabit/Berlin (bis 1937).

1935
Hitlers ordnet die Einstellung des Prozesses gegen Thälmann an. Die Untersuchungshaft wird aufgehoben und in Schutzhaft umgewandelt.

1937-1943
Thälmann sitzt im Gerichtsgefängnis Hannover ein.

1939
Nach Abschluß des Hitler-Stalin-Pakts bittet Thälmanns Ehefrau in der sowjetischen Botschaft um die Fürsprache Stalins für ihren Ehemann. Stalin verwendet sich jedoch nicht für Thälmann.

1943-44
Thälmann sitzt in der Haftanstalt Bautzen ein.

1944
16. April: Thälmanns Tochter Irma wird verhaftet und in das Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück eingewiesen.
8. Mai: Thälmanns Ehefrau Rosa wird ebenfalls verhaftet und nach Ravensbrück gebracht.
17. August: Thälmann wird in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verlegt (das bis zur Übernahme durch die Sowjets 1945 kein Vernichtungs-, sondern ein Arbeitslager ist).

[Jedem das Seine - der Wahlspruch Buchenwalds]

24. August: Bei einem alliierten Terrorbombardement auf Weimar und Umgebung werden im KZ Buchenwald mehrere tausend Menschen getötet. Darunter befindet sich nach amtlichen Feststellungen auch Ernst Thälmann.
(Dagegen versichern gewisse Kreise, daß Thälmann sechs Tage zuvor "von den Nazis erschossen" worden sei. Da es sich um dieselben Kreise handelt, die auch versichern, daß die Massenmorde von Katyn von den Deutschen verübt wurden, daß die alliierten Bomben auf Buchenwald lediglich "aus Versehen fielen", daß das KZ Buchenwald bis 1945 ein Vernichtungslager war - und nach der Übernahme durch die Sowjets ein Sanatorium wurde - und daß allein in Auschwitz vier bis acht Millionen Juden vergast wurden, muß das wohl stimmen.)

* * * * *

1958
In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wo Thälmann zur Ikone des kommunistischen Widerstands hoch stilisiert worden ist, erfolgt die Neugründung des "Jungvolks" unter dem Namen "Pionierorganisation Ernst Thälmann" als Massenorganisation für Kinder. Die Mitglieder grüßen einander mit dem Thälmann-Gruß "Seid bereit - immer bereit".


Käthe Kollwitz, die Anstifterin zum Kindesmord, wird nicht nur in der DDR, sondern auch in der BRD und später in der BRDDR, als "sozial engagierte Künstlerin" verehrt und amtlich gewürdigt.


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