Jim Thorpe (1887-1953) Tabellarischer Lebenslauf

"JIM THORPE"

Wa-Tho-Huk

(1887-1953)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1887 (nach anderen Quellen: 1888)
28. Mai: Wa-Tho-Huk ["Leuchtender Pfad"] wird in Prague/Oklahoma (damals noch Indianer-Territorium) geboren. Sein Vater ist ein Häuptling der Sac-and-Fox-Indianer, der auf den Namen "Hiram Thorpe" getauft ist, seine Mutter ist - angeblich - eine Nachfahrin des berühmten Sac-and-Fox-Häuptlings "Black Hawk [Schwarzer Habicht]", die auf den Namen "Charlotte Vieux" getauft ist. (Daß sein Vater Halb-Ire und seine Mutter Halb-Französin gewesen sein soll, ist nicht belegt; weder von ihm selber noch von seinen Vorfahren existieren Geburtsurkunden. Nach anderer Meinung war seine Mutter keine Sac-and-Fox, sondern eine Potowatomi oder eine Kickapoo.) Wa-Tho-Huk wird auf den Namen "Jacobus Franciscus" (später amerikanisiert zu "James Francis") getauft.

1893-97
Thorpe besucht sporadisch die Indianerschule in Stroud/Oklahoma. Danach arbeitet er auf einer Ranch als Stallbursche.

1898-1903
Thorpe besucht sporadisch die Indianerschule in Lawrence/Kansas.

1904
Thorpe kommt auf die Indian Industrial School in Carlisle/Pennsylvania, wo er Football, Baseball und Lacrosse spielen lernt.

1907
Thorpe beginnt, auch Leichtathletik zu betreiben.

1909
Thorpe wechselt nach Rocky Mount/North Carolina, wo er Baseball spielt.

1910
Thorpe wechselt nach Fayetteville, wo er ebenfalls Baseball spielt.

1911-12
Thorpe kehrt nach Carlisle zurück und führt deren Football-Team zu zwei US-Hochschulmeisterschaften; in beiden Spielzeiten erzielt er die meisten Punkte.

1912
April: Bei den Olympischen Vorkämpfen des A.O.C. besiegt Thorpe den späteren (1952-72) IOC-Präsidenten Avery Brundage. Die mit Haken und Ösen geführte Auseinandersetzung führt zu Handgreiflichkeiten und Morddrohungen. Die beiden bleiben ihr Leben lang Todfeinde.
Juli: Bei den Olympischen Spielen in Stockholm tritt Thorpe für das US-Team an, obwohl er kein Staatsbürger der USA ist.* Er gewinnt überlegen die Goldmedaillen im Fünfkampf und im Zehnkampf; im Hochsprung verpaßt er als Viertplazierter die Bronzemedaille nur um 2 cm; im Weitsprung belegt der den 7. Platz. Er ist ferner Mitglied des US-Footballteams. (Das Turnier wird allerdings mangels Beteiligung nicht ausgetragen, sondern lediglich ein Schaukampf zwischen der ersten und zweiten US-Mannschaft veranstaltet.)


1913
Januar: Mehrere Zeitungen berichten, daß Thorpe als Baseball- und/oder Football-Spieler Geld angenommen habe. Wiewohl diese Zahlungen bar auf die Hand erfolgten (2 [zwei] US-$ Spesen pro Spiel - als echter Profi wird er später 250 US-$ pro Spiel erhalten) und schwerlich nachzuweisen gewesen wären, wenn Thorpe sie bestritten hätte, räumt er sie in einem Schreiben an die A.A.U. freimütig ein. Diese erklärt Thorpe daraufhin zum "Profi" und läßt das A.O.C. beim I.O.C. beantragen, ihm seine olympischen Medaillen abzuerkennen - was auch geschieht.
Thorpe kratzt das allerdings weniger, als man im Nachhinein anzunehmen geneigt ist, da die Olympischen Spiele damals noch einen relativ niedrigen Stellenwert haben und er durch den Skandal so bekannt wird, daß er einige lukrative Angebote als Baseball-Profi erhält. Er entscheidet sich für die New York Giants.
Thorpe heiratet seine ehemalige Mitschülerin Iva Miller. Aus der Ehe gehen ein Sohn - der früh an Kinderlähmung stirbt - und drei Töchter hervor.

1915-19
Neben seiner Karriere als Baseballer spielt Thorpe Football für die Canton Bulldogs, die er dreimal (1916, 1917 und 1919) zur Meisterschaft führt.


1920
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1922
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1924
Iva läßt sich von Thorpe scheiden.

1926
Thorpe heiratet in zweiter Ehe die Deutsch-Irin Freeda Kirkpatrick (1905-2007). Aus der Ehe gehen vier Söhne hervor.

1927-28
Thorpe spielt als Basketball-Profi für die LaRue World Famous Indians.

1931
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1932
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1933
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1936
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1941
Freeda läßt sich von Thorpe scheiden.


1945
Thorpe heiratet in dritter Ehe Patricia Askew.

1950
Die Sportjournalisten von Associated Press wählen Thorpe zum besten Football-Spieler des [halben] Jahrhunderts und zum größten US-Sportler des [halben] Jahrhunderts (vor dem Baseballspieler 'Babe' Ruth und dem Boxer Jack Dempsey).
Thorpe erkrankt an Krebs.

1951
Michael Curtiz verfilmt Thorpes (geschönte) Lebensgeschichte unter dem Titel "Jim Thorpe - All American"** mit Burt Lancaster in der Hauptrolle.


1953
28. März: Jim Thorpe stirbt verarmt in Lomita/Kalifornien.


1963
Thorpe wird in die Ruhmeshalle des Profi-Footballs aufgenommen, wo ihm ein überlebensgroßes Denkmal errichtet wird.


1973
Der US-Congress erklärt den 16. April zum "Jim-Thorpe"-Tag. Die Tradition setzt sich jedoch nicht durch, zumal nicht klar ist, warum ausgerechnet dieses Datum - das keinerlei Bezug zu Thorpes Leben hat - ausgesucht wurde.


1979
Die Thorpe-Biografie von Robert Wheeler erscheint. Sie hat maßgeblichen Anteil daran, daß eine Bewegung entsteht, die sich für Thorpes Wiedereinsetzung als Olympiasieger von 1912 engagiert. (Brundage - der bis dahin alle diesbezüglichen Versuche abgeblockt hatte - ist seit vier Jahren tot.)

1982
Oktober: Unter massivem Druck der USA macht das IOC - dessen Mitglieder sich die Schmiergelder für die Vergabe der Olympischen Spiele 1984 nach Los Angeles nicht entgehen lassen wollen*** - die Aberkennung von Thorpes olympischen Medaillen rückgängig, allerdings nur wegen eines juristischen Formfehlers: Die Disqualifizierung war seinerzeit unter Verstoß gegen die dafür geltende 30-Tage-Frist erfolgt. (Die Zweitplazierten werden weiterhin als "Mitsieger" geführt.)

1999
Mail: Das US-Abgeordnetenhaus (!) entblödet sich nichtverabschiedet eine Resolution, daß Thorpe der "Athlet des Jahrhunderts" gewesen sei, nachdem er bei einer Umfrage der Associated Press unter Sport-Journalisten nur auf Platz 3 (hinter 'Babe' Ruth und dem Basketballer Michael Jordan) gewählt worden war und beim Sportfernsehsender ESPN sogar nur auf Platz 7 (hinter Jordan, Ruth, Muhammad Ali, Jim Brown, Wayne Gretzky und J. C. Owens).****


*Indianer - und Halbindianer - können erst ab 1924 unter engen Voraussetzungen US-Bürger werden. Erst 1954 erhalten sie die gleichen Rechte wie die Weißen; diesen Zeitpunkt erlebt Thorpe nicht mehr. (Außerhalb des US-Teams hätte Thorpe an den Olympischen Spielen nicht teilnehmen können, da die "Indian Nations" nicht Mitglieder des IOC werden durften.) Die peinliche Penetranz, mit der Thorpe in den USA als "All American" bezeichnet wird, dient nicht zuletzt der Verschleierung dieses Tatbestands.

**Der Titel wurde in Anlehnung an "Knute Rockne - All American" gewählt, einen Film von 1940 über die Football-Trainer-Legende gleichen Namens.

***Das IOC hatte einiges wieder gut zu machen, da es trotz des US-Boykotts an der Ausrichtung der Olympischen Spiele 1980 in Moskau festgehalten hatte.

****Eine Wahl, über die man sich in der Tat nur wundern kann: Jordan und Ruth waren ausgesprochene "Fachidioten", ebenso die Favoriten von ESPN. Dagegen zählte Thorpe in der Leichtathletik und im Football zur Weltspitze und spielte im Baseball und Basketball immerhin in der obersten Liga mit. (Ob es freilich die Aufgabe des Gesetzgebers ist, eine solche falsche Wahl zu korrigieren, ist eine andere Frage. Der nächste Schritt ist dann womöglich die "Korrektur" der Parlamentswahlen, wenn das tumpe Volk die falschen Abgeordneten gewählt bzw. abgewählt hat :-)


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