ALFRED TIRPITZ*

*seit 1900: Alfred von Tirpitz

(1849-1930)

[Alfred Tirpitz]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1679
Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), der "Große Kurfürst", läßt durch holländische Baumeister und Handwerker den Hafen von Pillau bei Königsberg zu einem Marinestützpunkt ausbauen. Die dort stationierte erste brandenburgische Flotte - die zunächst aus sechs, auf ihrem Höhepunkt aus 33 Schiffen besteht - soll vornehmlich dem Schutz des Ostsee-Handels dienen.

1680
Brandenburgische Schiffe laufen nach Ostindien aus, wobei sie unterwegs auch die westafrikanische Küste im Hinblick auf mögliche Niederlassungen erforschen; zu diesem Zweck wird eine "Africanische Compagnie" gegründet.

1682
Eine Expedition unter Major v. d. Groeben gründet an der Goldküste (heute 'Ghana') das erste deutsche Schutzgebiet mit der Hauptstadt "Großfriedrichsburg."

1683
In Emden wird ein weiterer brandenburgischer Flottenstützpunkt eingerichtet, der Pillau bald den Rang abläuft.

1688-1717
Nach dem Tode des "großen Kurfürsten" werden die Schiffe allmählich eingemottet; Großfriedrichsburg wird an die Holländer verkauft.
Damit endet der erste nicht-niederländische Versuch, eine deutsche Flotte und ein deutsches Kolonialreich aufzubauen.


* * * * *

1849
19. März: Alfred Tirpitz wird in Küstrin als Sohn einer bürgerlichen Familie (Vater: Advocat, Mutter: Arzttochter) geboren.
Im selben Jahr wird angesichts des Freiheitskrieges der Schleswig-Holsteiner gegen die Seemacht Dänemark die "Reichsflotte" des Deutschen Bundes (bestehend aus drei kleinen Segelschiffen) gegründet. Die Briten als weltweit stärkste Seemacht fühlen sich davon so bedroht, daß sie - ein halbes Jahrhundert vor dem angeblich durch Deutschland ausgelösten "Wettrüsten zur See" - die deutschen Matrosen zu "Kriegsverbrechern" erklären. Der Jude und frühe Zionist Lord Palmerston[e] (damals Außen-, später auch Premierminister ihrer Majestät, der Königin Victoria) erteilt der britischen Flotte Befehl, jedes deutsche Kriegsschiff als "Piratenschiff" zu behandeln, d.h. anzugreifen, zu versenken und die Besatzung ausnahmslos zu ermorden"hinzurichten".
(An diesem britischen Standpunkt wird sich bis zur Auflösung des Deutschen Bundes 1866 nichts - und auch danach nur wenig - ändern.)

1864
Die Erfolge des österreichischen Admirals Wilhelm v. Tegetthoff im deutsch-dänischen Krieg (Seeschlacht vor Helgoland) und seine anschließende Heroïsierung wecken in Tirpitz den Wunsch, Marineofficier zu werden.

1865
Tirpitz tritt als Cadett in die königlich preußische Kriegsmarine ein.

1869
Tirpitz wird zum Seconde-Lieutenant zur See befördert.

1871
Januar: Das Deutsche Reich wird gegründet. Anders als bei den Landstreitkräften, wo sich die größeren Bundesstaaten eigene Truppen vorbehalten, wird die königlich preußische Kriegsmarine in Ermangelung von Seestreitkräften anderer Staaten zur kaiserlich deutschen Marine.
Tirpitz wird zum Premier-Lieutenant zur See befördert.

1877
Tirpitz besucht das k.u.k. (österreichische) Torpedo-Centrum in Fiume. Danach wird er zum Capitain-Lieutenant befördert und wirkt als 1. Officier der Torpedo-Corvette 'Blücher' maßgeblich am Aufbau einer deutschen Torpedoboot-Flotille mit.

1881
Tirpitz wird zum Corvetten-Capitain befördert und zum Commandeur der "Blücher" ernannt.

1885
Tirpitz wird zum Chef der Torpedoboot-Flotille und zum Decernenten für Torpedo-Angelegenheiten bei der Admiralität ernannt.

1886
Tirpitz wird zum Premier-Inspecteur des Torpedo-Wesens ernannt.

1888
Tirpitz wird zum Capitain zur See befördert und zum Commandeur des Panzer-Kreuzers Preußen ernannt.

1889
Tirpitz wird zum Commandeur des Panzer-Kreuzers Württemberg ernannt.

1890
Tirpitz wird zum Stabschef des Ostsee-Geschwaders ernannt.

1892
Tirpitz wird zum Stabschef des Obercommandos der Marine ernannt.

1896
Tirpitz verfaßt eine Denkschrift über die Notwendigkeit des Aufbaus von zwei Geschwadern mit je acht schweren Schlachtschiffen statt einer Flotte von schnellen Kreuzern, wie sie Kaiser Wilhelm II ursprünglich bauen lassen wollte.
Tirpitz wird zum Contre-Admiral befördert und zum Chef des (bis dahin in der britischen Colonie Hongkong stationierten) deutschen Kreuzergeschwaders Fernost ernannt. Er bereitet den Pachtvertrag über Kiautschou vor, mit Tsingtao als Marinestützpunkt auf der Halbinsel Shaoling in China. Er kehrt über den Pazifik, die USA und den Atlantik nach Deutschland zurück, hat also die Welt einmal umrundet.

1897
Tirpitz wird zum Staatssecretaire des Reichsmarineamtes (Reichsmarineminister) ernannt. Zu diesem Zeitpunkt besitzt die deutsche Kriegsmarine 12 gepanzerte Schiffe über 5.000 Tonnen, die russische 18, die französische 36, und die englische 62 (20 weitere sind im Bau).

1898-1912
Tirpitz betreibt mit den Flottengesetzen von 1898, 1900, 1908 und 1912 eine moderate Nachrüstung Deutschlands zur See.

1898
Tirpitz wird zum Preußischen Staatsminister ernannt. Er bringt das 1. Flottengesetz (Neubau von sieben Schlachtschiffen) durch den Reichstag.*

1900
Während des Burenkrieges kapern englische Schlachtschiffe in Piratenmanier unbewaffnete deutsche Postboote vor der Küste Natals. Tirpitz bringt daraufhin das 2. Flottengesetz (Neubau von 19 Schlachtschiffen) durch den Reichstag, wofür er von Kaiser Wilhelm geadelt wird (v. Tirpitz).

1903
v. Tirpitz wird zum Admiral befördert. Großbritannien beginnt mit einer ungeheuren Aufrüstung zur See. Gemeinsam mit amerikanischen Firmen konstruiert es turbinengetriebene Großkampfschiffe vom Typ "Dreadnought" - deren erstes der Hilfskreuzer Lusitania ist. Das Deutsche Reich zieht zunächst nicht nach.

1904
Großbritannien schließt ein gegen Deutschland und Österreich-Ungarn gerichtetes Bündnis ("Entente cordiale") mit Frankreich. Die französische Flotte übernimmt den "Schutz" des Mittelmeers, die britische (die in ihren Stützpunkten Gibraltar, Malta und Cypern genügend "Schutz" hat) den der Nordsee.

1905
Mai: In der Seeschlacht von Tsushima - in der erstmals schwere, gepanzerte Schlachtschiffe aufeinander treffen - vernichtet die japanische Flotte die russische Ostseeflotte. Entgegen dem Rat des Generalstabs verzichtet das Deutsche Reich auf einen Präventivkrieg gegen Frankreich. Entgegen dem Rat des britischen Admirals John ("Jackie") Fisher verzichtet Großbritannien auf einen Überfall auf die deutschen Flotte nach dem Muster "Kopenhagen 1801".

1907
August: Großbritannien schließt eine "Entente cordiale" mit Rußland (Aufteilung Persiens, Neutralisierung Afģānistāns). Danach zieht Admiral Fisher das beruhigende Fazit: "Die Royal Navy war niemals stärker als heute: Insgesamt zehn Großkampfschiffe fertig oder im Bau, während Deutschland nicht mal ein einziges begonnen hat." Die britische Flotte ist größer als die zweitgrößte (die deutsche) und die drittgrößte (die U.S.-amerikanische) zusammen.**
Auf der Haager Konferenz lehnt v. Tirpitz angesichts der drückenden Überlegenheit der Briten zur See ein von diesen vorgeschlagenes Übereinkommen, die Flotten auf dem derzeitigen Stand einzufrieren, ab; ihm wird der Schwarze Adlerorden verliehen.


1908
v. Tirpitz bringt das 3. Flottengesetz durch den Reichstag. Es besagt lediglich, daß die deutschen Kriegsschiffe künftig statt nach 25 schon nach 20 Jahren außer Dienst gestellt werden, so daß die Ersatzbauten etwas schneller vorgenommen werden müssen. In England wird dies jedoch zu einem "Wettrüsten" der "Hunnen" aufgebauscht und zum Anlaß für den Bau noch größerer Schlachtschiffe mit noch schwereren Geschützen genommen.


1911
v. Tirpitz wird zum Großadmiral befördert. Die deutsche Diplomatie versagt in der so genannten "Marokkokrise": Bei einem (vermutlich von Frankreich geschürten) Berber-Aufstand gegen den Sultan hatte das Reich ein (!) kleines Kanonenboot namens "Panther" nach Agadir geschickt, um deutsche Flüchtlinge aufzunehmen. Das Ausland macht daraus einen kriegerischen Akt ("Panthersprung von Agadir"). In Großbritannien wird Befehl zum Präventivkrieg gegen Deutschland gegeben; allerdings stellt sich heraus, daß die Flotte keinen brauchbaren Einsatzplan hat, so daß der Krieg wieder abgeblasen werden muß. [Damit so etwas nicht wieder vorkommt, wird Winston Churchill zum Ersten Lord der Admiralität ernannt, der zielstrebig auf einen Krieg hin arbeitet.] Die Deutschen, denen dies verborgen bleibt, geben kleinlaut nach und lassen Marokko (wo unvorsichtige deutsche Kaufleute erhebliches Kapital investiert haben) an Frankreich fallen, da sie sich für zu schwach halten, um sich alleine gegen die Entente-Mächte England, Frankreich und Rußland durchzusetzen.

1912
Zur Behebung dieser vermeintlichen Schwäche bringt v. Tirpitz das 4. Flottengesetz durch den Reichstag: Weitere Schlachtschiffe sollen gebaut werden. Dies ist umso unverständlicher, als jemand, der wie v. Tirpitz von der Torpedowaffe kommt, wissen müßte, daß die großen, teuren Schlachtschiffe überholt sind, weil sie von kleinen, billigen "S[chnell]-Booten" vernichtet werden können, deren Torpedos selbst die stärkste Panzerung durchschlagen, seit einiger Zeit auch von fast ebenso billigen Tauchbooten ("U[ntersee]-Booten") und sogar von spottbilligen Treibminen. (Dies hatte schon v. Tirpitz' Vor-Vorgänger v. Caprivi in den 80er Jahren richtig erkannt, ohne seinen Standpunkt durchsetzen zu können.) Der Bau dieser "hochbeweglichen Torpedoträger" wird jedoch sträflich vernachlässigt.

1914
August: Großbritannien erklärt dem Deutschen Reich den Krieg, der sich zum Ersten Weltkrieg ausweitet.
Gleich im ersten Kriegsjahr verliert England mehrere Schlachtschiffe durch Minen und Torpedotreffer. Dagegen kommt die deutsche Hochsee-Flotte mit ihren teuren Schlachtschiffen kaum zum Einsatz. (Als sie im
Dezember durch Zufall auf Teile der englischen Grand Fleet trifft, bricht Admiral v. Ingenohl das Gefecht ab und zieht sich zurück.) Zu Helden des Seekrieges avancieren neben dem U-Boot-Kapitän Otto Weddigen die Kommandanten der wenigen kleinen Kreuzer, die Kaperfahrten auf allen Weltmeeren durchführen, wie Kapitänleutnant v. Mücke, der mit einem einzigen Schiff, der Emden, Monate lang den gesamten Handelsverkehr der Entente im Indischen Ozean lahm legt, und später Graf Luckner, der sogar Segelboote dafür einsetzt.
Die Weichenstellung "Schlachtschiffe statt schneller Kreuzer" erweist sich nun als verhängnisvoller Fehler, denn den ersteren gelingt es nicht, die von den Briten betriebene Hungerblockade gegen Deutschland zu durchbrechen.


1915
Januar: In der Seeschlacht bei der Doggerbank kommt es zu keiner Entscheidung.
18. Februar: Nachdem die englische Regierung die Meere um die britischen Inseln zur Sperrzone erklärt hat, in der jedes neutrale Schiff, das Waren befördert, die den Mittelmächten von Nutzen sein könnten, gekapert oder versenkt wird, prägt v. Tirpitz den Satz "Gott Strafe England" und erklärt für die selben Gebiete den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, d.h. die Versenkung aller gegnerischen oder "neutralen" Schiffe, die England beliefern, ohne Vorwarnung.
7. Mai: Der als Passagierschiff getarnte (und mit 128 US-Bürgern besetzte) U.S.-Hilfskreuzer und Waffentransporter "Lusitania" wird durch U-Boot-Torpedos versenkt.
Juni: Den U-Booten wird die Versenkung "neutraler" Schiffe verboten.
19. August: U 27 stoppt den als US-amerikanisches Handelsschiff getarnten britischen Hilfskreuzer Baralong und taucht zu diesem Zweck auf, woraufhin sie von den Briten versenkt wird. Alle wehrlos im Wasser treibenden deutschen Matrosen werden durch gezielte Schüsse ermordet, obwohl die Baralong reichlich Platz hätte, sie gefangen und aufzunehmen. Die Täter werden befördert und von König Georg V persönlich mit hohen britischen Orden ausgezeichnet.


Am selben Tag wird der als Passagierschiff getarnte englische Hilfskreuzer Arabic (wiederum mit US-Bürgern an Bord) durch ein nicht zuvor aufgetauchtes deutsches U-Boot versenkt. Die US-Regierung protestiert vehement gegen den zweiten Vorfall (nicht dagegen gegen den ersten). Die Reichsleitung verbietet daraufhin den deutschen U-Booten generell die Versenkung von "Passagierschiffen". [Dieser Befehl bezieht sich ausdrücklich auch auf Schiffe, die unter feindlicher Flagge fahren.]
Damit hat Deutschland nicht nur den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, sondern den U-Boot-Krieg überhaupt de facto eingestellt (obwohl England die Hunger-Blockade uneingeschränkt aufrecht erhält) und sich damit entscheidend geschwächt. Die Gründe für diesen Entschluß sind rätselhaft.***
v. Tirpitz wird der Militärverdienst-Orden "Pour le Mérite" verliehen.


1916
Zunehmende Spannungen zwischen Wilhelm II und v. Tirpitz, die spätere Historiker damit begründen, daß der Kaiser den durch v. Tirpitz geforderten Einsatz der Schlachtflotte gescheut habe, führen dazu, daß v. Tirpitz am 15. März vom Amt des Reichsmarineministers zurück tritt.****
Ende Mai/Anfang Juni kommt es zwischen der deutschen und der englischen Schlachtschiff-Flotte im Skågerrak zur bis dahin größten Seeschlacht der Weltgeschichte, die ergebnislos endet, d.h. den deutschen Seestreitkräften gelingt es nicht, die englische Blockade der Nordsee zu brechen.*****
6. Oktober: Der eingeschränkte U-Boot-Krieg (nach "Prisenrecht") wird wieder aufgenommen, bringt jedoch mehr Verluste als Erfolge, da die brav aufgetauchten U-Boote eine leichte Beute für die Geschütze der längst bewaffneten "neutralen" und feindlichen "Handelsschiffe" werden.

1917
06. April: Die USA nehmen die fast zwei Jahre zurück liegende Versenkung der "Lusitania" zum Vorwand, dem Deutschen Reich nunmehr auch offiziell den Krieg zu erklären; Deutschland nimmt daraufhin den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf und erzielt zunächst spektakuläre Erfolge. (Im ersten Halbjahr 1917 übertreffen die Versenkungen die alliierten Neubauten um 400%.)


Nach den realitätsfremden "Friedensresolutionen" der Mehrheitsparteien im Reichstag gründet v. Tirpitz gemeinsam mit Wolfgang Kapp die "Deutsche Vaterlandspartei" als Sammelbecken für die nationale Opposition.
August: Nachdem die englische Blockade (und eine unfähige Innenpolitik) in Deutschland eine Hungersnot hervorgerufen hat, kommt es zu Streiks der Munitionsarbeiter in den Rüstungsfabriken und zu ersten Meutereien der Matrosen auf dem Schlachtschiff "Prinzregent Luitpold", die jedoch noch unterdrückt werden können.

1918
Oktober-November: Nachdem Pläne für eine große Offensive der Hochseeflotte auf England bekannt geworden sind, kommt es in der Kriegsmarine zu Meutereien, die nicht mehr unterdrückt werden können ("Matrosenaufstände" in Kiel, Hamburg und Wilhelmshaven), zum Sturz Kaiser Wilhelms II (der in die Niederlande flieht) und zum Ende des Kaiserreichs. Deutschland wird Republik. Die Regierung der "November-Verbrecher" bittet die Alliierten im Vertrauen auf die "14 Punkte" des US-Präsidenten Wilson um Waffenstillstand, was einer Kapitulation gleich kommt.

1919
7. Mai: Die Alliierten präsentieren das Friedensdiktat von Versailles, das Deutschland u.a. den Besitz von Schiffen (auch Handelsschiffen) über 1.600 Tonnen verbietet und die Marine auf 15.000 Mann beschränkt.
21. Juni: Die im schottischen Scapa Flow internierte deutsche Kriegsflotte wird von den eigenen Besatzungen versenkt.
28. Juni: Die deutsche Delegation unterzeichnet den "Schmach-Vertrag" von Versailles.


1924
v. Tirpitz wird als Abgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), die - wie alle anderen Parteien der "Weimarer Republik" auch - eine Revision des Diktatfriedens von Versailles anstrebt, Mitglied des Reichstags (bis 1928; nach ihm übernimmt das Mandat der Generalmajor a.D. v. Lettow-Vorbeck.)

[Wahlplakat der DNVP]

1925
v. Tirpitz bestärkt Generalfeldmarschall a.D. Paul von Hindenburg, die Kandidatur zur Reichspräsidentenwahl anzunehmen, welche er gewinnt.

1930
6. März: Alfred v. Tirpitz stirbt in Ebenhausen bei München.


1939
September: Großbritannien und Frankreich nehmen den Beginn des Polenfeldzugs zum Vorwand, dem Deutschen Reich den Krieg zu erklären (nicht aber der Sowjet-Union, obwohl infolge des "Hitler-Stalin-Pakts" auch die Rote Armee in Polen einmarschiert), der sich nach dem Kriegseintritt der USA und Japans 1941 zum Zweiten Weltkrieg ausweitet.

1941
Das modernste im Dritten Reich gebaute Schlachtschiff wird auf den Namen "Tirpitz" getauft. Wie schon im Ersten Weltkrieg bewähren sich die deutschen Überwasserstreitkräfte nicht. Insbesondere die einst von Tirpitz begründete Torpedo-Waffe versagt auf der ganzen Linie. Auch die infolge verfehlter Rüstungspolitik sträflich vernachlässigte U-Boot-Waffe bleibt trotz spektakulärer Anfangserfolge gegen die überlegenen alliierten See- und Luftstreitkräfte letztlich chancenlos. "Tirpitz" wird 1944 von der britischen Luftwaffe versenkt.


1994
In der BRD wird Alfred v. Tirpitz verdrängt und vergessen. In England dagegen wird der alte Haß auf Deutschland, das Dritte Reich, die Kriegsmarine, v. Tirpitz und andere deutsche Soldaten weiterhin von Staats wegen gepflegt. So wird auch der 50. Jahrestag der Versenkung der "Tirpitz" groß gefeiert. (Das Datum ist falsch; der Angriff im April führte nicht zur Versenkung; diese gelang erst bei einem neuerlichen Luftangriff im November 1944.)


1996
Die Tirpitz-Biografie von General a. D. Franz Uhle-Wettler erscheint. Da sie politisch nicht korrekt ist, wird sie von so genannten "Fach-Historikern" geflissentlich ignoriert.

*Der Reichstag war im Kaiserreich - anders als der Bundestag in der BRD - eine von der Regierung unabhängige Volksvertretung zur Wahrung der Interessen der Steuerzahler. Es gab noch eine echte, rechtsstaatliche Gewaltenteilung; das später zu Unrecht verteufelte "Dreiklassen-Wahlrecht" bezog sich auf die Steuerklassen und besagte, daß diejenigen, die am meisten Steuern zahlten, auch die meisten Mitbestimmungsrechte haben sollten, wofür sie verwendet wurden. (Von den heutigen Unternehmern, die ihr Geld auf der Flucht vor dem Fiskus bevorzugt im Ausland "anlegen", wäre keiner über die niedrigste Wählerklasse hinaus gekommen.) Die verhängnisvolle Entwicklung zur ("Parteien-Demokratie" genannten) Parteien-Diktatur, die einer (oder mehreren) politischen Partei(en) alle drei Gewalten ausliefert, zeichnete sich erst in Ansätzen ab.

**Bis zum Verlust seiner Flotten im Krieg gegen Japan stand Rußland quantitativ auf dem zweiten Platz. Die Größe sagte nicht unbedingt etwas über die Stärke aus; die britische, deutsche, amerikanische und japanische Flotte waren den anderen aber auch qualitativ überlegen.

***Wenig überzeugend ist die offizielle BRD-Geschichtsschreibung, wonach es Proteste der USA - sowohl gegen die Hunger-Blockade als auch gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg - gewesen seien. Wer Augen im Kopf hatte, konnte schon damals unschwer sehen, daß die USA ohnehin nicht "neutral", sondern vielmehr der Hauptlieferant der Entente-Mächte mit Waffen, Munition und Verpflegung waren und nur deshalb noch nicht offen in den Krieg eingegriffen hatten, weil ihre Rüstungen noch nicht abgeschlossen waren.

****Auf einer von der BRD-Regierung finanzierten, halb-amtlichen Internet-Seite wird dazu folgendes kolportiert: "Tirpitz' Forderung nach uneingeschränktem U-Boot-Krieg trifft auf die ablehnende Haltung Wilhelms II. und des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. Beide fürchten den Kriegseintritt der USA."
Daran ist soviel richtig, daß es bei Hof und in der Reichleitung tatsächlich ein paar blinde Hühner gab, die noch immer nicht erkannt hatten, daß der offene Kriegseintritt der USA auf Seiten der Entente-Mächte längst beschlossene Sache war. Die nunmehr zur Debatte stehende "Wiederaufnahme" des "uneingeschränkten" U-Boot-Krieges betraf gar keine solche mehr, sondern nur noch die Erlaubnis an deutsche U-Boot-Kommandanten, bewaffnete "Handelsschiffe" der Kriegsgegner und "Neutralen", welche Kriegsmaterial für die letzteren transportierten, anzugreifen, ohne vorher aufzutauchen und sich damit der Gefahr auszusetzen, von jenen "Handelsschiffen" versenkt zu werden. (Die Engländer verfuhren übrigens in der Blockadezone selbst mit unbewaffneten neutralen Schiffen ebenso, ohne daß ihnen die USA darob mit Krieg gedroht hätten - deren Schiffe waren freilich auch nicht betroffen, da sie ja von Anfang an nicht neutral waren.) Der Streit hinter den Kulissen verlief dabei genau umgekehrt: Entgegen seinen offiziellen Verlautbarungen wandte sich v. Tirpitz intern hartnäckig gegen den "uneingeschränkten" U-Boot-Krieg - den vor allem Admiral Scheer befürwortete -, und zwar nicht aus politischen Rücksichten gegenüber den USA, sondern weil er persönlich erpreßbar war: Die Engländer hatten bei einem Seegefecht vor Helgoland vier Wochen nach Kriegsausbruch seinen Sohn - der Kommandant eines kleinen Kreuzers gewesen war - gefangen genommen und drohten, diesen zu ermordenhinzurichten als Sohn eines "Kriegsverbrechers" - der v. Tirpitz in ihren Augen gewesen wäre, wenn die Deutschen den "uneingeschränkten" U-Boot-Krieg wieder aufgenommen hätten. (Es galt das Prinzip der Sippenhaft.) Dabei scheuten sie sich nicht, diese Morddrohung ganz offen in ihrer Presse (z.B. der Daily Mail) zu verlautbaren. Tirpitz war aus diesem Grunde als Marineminister nicht länger tragbar.
Die BRD-Regierung - blind für die Lehren der Weimarer Republik - fühlt sich allerdings nach wie vor an die Bestimmungen des Versailler Friedensdiktats von 1919 gebunden, einschließlich der Kriegsschuldlüge und der Lüge, daß Kriegsverbrechen stets nur von den bösen Deutschen begangen wurden, nie aber von den edlen Alliierten. Deshalb kann auch die noch lange nach dem Waffenstillstand aufrecht erhaltene, völkerrechtswidrige Hunger-Blockade der Entente gegen Deutschland, der mehr als eine Million Frauen, Kinder und sonstige Zivilisten zum Opfer fielen, kein Kriegsverbrechen gewesen sein, sondern nur der in erster Linie gegen diese gerichtete U-Boot-Krieg. Folglich muß die BRD-Regierung Sorge tragen, daß die wahren Hintergründe v. Tirpitz' Rücktritt bis heute tot geschwiegen werden; auf diese Linie hat sie alle ihre Söldner der Lüge, pardon, alle "Historiker", die von ihr besoldet werden, bei Strafe fristloser Entlassung im Falle der Zuwiderhandlung festgelegt.

*****Daß diese Schlacht nur 6 Wochen nach v. Tirpitz' Rücktritt statt fand, spricht gegen die These, daß Wilhelm II die Schlachtschiffe entgegen dessen Drängen nicht einsetzen wollte; vielmehr deutet einiges (u.a. das Fehlen - also wohl die Vernichtung - jeglicher Quellen) darauf hin, daß es - genau wie beim "uneingeschränkten" U-Boot-Krieg - genau umgekehrt war: Tirpitz war wohl intern ebenso gegen den Einsatz der Schlachtflotte wie gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg.


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