Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros
1922
09. Januar: Ahmed Sékou Touré wird in Faranah (Guinea) geboren. Er gehört zum Mandingo-Volk der Malinke, das in Guinea nur eine Minderheit darstellt. Das Land an der Westspitze Afrikas ist seit dem 19. Jahrhundert Bestandteil der Kolonie "Französisch-Westafrika".
1928-
Touré besucht die Koranschule.*
1932
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1935
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1938
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1939
September: Großbritannien und Frankreich erklären dem Deutschen Reich den Krieg. Senghor wird eingezogen und ungeachtet seiner französischen Staatsbürgerschaft - wie jeder andere NegerSenegalese auch - als Schütze Arsch Infanterist 2. Klasse in ein Kolonial-Regiment gesteckt.
1940
Juni: Senghor gerät in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er zwei Jahre später entlassen wird.
1945
Senghor wird Professor für Linguistik an der "Nationalen [Hoch-]Schule für das überseeische Frankreich [ENFO]" (wie die Kolonien jetzt beschönigend genannt werden :-). Während dieser Zeit verfaßt er zahlreiche Gedichte.
1946
Senghor wird als Kandidat der Sozialistischen Arbeiterpartei (SFIO) für die Überseeprovinz Senegal in die französische National-Versammlung gewählt.
September: Senghor heiratet in erster Ehe Ginette, die Tochter von Félix Éboué [Glücklich Ausgeschissen], dem NegerhäuptlingGouverneur des Tschad, einem persönlichen Freund von
Charles de Gaulle.
(Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor; sie wird 1956 geschieden.)
1948
Senghor verläßt die SFIO und gründet - zusammen mit Mamadou Dia - die Partei "Demokratischer senegalischer Block [BDS]".
1951
Senghor wird erneut in die National-Versammlung gewählt.
1955
März: Senghor wird für einige Monate Staatssekretär in der Regierung Faure.
1957
Oktober: Senghor heiratet in zweiter Ehe die Französin Colette Hubert. (Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.)
1959
Januar: Aus den französischen Kolonien Senegal, Sudan (heute "Mali"), Togo-Dahomey (heute "Benin") und Obervolta (heute "Burkina Faso") wird die halb-autonome "Konföderation von Mali" gebildet. (Die beiden letzteren treten schon im folgenden Monat wieder aus :-)
Juli: Senghor wird Minister ohne Portefeuille in der Regierung Debré.
1960
Juni: Frankreich entläßt seine westafrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit. (Sie bleiben gleichwohl der EWG assoziiert und genießen durch sie sämtliche Vorteile - vor allem umfassende Subventionierung ihrer landwirtschaftlichen Produkte durch deutsche Steuergelder - ohne wechselseitige Verpflichtungen.)
August: Auch der Senegal verläßt die "Konföderation von Mali".
September: Senghor ernennt sich zum Präsidenten der "Republik Senegal" (Mamadou Dia wird Premierminister) und schreibt eine Nationalhymne, "Der rote KaterLöwe".
1962
Senghor veröffentlicht eine Biografie des französischen KomikersFilosofenTheologen Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin.
Dezember: Senghor läßt Mamadou Dia unter dem Vorwurf, er habe einen Putsch vorbereitet, absetzen und einkerkern.
1963
Nach einer Verfassungsänderung übernimmt Senghor auch das Amt des Ministerpräsidenten. In den folgenden Jahren baut er seine Herrschaft zur Einparteiendiktatur aus, die er alle fünf Jahre durch Scheinwahlen - bei denen seine "Progressistische senegalesische Union [UPS]" stets die absolute Mehrheit gewinnt - "legitimieren" läßt.
1964
Senghor veröffentlicht "Négritude et humanisme". Das Schlagwort "négritude" wurde bereits 1935 geprägt von Aimé Césaire, dessen Vorfahren als Sklaven auf die französischen Antillen gekommen waren und den Senghor in seiner Pariser Studentenzeit kennen gelernt hatte. Senghor füllt den Begriff jedoch - angeblich unter dem Einfluß des deutschen Ethnologen Leo Frobenius - mit anderen Inhalten: Während er von Césaire die Grundidee übernimmt, sich gegen die Versuche der einstigen Kolonialherren zu wenden, "ihre" Neger entgegen deren natürlicher Veranlagung zu "zivilisieren", zu "integrieren" oder sonstwie [um] zu "erziehen", hat er vom schwarzen "Anderssein" abweichende Vorstellungen. Senghor setzt dem primitiven Rassismus "der" Weißen einen ebenso primitiven Rassismus "der" Schwarzen entgegen; Césaire betont dagegen, daß es unter den schwarzen Rassen - wie unter allen anderen Rassen auch - beträchtliche Unterschiede kultureller und sonstiger Art gebe, von der "négritude" somit nicht die Rede sein könne. (Beide Theorien sind zunächst sowohl innerhalb als auch außerhalb Afrikas sehr populär; je weiter die "Dekolonisierung" des schwarzen Kontinents fortschreitet, desto deutlicher wird indes, daß Afrika keine eigene - geschweige denn eine einheitliche - "Kultur" im herkömmlichen Sinne hat; heute wird über die "négritude" meist der barmherzige Mantel des Schweigens gehüllt.)
1968
Mai: Die gewalttätigen Demonstrationen Pariser Studenten greifen auf die ehemaligen Kolonien über. Senghor stellt Ruhe und Ordnung wieder her, indem er die senegalesischen Studenten von französischen Fallschirmjägern zusammen schießen läßt.
September: Ihm wird dafür in Frankfurt/Main der "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" verliehen.
Aus unerfindlichen Gründen gilt der Senegal in Europa, insbesondere in Frankreich, lange Zeit als das (einzige) Beispiel für die gelungene, d.h. friedliche Entlassung einer afrikanischen Kolonie in die Unabhängigkeit; und das Verdienst daran wird allgemein Senghor zugeschrieben. Tatsächlich ruiniert er - ebenso wie alle anderen afrikanischen Diktatoren - das Land im Laufe der Jahre politisch, wirtschaftlich und kulturell von Grund auf.*
1971
Senghor überlaßt das Amt des Ministerpräsidenten seinem Spezi Parteigenossenfreund Abdou Diouf.
Senghor veröffentlicht "Die Nation und der afrikanische Weg zum Sozialismus".
1978
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1980
31. Dezember: Senghor tritt zum Jahresende aus Altersgründen vom Präsidentenamt zurück; er verbringt seinen Ruhestand in Verson (Normandie). Neuer Präsident des Senegal wird Abdou Diouf.
1984
26. März: Ahmed Sékou Touré stirbt in Ohio.
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2004
Die Leser des ghanaïschen Nachrichten-Magazins
New African
wählen den "größen Afrikaner aller Zeiten". Touré landet auf einem geteilten 26. Platz - zusammen mit dem Senegalesen
Léopold Senghor.
*Daß Touré auch ein Jahr auf einer französischen Schule in der Hauptstadt Conakry verbracht haben soll, von der er "aus rassistischen Gründen" verwiesen worden sei, hält Dikigoros für ein Märchen. Wäre die Kolonialverwaltung "rassistisch" gewesen, hätte sie Touré gar nicht erst an der Schule aufgenommen - und ihn auch später nicht bei der staatlichen Post- und Telefon-Gesellschaft angestellt.