Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros
1879
7. November: Lew Dawidowitsch Bronstein wird in Janowka (Ukraine) als fünftes Kind des Gutsbesitzers Dawid Bronstein geboren.
1886
Bronstein besucht die deutsch-jüdische Schule in Gromoklej.
1888
Bronstein geht nach
Odessa
- damals eine überwiegend griechisch-jüdische Stadt -, wo er die deutsch-lutherische Schule "Zum Heiligen Paulus" besucht.
1896
Bronstein macht in Nikolajew (Ukraine) das Abitur.
1897
Bronstein gehört zu den Gründern des "Südrussischen Arbeiterbundes" - zu dem freilich kaum Arbeiter und/oder Südrussen zählen, sondern überwiegend jüdische Intellektuelle.
1898
Bronstein wird wegen Verbreitung verbotener politischer Bücher verhaftet und in Odessa inhaftiert.
1899
Bronstein wird zu vier Jahren Verbannung in Sibirien verurteilt, aber vorerst nach Moskau überführt.
1900
Bronstein heiratet Aleksandra, geb. Sokolowskaja.
1901
Bronstein gelingt die Flucht nach Irkutsk und später nach London.
Er nimmt den Namen 'Trotski' (auch "Trotzki" oder "Trozki" geschrieben) an.
1905
Nach dem Petersburger Aufstand reist Trotski nach Sankt Peterburg und wird dort Vorsitzender des Sowjets.
Dezember: Nach dessen Auflösung wird Trotski erneut verhaftet.
1906
Trotski wird zu lebenslanger Verbannung nach Sibirien verurteilt.
In seiner Schrift "Rußland in der Revolution" entwickelt Trotski die Idee der "permanenten
Revolution", wonach die sozialistische Gesellschaft regional begrenzt nicht existieren könne
und die Revolution deshalb in andere Staaten getragen werden müsse.
1907
Kurz nach seiner Ankunft in Sibirien gelingt Trotski erneut die Flucht. Diesmal flieht er
über Finnland nach Deutschland.
1908
Trotski geht nach Wien - damals die jüdische Stadt Mitteleuropas, noch vor Berlin und Prag - und gibt dort die Zeitung "Prawda [Wahrheit]" heraus.
1910
Während sich in Paris die Führungen von Bolschewiken und Menschewiken über eine Kooperation einigen, gerät Trotski in Konflikt mit
Wladimir I. Uljanow ('Lenin').
1911
Trotski nimmt am Parteitag der Sozialistischen Partei Deutschlands (SPD) in Jena teil.
Trotski wendet sich auf der Tagung der II. Internationale in Brüssel erneut gegen Lenin.
August: Nach Ausbruch des
Ersten Weltkriegs
übersiedelt Trotski mit seiner Familie von Österreich in die Schweiz.
1915
Trotski verfaßt das Manifest für die "Internationale sozialistische Konferenz" in Zimmerwald und übersiedelt nach Paris, wo er sich mit Lenin aussöhnt.
1916
Trotski wird aus Frankreich ausgewiesen; er übersiedelt nach New York.
1917
April: Nach Ausbruch der Russischen Revolution kehrt Trotski nach Sankt Peterburg zurück und tritt den Bolschewiken bei.
Oktober: Trotski wird zum Vorsitzenden des Petersburger Sowjets gewählt und organisiert die militärischen Kampfverbände der Roten Garde. Nach der Machtübernahme der Bolschewiken wird Trotzki Volkskommissar für Äußeres.
Dezember: Trotski beginnt die Friedensverhandlungen mit den Deutschen in
Brest-Litowsk.
1918-1920
Im russischen Bürgerkrieg ist Trotski Kriegskommissar (Verteidigungsminister). Im Kampf gegen die anti-revolutionären Kräfte stellt er Arbeiterarmeen im Kaukasus, im Ural und in der Ukraine auf.
1920
April: Trotski proklamiert den "nationalen Krieg" gegen die in Weißrußland und der Ukraine eingefallenen Polen.
1921
Mit der Roten Armee schlägt Trotzki den Matrosenaufstand in Kronstadt nieder.
1924
Nach Lenins Tod betreibt Stalin die schon zuvor begonnene Isolierung Trotskis innerhalb der Partei und eröffnet in der "Prawda" eine Kampagne gegen ihn.
1925
Trotski verläßt das Kriegskommissariat und ist damit praktisch entmachtet.
1926
Ausschluß aus dem Politbüro und Widerstand der trotskistischen Opposition.
1927
November: Trotski wird aus der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) ausgeschlossen und nach Turkestan verbannt.
1928
Trotski wird, zusammen mit einigen seiner Anhänger, nach Sibirien verbannt.
1929
Trotski wird in die Türkei ausgewiesen und schreibt in Konstantinopel an den autobiografischen Schriften "Geschichte der Russischen Revolution" und "Mein Leben".
1933/34
Trotski wird die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt. Der russische Geheimdienst beginnt ihn zu verfolgen.
Trotski zieht nach Frankreich an einen geheimen Ort, der jedoch nach einem Jahr bekannt wird.
1935
Trotski übersiedelt nach Oslo, wo er "Die verratene Revolution" schreibt.
1937
Nach einem sowjetischen Anschlag auf sein Domizil in Oslo übersiedelt Trotski nach Mexiko, wo er Biografien über Lenin und Stalin zu schreiben beginnt. Die Russen Gorkij und Scholochow, die Juden Ehrenburg, Dreiser und Feuchtwanger sowie die Franzosen Barbusse und Aragon rufen zu seiner Ermordung auf.
1939
Trotski zieht nach Coyoacán, wo er sich sicher glaubt.
1940
Mai: Trotski entgeht nur knapp einem Anschlag des sowjetischen Geheimdienstes.
20. August: Trotski wird von einem eingeschleusten Sowjet-Agenten, der sich als Sympathisant ausgegeben hatte, mit einem Eispickel erschlagen und erliegt einen Tag später seinen Verletzungen.