DAS  WAGNIS  MIT  DER  WAHRHEIT

GROßE HISTORIKER DES 20. JAHRHUNDERTS

WIDER DIE VERGEßLICHKEIT

"Celui qui veut lire l'avenir doit feuilleter le passé" (André Malraux)
[Wer in der Zukunft lesen will muß in der Vergangenheit blättern]

"Die Kunst des Historikers besteht nicht in der Entdeckung und
Ausbeutung unbekannter Quellen, sondern in etwas weit Ein-
facherem, nämlich in der Interpretation und Ausbeutung des-
jenigen Materials, das offen und hell zutage liegt." (Diwald)

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT -
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Über die Richtigkeit des ersten Zitats brauchen wir sicher nicht zu streiten - womit keineswegs gesagt sein soll, daß nun jeder gleich zum Möchtegern-Hellseher werden muß, der sich für Geschichte interessiert; es gibt dafür bestimmt noch viele andere gute Gründe - Dikigoros genügt es schon, wenn sie ihm ein wenig hilft, die Gegenwart zu verstehen. Und das zweite Zitat? Dikigoros hat es ausgewählt, um zu provozieren (wie sein Verfasser); aber letztlich hält er es in zweierlei Hinsicht für falsch: Erstens ist die Trennung der beiden Halbsätze in "nicht... sondern" zu scharf - wieso soll denn das eine das andere ausschließen? Kann man nicht als Historiker zugleich Neues entdecken und Altbekanntes neu interpretieren? Gehört nicht das eine sogar notwendigerweise zum anderen, insofern uns manche neue Funde zwingen, vermeintlich Alt-"Bekanntes" in einem neuen Licht zu sehen? Ist das nicht ebenso eine "Entdeckung" wie das Auffinden bisher unbekannter Quellen? Zweitens schätzt Diwald (der nun mal kein Archäologe war) offenbar die Schwierigkeiten und "Einfachheiten" der beiden Aufgaben falsch ein - dabei hätte gerade er es besser wissen müssen: Jeder Trottel kann zufällig über die Scheibe von Nebra oder andere alte Klamotten stolpern und damit eine "unbekannte Quelle" offen legen; und gerade diejenigen, die sie zum ersten Mal interpretieren, haben es leicht, denn sie genießen darin praktisch Narrenfreiheit: jeder kann erstmal jede Meinung vertreten, die ihm gerade in den Sinn kommt, und sei sie noch so abwegig. Wenn sich aber erst einmal eine "herrschende Meinung" fest etabliert hat - womöglich mit Unterstützung der "hohen Politik" -, dann ist es alles andere als "einfach", sondern oft so gut wie unmöglich, eine neue Interpretation durchzusetzen, und mögen die Fakten noch so "offen und hell zutage liegen". Das tun sie aber meist gar nicht mehr; denn gerade um Neu-Interpretationen zu vermeiden, werden Fakten unterdrückt, gefälscht oder ihre Verbreitung verboten und unter Strafe gestellt. Gerade Diwald hat dies schmerzhaft erfahren müssen, denn seine Bücher sind in der BRD zensiert worden, und er ist trotz unzweifelhafter Kompetenz nie ordentlicher Professor geworden - nicht einmal im konservativen Freistaat Bayern. (Folgt daraus vielleicht im Umkehrschluß, daß ein beamteter, staats- und linientreuer Geschichts-Professor kein großer Historiker sein kann? Nicht notwendigerweise - aber heutzutage scheint es in der Praxis darauf hinaus zu laufen.) "Mut zur Geschichte" hat er eines seiner Bücher genannt, und er hatte diesen Mut, der in Dikigoros' Augen zu einem "großen Historiker" gehört: Bloß brav Fakten und Jahreszahlen wiederzukäuen - und seien sie noch so korrekt -, Chronologien für irgendein "Handbuch der Geschichte" herunter zu schreiben, das kann letztlich jeder, der ein bißchen im Geschichtsstudium aufgepaßt hat und das nötige Sitzfleisch mit bringt - so sehen die Geschichtsbücher an unseren Schulen denn auch aus, und entsprechend groß ist denn auch die Begeisterung vieler Schüler für den Geschichtsunterricht...

Ein paar Worte zur Auswahl: Dikigoros hat lange geschwankt, ob er dieses Kapitel seiner "Reisen durch die Vergangenheit" thematisch aufziehen soll oder nach Autoren - aber ersteres hätte dazu beführt, daß er in manchen Fällen wegen der Bedeutsamkeit des Themas zweitrangige Geschichtsschreiber hätte berücksichtigen müssen,: Gibt es über die USA ein besseres historisches Werk im Sinne von Dikigoros' Definition als Fernaus Halleluja? Wahrscheinlich nicht. War Fernau ein großer Historiker? Nein, er war mutig, humorvoll und zweifellos ein großartiger Schriftsteller - aber ein großer Historiker war er nicht. Das gleiche gilt im Ergebnis (nicht in der Begründung) für A. L. Basham und The Wonder that was India, Marcel Granet und La civilisation chinoise sowie J.P.A. Taylor und Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Letzteres hat dazu geführt, daß diese zweifellos sehr wichtigen historischen Themen hier nicht zum Zuge kommen - vielleicht eignen sie sich nicht zu der Art Geschichtsschreibung, die Dikigoros meint, vielleicht hat er auch einfach bessere Werke über die Geschichte der USA, Indiens, Chinas oder den Zweiten Weltkrieg übersehen; er ist für jeden Hinweis seiner Leser dankbar, der ihn mit der Nase auf eines stößt. Einige Historiker[innen] hat Dikigoros dagegen nicht etwa übersehen, sondern ganz bewußt links (bzw. rechts :-) liegen lassen, wie (in alfabetischer Reihenfolge) David Irving, Régine Pernoud, Romila Tapar oder Barbara Tuchman. (Die letzteren hält er - entgegen der veröffentlichten Meinung - sogar für ausgemachte Nieten, die nur aus Quoten-Gründen hoch gejubelt worden sind und sonst nicht mal als Märchentanten taugen würden; und über die Pseudo-Chinesin und Pseudo-Historikerin Han Su-yin schreibt Dikigoros an anderer Stelle, ebenso über den Brasilianer Gilberto Freyre.) Wieder einmal hegt Dikigoros den Verdacht, nein, er ist sich sogar ganz sicher, daß er mit seiner Auswahl "großer Historiker" ziemlich alleine da steht. Den meisten Geschichts-Studenten (ja wahrscheinlich sogar vielen Geschichts-Professoren) sind sie allenfalls dem Namen nach bekannt, und wenn sie noch jemand liest, betrachtet er sie im Zweifel als "nicht zitierfähig", denn die meisten von ihnen waren ja keine ordentlichen Universitäts-Professoren für das Fach Geschichte. Was zählt schon so ein blöder Journalist oder Lehrer? Die wahre Geschichte erforscht man doch nicht draußen in der Welt, sondern zuhause am Schreibtisch, und nur was schon mal in der Zeitung gestanden und die staatliche Zensur passiert hat, darf Eingang in die offiziellen Geschichtsbücher finden!

(...)

Und was manch andere hoch gelobte Historiker so abliefern, erinnert Dikigoros an den berühmt-berüchtigten Turm zu Babel: Die ihn sich ausgedacht haben, machen brav ihren Kotau vor den Herrschenden; und wenn der Schund, der dabei heraus kommt, sich hinterher als nicht tragfähig erweist, gilt das Motto: "Nach mir die Sintflut!" Wenn Dikigoros liest, was sich einige "Historiker" so zusammen schmieren, wünscht er manchmal, sie wäre schon da - und wenn er denn wie Noah eine Arche bauen dürfte, würde er darin nur die folgende Auswahl mitnehmen.



WELTGESCHICHTE I
(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes)

GESCHICHTE ROMS
(Ronald Syme, The Roman Revolution)

GESCHICHTE DEUTSCHLANDS
(Hellmut Diwald, Deutsche Geschichte)

WELTGESCHICHTE II
(Raimond Cartier, Nach dem Zweiten Weltkrieg)

GESCHICHTE DES FASCHISMUS
(Ernst Nolte, Der Faschismus in seiner Zeit)

GESCHICHTE DER VERTREIBUNGEN
(Alfred de Zayas, die Vertreibung der Deutschen)

GESCHICHTE DES KOMMUNISMUS
(Robert Conquest, Der große Terror)


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