"Es ist traurig, alt zu werden." Leni Riefenstahl, Deutschlands umstrittenste Filmemacherin,
zeigte sich anlässlich ihres bevorstehenden 100. Geburtstag sichtlich ernüchtert. So
alt zu werden, das hätte sie sich niemals gewünscht, gestand die
Regisseurin den versammelten Journalisten.
Der Bergsteiger
Reinhold Messner lieferte mit seinem Bozener Schloss den Rahmen für die
Präsentation einer Dokumentation anlässlich des runden Jubiläums. Ein Team
des MDR hatte die Filmemacherin per Hubschrauber bei einer Bergtour zurück
in die Vergangenheit begleitet. An ihrer Seite: Reinhold Messner. Die
historische Spurensuche wird am 20. August, dem Geburtstag Riefenstahls,
ausgestrahlt.
Erneut nutzte die angehende Jubilarin die
Gelegenheit, sich für ihr Schaffen während der NS-Zeit zu rechtfertigen.
Zum wiederholten Mal wies die umstrittene Filmemacherin die gegen sie
erhobenen Vorwürfe zurück.
Vor dem Krieg habe man selbst in
Amerika ihren Film zum Reichsparteitag im Jahr 1934 als besten
Dokumentarfilm seiner Zeit gelobt, so Riefenstahl. "Es war nichts
Gestelltes in dem Film. Ich habe das aufgenommen, was tatsächlich
vorhanden war", verteidigte die Regisseurin ihr NS-Epos "Triumph des
Willens".
Vor allem diese Arbeiten im Dienste der
nationalsozialistischen Propaganda-Maschinerie und nicht zuletzt die eine
schwülstige Nazi-Ästhetik zelebrierende Dokumentation über die Olympischen
Spiele von 1936 ließen die Kritik an Riefenstahl nie verstummen. Trotz
jahrzehntelanger Rechfertigungsversuche stand und steht das Werk der
Filmemacherin noch immer im Mittelpunkt zahlreicher
Kontroversen.
Wer im Gespräch ist, ist im Geschäft: 48 Jahre
nach ihrem letzten Film will Riefenstahl noch in diesem Jahr einen neuen
Streifen produzieren mit dem Titel: "Impressionen unter Wasser". Inhalt:
"Tauchgänge". Ästhetik: "Märchenhaft".