Sonderausgabe zum Thema Schimmel


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Ketzerbriefe Nr. 61

In unserem Namen nicht!



DM/sFr 14.-, öS 102.-, 104 S.
ISBN 3-89484-212-1
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Inhalt:



Auszüge aus Ketzerbriefe 61



Der Fall Schimmel - Eine Chronik auf dem Weg ins Mittelalter

Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
soll niemand drin wohnen
als Allah allein.

Als Anfang Mai dieses Jahres vom Börsenverein bekanntgegeben wurde, daß die diesjährige Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels die Orientalistin Annemarie Schimmel sei, wunderte man sich, warum man von dieser offenbar ehrungswürdigen Größe im Gegensatz zu ihren Vorgängern noch nie etwas gehört hatte und was denn ihre Verdienste seien.
    Denn in den Statuten für den Preis heißt es ja: »Die Stiftung dient dem Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker. Dies geschieht durch die Verleihung des Friedenspreises an eine Persönlichkeit, die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.« Bei Schimmel nun werde ihr Lebenswerk ausgezeichnet, denn - die folgenden Sätze wiederholten sich in den nächsten Monaten bis zum Erbrechen - »Inmitten erschreckender Signale des religiösen Fanatismus versteht der Stiftungsrat die Auszeichnung Annemarie Schimmels als ein Zeichen für die Begegnung, nicht für die Konfrontation der Kulturen, als ein Zeichen für Duldung, Poesie und Denkkultur, welche die Form des Andersseins achtet.«
    Damit war über Schimmels vorgebliches Verdienst kein Wort verloren worden, doch das Ganze roch nach Verteidigung von Rückständigkeiten und bösartigsten Drangsalierungen - anders sind die geflügelten Formulierungen »Achtung des Andersseins« oder auch »das Andere anders sein lassen« noch nicht verwendet worden. Und gleich am nächsten Tag, dem 6.5.1995, konnte man lesen, welche »Duldung«, welche »Denkkultur« und welches Anderssein gemeint waren:

Annemarie Schimmel kritisiert Rushdie

Die diesjährige Friedenspreisträgerin Annemarie Schimmel (siehe BZ-Kulturseite von gestern) hat dem Schriftsteller Salman Rushdie vorgeworfen, auf eine "sehr üble Art" die Gefühle von Moslems verletzt zu haben. In einem "Tagesthemen"-Interview betonte die 73jährige, sie habe erwachsene Männer weinen sehen, als sie erfahren hätten, was der 1984 von Ajatollah Khomeini zum Tode verurteilte britisch-indische Autor der "Satanischen Verse" geschrieben habe. Die Islamwissenschaftlerin fand gestern nur teilweise Verständnis für ihre Kritik.
    Solange Schimmel aus ihrem Angriff nicht ableite, daß das Todesurteil berechtigt sei, sehe man keinen Grund zum Widerspruch, hieß es beim PEN. "Wenn erwachsene Männer darüber weinen, sollten sie lieber über etwas anderes weinen", kritisiert dagegen die Hamburger Islamwissenschaftlerin Petra Kappert die Worte ihrer Fachkollegin Schimmel.

dpa

Badische Zeitung, 6.5.1995

So schnell kam die Katze aus dem Sack, und hatte man schon den Verdacht gehabt, daß der einzige Grund für die unerwartete Nominierung eben diese Verständnisheischerei für Mordwütige war (ein Übersetzer und ein toleranter Mullah wurden ja schon gemeuchelt, ein weiterer Übersetzer und ein Verleger schwer verwundet), so hatte sich dieser nun schneller als vermutet bestätigt; aber das war noch lange nicht alles, was diese poetische, begegnungsfreudige alte Dame so dachte und äußerte.
    Der Aachener Buchhändler Peter Klein hatte 1989, also im Jahr des Mordaufrufs gegen Salman Rushdie, Schimmel in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule zu einer Veranstaltung nach Aachen eingeladen; schon vor der Veranstaltung wurde ihm geraten, Schimmel gegenüber den Namen Salman Rushdie nicht zu erwähnen, und wenige Stunden später wußte er, warum: im Anschluß an ihren Vortrag hatte sie ihm gegenüber in Anwesenheit von Zeugen den Mordaufruf gegen Rushdie gutgeheißen und unterstützt. Als Herr Klein von Schimmels Nominierung erfuhr, setzte er sich sofort mit Günter Wallraff, dem Vorsitzenden des Salman-Rushdie-Komitees, in Verbindung, verfaßte eine eidesstattliche Erklärung über die Äußerungen und leitete sofort seine Informationen an den Börsenverein weiter, damit dieser seine Entscheidung überdenke, und - Eugen Emmerling, Sprecher des Börsenvereins, meinte dazu nur lapidar, »es sei nicht auszuschließen, daß Peter Klein die heute 73jährige Islamwissenschaftlerin mißverstanden habe. Im übrigen stehe das langjährige Werk der anerkannten Wissenschaftlerin gegen das Wort eines einzelnen Mannes« ('Aachener Nachrichten', 9.5.1995). Eine solche, jegliche Rechtsvereinbarung mißachtende Äußerung zeigt nur allzu deutlich, wie weit es mit der Rechtsstaatlichkeit in diesem Land gekommen ist. Schreibt Schimmel denn unter Eid? Muß man einen Eid mittlerweile beweisen?
    Wie wenig Peter Klein Frau Schimmel mißverstanden hatte, bewies sie am 25.11.1992 während einer ARD-Sendung (»Talk täglich«) zum Thema Rushdie, in der sie äußerte: »Es gibt einfach religiöse Werte, die man nicht ungestraft angreifen sollte.« Und im Mai 1995 nochmals: »Salman Rushdie hat den Propheten beleidigt. Das kann nicht so einfach hingenommen werden.« Der Westen müsse lernen, sich in die Herzen der Menschen der islamischen Welt zu versetzen ('Aachener Nachrichten', 9.5.1995).
    In die Herzen der fanatischen Mordbrenner hatte sie sich jedenfalls sehr tief versetzt. Eine Zeugin des Abends und der Äußerungen, Dr. Lucrezia Hartmann, an der Volkshochschule Aachen tätig, wandte sich im Juni 1995 zunächst an Frau Schimmel selbst und erbat eine erklärende Antwort, bevor sie sich erst im September an die Öffentlichkeit wandte, aber: dieser im folgenden auszugsweise abgedruckte Briefwechsel, in dem Schimmel ihre Mordsätze ja selbst bestätigt, lag dem Stiftungsrat kurz nach seiner Entstehung vor, ohne auch nur den geringsten Einfluß auf die Entscheidung zu haben - er konnte ihn gar nicht haben, denn es war ja gerade die Propagandaqualität Schimmelschen Wirkens für finstere Unrechtsstaaten, die für die Nominierung den Ausschlag gegeben hatte -; statt dessen wurde Peter Klein auf übelste Art angegriffen und eingeschüchtert (Genaueres in seiner Rede auf der Podiumsdiskussion).
'Emma'-Sonderdruck, Hartmann - Schimmel 1)
'Emma'-Sonderdruck, Hartmann
    Eine so »blödsinnige« Äußerung sollten sich Rushdie oder Nasrin nur ein einziges Mal über ihre Verfolger gestatten (durch ihr zerstörtes Leben hätten sie tausendmal mehr Recht dazu), und man hört sofort die Pressesirenen wegen »des neuen Feindbildes Islam« heulen, wegen der »Verurteilung aller gläubigen Moslems« (dabei hat doch jeder die Möglichkeit, sich von den Mordaufrufen zu distanzieren) und dergleichen mehr. Nie hätte man eine solche Bemerkung so großzügig übergangen, wie es bei Schimmel der Fall war - heißt denn »Verwirklichung des Friedensgedankens«, die Opfer umbringen zu wollen, damit wieder Ruhe herrscht?
    Bis zum August 1995 wurde aber noch mehr als ihr ungezügelter Haß auf Rushdie bekannt, vor allem durch die gründliche Recherche der 'Emma'-Redaktion, die sich die Mühe gemacht hatte, die deutschsprachigen Bücher Schimmels zu studieren (man bedenke nochmals, daß Schimmel die von ihr als todeswürdiges Verbrechen titulierten »Satanischen Verse« eingestandenermaßen nicht gelesen hat ['Aachener Nachrichten', 6.5.1995/'Die Woche', 22.9.1995] - auch dies ist wieder eine bemerkenswerte Parallele zu den meisten fanatischen Moslems, vor allem aber dem mordlüsternen Mob), und Informationen über ihre Vita in Erfahrung gebracht hatte. Neben eindrucksvollen Zitaten wie z.B. zur Klitorisbeschneidung (»Beschneidung von Frauen wird in gewissen Kreisen praktiziert, weil ein Hadith [ein Ausspruch Mohammeds, Anm.d.Red.] von der 'gegenseitigen Berührung der beschnittenen Teile' spricht, wonach Vollwaschung erfolgt. Sie wird als öffentliches Fest gefeiert«), zu der kein weiteres Wort fällt, oder zur Todesstrafe für Gotteslästerung im Jahre 1989 (siehe S.81) wurde auch bekannt, daß Schimmel seit 1988 kontinuierlich im Propagandaorgan der iranischen Botschaft 'Spektrum Iran' publiziert, und noch vieles mehr.
    Eine der höchsten deutschen Auszeichnungen sollte also an eine reine Propagandistin des moslemischen Fanatismus verliehen werden, und das im Namen aller Mitglieder des Börsenvereins - für jeden aufgeklärten Menschen, der eben nicht Gottesrecht über Menschenrecht stellt, ist das ein Schlag ins Gesicht. So wurde auch nur eine Vermutung von uns bestätigt, als wir erfuhren, daß ausgerechnet die zwei katholischen Hardliner Hans Maier und Wolfgang Frühwald, die ihrerseits mit Wonne die Menschenrechte gegen eine Papstdiktatur mit allem, was zum Mittelalter dazugehört, eintauschen würden, Schimmel (obwohl ein großer Teil der anderen Stiftungsratsmitglieder sie nicht einmal kannte) als Preisträgerin vorschlugen und ihre Nominierung durchboxten ... Zu verlockend ist die Propagierung religiöser Gewalt gegen freie Gedanken, und der Schulterschluß Vatikan/Mullahs ist schon seit Jahren bei der Förderung alles Rückständigen, beim Kampf für mehr Elend und gegen die klitzekleinste Freiheit, nicht zu übersehen.
    Um diesem Vorstoß ins neue Mittelalter Einhalt zu gebieten, startete der Ahriman-Verlag (parallel zum Prominentenprotest von Wallraff, Schwarzer, Giordano und Kiepenheuer & Witsch; siehe Artikel »Alice Schwarzer und der Friedenspreis«) seine Protestinitiative »In unserem Namen nicht!« mit folgendem Fax an alle Mitgliedsverlage des Börsenvereins:

Fax vom 31.8.1995

Eine Stunde nachdem wir die ersten Aufrufe versendet hatten, kam schon eine Reihe von unterzeichneten Faxen, oft mit zustimmenden Kommentaren versehen, zurück. Nach wenigen Tagen hatten sich weit über hundert Mitglieder beim Verlag gemeldet, und wir informierten sofort die Presse darüber. Durch die beachtliche Anzahl von Unterstützern war es gelungen, den ansonsten eisernen Ring des Schweigens um unseren Verlag zu durchbrechen, und die am 6.9.1995 verschickte dpa-Meldung tauchte in etlichen Zeitungen auf.   . . .   Es geht noch weiter!

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Fußnote:

1) Aus unserer Ansicht nach übertriebener Rücksichtnahme auf die ihre Haßausbrüche gegen Rushdie allerdings öffentlich verbreitende Schimmel hat Frau Hartmann diese Passage geschwärzt; Ralph Giordano, der den Briefwechsel kennt, versicherte, daß es dort heißt, »Rushdie gehöre umgebracht, am liebsten würde sie es selber tun«.





Alice Schwarzer und der Friedenspreis -
der Schimmel im Schafspelz


Nachdem die 'Emma'-Redaktion schon im Sommer letzten Jahres erstmals wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem sich epidemisch ausbreitenden religiösen Fanatismus und seine menschenverachtenden Auswirkungen wie die Klitorisbeschneidung und Zwangsverhüllung von Frauen von deutschen MultikultInnen überfallen wurde, gehörte sie nun zu den ersten, die zum Protest gegen die geplante Friedenspreisverleihung aufriefen; sie berichtete in ihrer Zeitschrift (Ausgaben Juli/August, Sept./Okt. 1995) aufklärend über Schimmels alles andere als friedenspreiswürdige Vergangenheit und forderte Bundespräsident Roman Herzog in einem von zahlreichen Schriftstellern, Künstlern, anderen Prominenten, Verlegern und Buchhändlern unterzeichneten Offenen Brief dazu auf, den Friedenspreis an Frau Schimmel nicht zu übergeben.
    Die 'Emma'-Redaktion hat erstmals die inzwischen ob ihrer mystischen, bedeutungsschwangeren Tiefgründigkeit zeitungsweise gelobten Bücher und Schriften Schimmels genauer unter die Lupe genommen und die darin enthaltenen unmißverständlich den religiösen islamischen Fanatismus unterstützenden Aussagen der Öffentlichkeit bekanntgemacht; beispielsweise diese, entnommen ihrem Buch 'Und Muhammad ist sein Prophet': »Wer im Frühjahr 1989 die Zeitungsveröffentlichungen verfolgte, die sich mit Salman Rushdies 'Satanischen Versen' befaßten, bemerkte, daß kaum je der Grund für die Empörung nicht nur Ayatollah Khomeinis und weiter muslimischer Kreise verstanden wurde. Beleidigung des Propheten ist seit Jahrhunderten nach den meisten islamischen Rechtsschulen ein todeswürdiges Verbrechen. Man flüchtete in formalistische Argumente, in denen historische Fakten dargelegt wurden, oder, in den meisten Fällen, eine Verteidigung der 'Redefreiheit'.«
    In diesem Zusammenhang konnte man auch erfahren, daß die ach so unpolitische und weltfremde Frau Schimmel seit 1988 regelmäßig im von der iranischen Botschaft in Deutschland herausgegebenen islamischen Propagandablatt 'Spektrum Iran' veröffentlicht und auch dort die Scharia und die Klitorisbeschneidung verteidigt und eine weitere Ausbreitung des Islam in Europa unter intensivem Einsatz aller Medien propagiert.
    Über die personelle Zusammensetzung der Friedenspreis-Jury wußte 'Emma' gleichfalls Interessantes zu berichten und erbrachte mit der Bekanntmachung der Schimmel-Vorschläger Prof. Hans Maier, Ratzinger-Intimus und ehemaliger langjähriger Vorsitzender des »Zentralkomitees der deutschen Katholiken«, heute Lehrstuhlinhaber für »Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie« an der Uni München, und Prof. Wolfgang Frühwald, langjähriges Mitglied des Auswahlgremiums der Bischöflichen Begabtenförderung Cusanuswerk (übrigens gleichzeitig auch Präsident der Deutschen Forschungsgesellschaft, was wieder mal ein deutliches Licht auf den Zustand der deutschen Wissenschaft wirft), beide sollen dem fanatisch-katholischen Geheimbund Opus Dei zumindest nahestehen, den Beweis für den bei uns schon vorher bestehenden Verdacht, daß es sich bei der Wahl Annemarie Schimmels zur diesjährigen Friedenspreisträgerin keineswegs um eine rein börsenvereinsinterne Entscheidung handelte - die nach dem Erkennen eines Irrtums in der Person der ausgewählten Preisträgerin und dem großen Protest unter den Mitgliedern des Börsenvereins auch jederzeit wieder rückgängig zu machen gewesen wäre -, sondern um eine vom Vatikan lancierte und gesteuerte Kampagne (nicht umsonst bezeichnen wir Khomeini und Konsorten seit vielen Jahren als die Vorturner Wojtylas).
    Aufgrund ihrer Recherchen über die Person Schimmels und die Hintergründe der geplanten Preisverleihung veröffentlichte Alice Schwarzer in der August-Ausgabe der 'Emma' einen mit einer langen Erstunterzeichnerliste von internationalen Prominenten (unter ihnen Ralph Giordano, Dieter Hildebrandt, Elfriede Jelinek, Margarete Mitscherlich, Bahman Nirumand, Johannes Mario Simmel, Günter Wallraff und viele Geschäftsführer dem Börsenverein angehöriger Verlage und Buchhandlungen - so auch unser Geschäftsführer) versehenen Offenen Brief an Bundespräsident Herzog, der in den Medien breite Beachtung fand und den wir im folgenden abdrucken; auch Taslima Nasrin gehörte zu den Unterzeichnern, und wir verhalfen 'Emma' über unseren direkten Kontakt gerne zu dieser Unterschrift (die ansonsten nicht zustandegekommen wäre), da wir die Initiative für sehr unterstützenswert hielten.

Wie sehr der Brief den Nagel auf den Kopf traf und die Fatwa-Befürworter an ihrem Nerv, zeigte die nervöse Reaktion des Börsenvereins, der nicht umhinkonnte, gleich drei Tage später im 'Börsenblatt' eine ausführliche Stellungnahme zum Protestbrief abzugeben, in der er in einem gewichtigen 9-Punktekatalog versucht, den Verfassern und Unterzeichnern des Briefes Falschaussagen zu unterstellen. Auch dieses Dokument möchten wir, neben der darauf erfolgten Antwort der Protestbriefautoren (deren Abdruck übrigens vom 'Börsenblatt' verweigert wurde, wogegen wir sofort protestierten), in welcher sie die Börsenvereinsauflistung als Sammlung billiger Lügen enthüllen, hier dokumentieren, um dem Leser ein eigenes Bild vom Niveau der ProSchimmler zu ermöglichen.

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