Euzkadi ta Azkatasuna
. . . und seine Freiheit
[Baskenland Provinzen] [Wappen]
"Es gibt ein fortwährendes Umwandeln und Arbeiten an der Moral,
Das bewirken die Verbrechen mit glücklichem Ausgange."
(Friedrich Nietzsche, Morgenröthe 98)
"Der Staatsräson ist es niemals darauf angekommen,
eine anmutige Volte zwischen Ursache und Wirkung zu schlagen.
Das schlechte, jedoch umso denkfaulere Gewissen der Welt,
die Presse der jeweiligen Machtgruppen
und das durch sie verschnittene Hirn ihrer Leser,
haben das Ding immer nur so gedreht und verstanden,
wie sie es gerade brauchten." (Franz Werfel)
"Zum Terroristen wird man nur durch Fehlschläge.
Gelungene Terrorakte führen ins Reich der legitimen Macht."
(Nelson Rolihlahla Mandela, Xosa-Häuptling aus Umtata)

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Zur Zeit Karls des Großen, als die Ungarn noch nicht in die Gegend zwischen Donau und Theiß eingereist waren, gab es in Europa nur ein nicht indo-europäisches Volk, nämlich die arabischen Sarazenen (und natürlich ihre Verwandten, die Juden; aber in den Augen des christlichen Abendlandes waren die entweder ein Sonderfall, der nicht mit zählte, oder sie wurden mit den Muslimen in einen Topf geworfen - den der "Beschnittenen"). Die saßen in Sizilien und auf der Iberischen Halbinsel. Als daher Karl der Große einst von einer Reise nach Spanien zurück kehrte und dabei die Nachhut unter seinem getreuen Paladin Roland bei Roncesvalles in den Pyrenäen, in der Nähe der alten Römer-Stadt Pamplona, von Unbekannten überfallen und aufgerieben wurde, konnte es dafür nur eine Erklärung geben: Die Sarazenen hatten ihn in eine Falle gelockt und massakriert. So steht es jedenfalls im "Rolandslied", das aus unerfindlichen Gründen bis heute in den europäischen "Sagen"-Büchern herum spukt, obwohl es weder eine griechische noch römische noch germanische oder sonstige Sage ist, sondern einfach nur eine üble Geschichts-Klitterung des fränkischen Hoch-Mittelalters in ungelenken Versen, die wahrscheinlich nicht mehr, sondern eher weniger historischen Kern hat als die heute fast vergessenen Sagen um Guillaume d'Orange, Girart de Roussillon oder Garin de Monglane. Böse Zungen bezweifeln inzwischen, ob Karl der Große oder Roland jemals in Spanien waren, noch bösere gar, ob sie überhaupt je gelebt haben; aber niemand bezweifelt, daß damals schon am Golf von Vizcaya ein kleines, zähes Volk lebte, das sich so ziemlich als einziges in Europa bis heute nicht von seinen Unterdrückern hat platt machen und gleich schalten lassen: die Basken.

Woher sie gekommen sind, weiß niemand so genau. Einige mit viel Fantasie begabte Autoren meinen, sie seien Überlebende des geheimnisvollen, im Meer versunkenen Kontinents "Atlantis"; andere halten sie für "Nachkommen des Cro-Magnon-Menschen" (aber sind wir das letztlich nicht alle irgendwie?); und wieder andere meinen, da niemand mit bekommen habe, wie sie nach Europa einwandert sind, müßten sie schon immer da gewesen sein. Wie dem auch sei; sie sehen nicht viel anders aus als andere Menschen, die um sie herum leben, und neuere genetische Untersuchungen haben ergeben, daß sie wahrscheinlich doch "kaukasischer" Abstammung sind; aber die politisch korrekten Herren Professoren teilen die Menschen halt lieber nach Sprachen ein als nach Genen, und die Basken sprechen nun mal keine indo-europäische, sondern eine ganz andere Sprache. Genauer gesagt, andere Sprachen, denn "das Baskische" gibt es gar nicht (ebenso wenig wie es "das Irische" oder "das Räto-Romanische" gibt) - auch wenn uns kluge Lexika, vor allem französische, etwas anderes weis zu machen versuchen. Es gibt West-Baskisch, das in der Vizcaya gesprochen wird (das ist die Gegend um Guernica), Ost-Baskisch, das in der Soule gesprochen wird (das ist die Gegend um Mauléon-Licharre) und schließlich Mittel-Baskisch, das sich wiederum in drei Mundarten unterteilt, die jeweils in der Guipúzcoa (um San Sebastián), Labourd (um Ustaritz) und West-Navarra (um Pamplona) gesprochen werden - und damit weiß der geneigte Leser auch schon so in etwa, wo der größte Teil dieser Geschichte spielt. Umso erstaunlicher, daß diese Dialekte sich bis heute erhalten haben, obwohl es weder diesseits noch jenseits der Pyrenäen jemals einen wirklich unabhängigen Staat der Basken gegeben hat. Gewiß, da gab es auf spanischer Seite das Königreich Navarra, auf dessen Thron auch schon mal ein (halber) Baske saß, aber eben nur mal für kurze Zeit. Und da gab es auf französischer Seite das Herzogtum Gascogne, von dem die Franzosen meinen, es sei nach den Basken benannt. Aber selbst wenn dem so wäre: Mit den Gascognern haben die Basken nur gemeinsam, daß sie verwaltungsmäßig erst von ihren römischen, dann von ihren westgotischen und schließlich auch von ihren französischen Besatzern zusammen in einen Topf geworfen wurden, den sie "Aquitanien (Land am Wasser)" nannten, und daß sie gleichermaßen als Säufer galten: Bis heute bedeutet "soule" im Französischen "besoffen", und "Armagnac" bezeichnet nicht so sehr den Bewohner dieser gascognischen Landschaft als vielmehr einen Branntwein bzw. jemanden, der diesem regelmäßig in übergroßen Mengen zuspricht und darob ein grobes Verhalten an den Tag legt. Jahrhundertelang (bis zur Aufstellung einer offiziellen "Fremden-Legion") füllten die Franzosen ihre Kanonenfutter-Einheiten für die riskantesten Reise-Einsätze mit Basken und Gascognern auf - das ist die dritte und letzte Gemeinsamkeit.

In der guten alten Zeit, die heute im allgemeinen als schlecht und böse gilt, da ja nur die neuerungssüchtige Moderne gut sei, hatten die Basken hüben wie drüben gewisse Sonder-Rechte, die es ihnen ermöglichten, ihre Eigenart einigermaßen zu bewahren. Dann kam die Pariser Mai-Revolution von 1789, die später "französische" Revolution genannt wurde und alle Menschen gleich machte (dafür wird sie jedenfalls heute von den offiziellen Märchen-, pardon, Geschichts-Schreibern gerühmt), also auch die Basken gleich schaltete und ihnen ihre Sonder-Rechte nahm. Nicht nur ihnen, sondern auch all den anderen "unfranzösischen" Minderheiten in Frankreich: den Bretonen, den Flamen, den Elsässern und den Juden - wobei die letzteren beiden praktisch deckungsgleich waren, denn nur im früher deutschen, also toleranten Elsaß hatte sich eine nennenswerte jüdische Minderheit gehalten; in allen anderen Gegenden hatten die Franzosen sie schon vorher platt gemacht. (Der okzitanische Süden hatte schon seit den Albigenser-Kriegen keine Sonderrechte mehr gehabt.) Aber die Minderheiten - und auch viele Franzosen - bedankten sich schön für diese Gleichheit und griffen zu den Waffen, um ihre Ungleichheit und ihre Freiheit zu verteidigen gegen den Wahlspruch der neuen Republik, "unité, indivisibilité", "Einheit (nein, liebe deutsche Leser, nicht "Einigkeit" - die brauchts doch gar nicht, wenn man die Untertanen zur Einheit zwingen kann!), Unteilbarkeit". Letzteres war besonders wichtig: "Gleiches Recht für alle" meinte nicht, daß nun alle mehr Rechte haben sollten als bisher, sondern daß einige, die bisher Sonder-Rechte hatte (die man nun abfällig "Vor-Rechte" oder "Privilegien" nannte) diese verloren, also vor allem die Freiheit, anders zu sein. Die alberne und in sich widersprüchliche Parole "liberté, égalité, fraternité", "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" (die Schwestern waren noch ausgeschlossen, auch wenn "droits des hommes" bis heute fälschlich mit "Menschen-Rechte" übersetzt wird statt richtig mit "Männer-Rechte", wie es damals unzweifelhaft gemeint war) sollten die Franzosen erst bei der übernächsten, der Februar-Revolution von 1848, erfinden - allerdings erstmal nur auf die Befreiung der Sklaven gemünzt, denn von den Nicht-Sklaven verlangte man noch etwas mehr, nämlich auch "probité", Rechtschaffenheit. Erst im Jahre 1880, bei den 50-Jahr-Feiern zur Juli-Revolution von 1830, als auch der 14. Juli zum National-Feiertag erklärt wurde, sollte die Rechtschaffenheit gestrichen, der Spruch von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" unter krasser Verfälschung der Geschichte auf 1789 zurück datiert und die damalige "Erstürmung" der leer stehenden Bastille - die schon lange nicht mehr als Gefängnis genutzt worden war, aber zufällig auch im Juli statt fand - zum Beginn der "französischen" Revolution hoch stilisiert werden.

Exkurs. Was ist Freiheit? Nein, diesmal will Dikigoros nicht ganz banal fragen "Freiheit wessen wovon wozu?", wie er es sonst so gerne tut, sondern hoch offziell - politisch und [staats-]rechtlich sozusagen. Antwort: "Ein wichtiges Grundrecht, vielleicht sogar das wichtigste." So hat er es im Jura-Studium an der Universität gelernt; aber da war diese Antwort längst nicht mehr unumstritten; es war eine Zeit des Umbruchs, in der sich auch bei dieser Frage ein Umdenken abzeichnete. Freiheit? Das war doch nur etwas "negatives", ein Abwehrrecht gegen den Staat. Ja, wozu wurde das denn in einer Demokratie noch benötigt? Und wozu diente es überhaupt? Was hatte man von der Freiheit zu reisen, wenn man nicht genügend Geld in der Tasche hatte, um dieses "Recht" auch im angemessenen Rahmen (d.h. nicht einfach bloß als Rucksack-tramp per Anhalter oder gar per pedes, sondern mindestens als Flugreisender im 3-Sterne-Hotel mit Vollpension) wahr zu nehmen? War es nicht viel wichtiger, vom Staat statt "negativer" Nichteinmischung eine "positive" Teilhabe an den Mitteln und Ressourchen zu erlangen, die diese Freiheit erst lebenswert machten, sprich an der Staatsknete? War das nicht das wichtigste Grundrecht? Eine faszinierende Frage, fand Dikigoros damals, und er hätte gerne über sie promoviert; aber sein Doktorvater war dagegen, und so schrieb diese Dissertation über den Wandel des modernen Grundrechtsverständnisses einer seiner Kommilitonen, unter Verwendung von Dikigoros' Zettelkasten. (Aber er hat sich später mit manch brauchbarer Idee zu den "Reisen durch die Vergangenheit" und einigen Episoden aus seiner eigenen Lebensreise revanchiert :-) Heute kann Dikigoros nur den Kopf schütteln über solche Abwege des Geistes: Freiheit ist und bleibt die Freiheit von staatlichen Eingriffen in welcher Form auch immer, sei es von Steuern und Abgaben oder von Frondiensten (zu denen auch der Wehrdienst zählt). Inwieweit es notwendig ist, diese Freiheit einzuschränken ist eine andere Frage; aber zu glauben, in einer "Demokratie" sei sie überhaupt nicht mehr von nöten, ist schlichtweg naïv; und das gilt erst recht für die Annahme, die Teilhabe an den materiellen Segnungen des Sozialstaates sei wichtiger - woher kommt denn die Staatsknete? Der Staat gibt Euch doch nur mit einer Hand einen Teil dessen zurück, was er Euch zuvor mit der anderen weggenommen hat - und die Differenz bleibt an den Fingern der Obrigkeit, am Beamtenapparat und der Verwaltungsmaschinerie hängen. Wie schrieb ein großer französischer Filisof des 19. Jahrhunderts? "Staat ist die große Fiktion, vermöge derer jedermann glaubt, auf Kosten des anderen Leben zu können." Exkurs Ende.

Zurück in die 90er Jahr des 18. Jahrhunderts. Vor allem in den Grenzregionen zwischen "echten" Franzosen und "ihren" Minderheiten tobten die Kämpfe: In der Vendée, in der Provence, im Roussillon und in der Gironde, dem Gebiet nördlich des Baskenlandes. Am Ende hatte die Freiheit verloren und die Gleichmacherei gesiegt. Nun, liebe Leser, wie sollte es auch anders sein in einer Demokratie: Da gilt der Wille der Mehrheit, nicht wahr, dem sich die Minderheiten zu beugen haben, und wenn sie Widerstand zu leisten wagen, muß dieser gebrochen werden, denn Gemeinnutz geht vor Eigennutz. (Oder gehört dieser schöne Spruch zu einer anderen Staatsform? Wenn ja, dann haben ihn deren Schöpfer jedenfalls bei den "Demokraten" abgeschöpft, pardon abgeschrieben.) Als das republikanische Terror-Regime einige Jahre später in Bedrängnis geriet, unterstützten die Basken den Vertreter einer anderen Minderheit, einen Korsen. Der Korse siegte und errichtete an Stelle des Königs- ein Kaiserreich; aber er dankte den Basken und seinen anderen royalistischen Verbündeten ihre Hilfe schlecht: Er versuchte nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa gleich zu schalten. Als auch er schließlich gescheitert war, wurde das geschlagene Frankreich wieder eine Monarchie; doch die alten Rechte der Minderheiten wurden nicht nur nicht wieder hergestellt, sondern unter dem Neffen des Korsen, der aus Frankreich erneut ein Kaiserreich machte, wurden diese noch brutaler unterdrückt als unter den Republikanern - selbst der Gebrauch ihrer Muttersprache wurde ihnen verboten.

In Spanien dauerte es etwas länger, bis zu den Bürgerkriegen des 19. Jahrhunderts, die von den Spaniern "Carlisten-Kriege" genannt werden. An deren Ende verloren die Basken auch dort ihre "Fueros", ihre Sonder-Rechte. 1895 gründete Sabino Arana, ein junger Mann aus Bilbao, eine Organisation, die er "Euzkadi" nannte (was für "Baskenland" stand); er starb sieben Jahre später im Kerker, aber die Erinnerung an ihn blieb lebendig. Im 20. Jahrhundert versuchten die Basken erneut, ihre Freiheit zurück zu erlangen. Da die Republik sie ihnen nicht gewähren wollte, unterstützten sie den Vertreter einer anderen Minderheit, einen Galizier, im Spanischen Bürgerkrieg gegen die "Republikaner", Demokraten, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten. Der Galizier siegte; aber er dankte den Basken ihre Hilfe schlecht: Er gab ihnen nicht nur ihre alten Rechte nicht zurück, sondern unterhöhlte ihre Eigenständigkeit noch, indem er die Ansiedlung armer Angehöriger einer weiteren Minderheit, der Andalusier, im Baskenland förderte. Die Einwanderung dieser Wirtschaftsflüchtlinge sollte nach und nach die - in anderen Teilen Spaniens schon längst nicht mehr vorhandene - mittelständische Wirtschafts-Struktur des einst reichen Baskenlandes zerstören. In den fünfziger Jahren griffen einige Basken Aranas Wortschöpfung "Euzkadi" wieder auf und ergänzten sie um die Wörter "... ta Aztakasuna (und seine Freiheit)"; ihre Feinde aber nannten die Organisation bald nur noch nach ihrer Abkürzung "E.t.A."

(Fortsetzung folgt)

Als Spanien im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wieder eine Monarchie wurde, die sich den Anschein gab, "demokratisch" zu sein und Minderheitenrechte gewähren zu wollen (was sich ja, wie wir bei der Pariser Revolution gesehen hatten, eigentlich ausschließt), hofften die Basken noch einmal. Nachdem auch diese Hoffnung enttäuscht worden war, griffen sie erneut zu den Waffen, um für ihre Freiheit zu kämpfen, wie die IRA in Irland (wo gerade ein Angehöriger einer anderen Minderheit, der Schotten... ) und die xyz in Korsika.

Pfui, wie terroristisch!

Mit dem friedlichen Kampf um Rechte ist das deshalb auch so eine Sache: Friedhofsruhe läßt sich leicht "friedlich" verteidigen. Und der erfolgreich Dieb oder Räuber kann immer sagen: Jetzt bitte keine Gewaltanwendung...

...

(Fortsetzungen folgen)

1801: Wilhelm von Humboldt

Tucholsky

Salomon

Lourdes

Guernica

ETA-Terrorismus

Author: Ana Yoldi

Tucholski: Pyrenäen, Ossietzky, Zischka

Salomon Mann Thiess

Irland: Valera

Indien. Bose, Nehru, Gandhi, Jinnah

sendero Luminoso/Tupamaros

Sukarno

M.L.King/Malcolm X

Résistance, Lützow, Werwolf

Wann, liebe Leser, hat ein Volk ein moralisches Recht auf einen eigenen Staat? Wenn es - wie die Palästinenser - seine Nachbarvölker (und andere) mit Bombenwerfen erpreßt, ihm seinen eigenen Staat, den es selber in jeder Hinsicht unfähig ist, aufzubauen und zu erhalten, zu finanzieren? Wohl kaum. Oder wenn es, wie die Kuwaitis, mit dem faulen Hintern zufällig auf einem Stückchen Wüstensand sitzt, unter dem besonders wertvolle Bodenschätze, z. B. Erdöl, herum liegen, die es zwar selber unfähig ist, zu fördern, geschweige denn sinnvoll zu gebrauchen? Wohl kaum. Haben da nicht seine Nachbarvölker - z.B. die Iraker - ein moralisches Recht, einen Teil davon abzubekommen? Darüber kann man trefflich streiten. Aber all das ist bei den Basken ja gar nicht der Fall. Im Baskenland gibt es keine Bodenschätze, durch deren Ausbeutung die Basken reich würden und die sie ihren Nachbarn - z.B. den Spaniern und Franzosen - vorenthalten würden. Vielmehr sind sie durch ihrer eigenen Hände Arbeit, ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit reich geworden; und sie wären auch in jeder Hinsicht fähig und in der Lage, einen eigenen Staat aufzubauen und zu erhalten, haben also ein moralisches Recht darauf. Und dieses Recht sollen sie sich nehmen lassen von ihren faulen, brutalen Nachbarn, die sie nur ausbeuten und unterdrücken wollen? (Und dann waren da noch die Iren, die es freilich auch ohne die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Engländer mutmaßlich nie auf einen grünen Zweig gebracht hätten - aber das ist eine andere Geschichte.)

Befürwortet Dikigoros etwa den Terrorismus? Pardon, aber das ist eine der vielen falschen Fragestellungen, die heutzutage im Schwange sind. "Den Terrorismus" gibt es ebenso wenig wie "die Ausländer". Es gibt Gastarbeiter, es gibt Asylanten, und es gibt illegal eingereiste. (Nein, liebe Ethno-Linke, kein Mensch ist illegal, da habt Ihr schon Recht; auch ein Einbrecher nicht; dennoch kann er illegale Handlungen begehen und sich dadurch strafbar machen - oder seht Ihr das anders?) Und die sollte man nicht leichtfertig in einen Topf werfen - schon gar nicht in den berüchtigen "Melting-pot" amerikanischer Prägung, sonst könnte man eines Tages feststellen, daß das, was man da angerührt hat, eine äußerst übel schmeckende Suppe ist - und wer soll die dann auslöffeln? Auch "Terrorismus" ist nicht gleich "Terrorismus". Terrorismus ist kein Selbstzweck. Im Grunde genommen sind Handlungen, die andere in Schrecken (nichts anderes heißt "Terror") versetzen sollen, nichts weiter als Mittel zum Zweck, und da gibt es halt sehr unterschiedliche Zwecke. Wenn ein Volk, das sich ein Land aufgebaut hat und dort unter seines gleichen leben will, mit eigener Kultur und vor allem Sprache, von einem anderen Land überfallen und unterjocht wird, wie die meisten Völker des Zarenreiches und der ehemaligen Sowjet-Union von den Russen, die meisten Völker Chinas von den Han, die keltischen Völker Großbritanniens von den Engländern, die "Randvölker" der iberischen Halbinsel von den Kastiliern oder die Westeuropas von den Franzosen, dann ist dieser Zweck verwerflich, egal mit welchen Mitteln er verfolgt wird; und es gibt auch Staats-Terror, wenngleich der sich meist "subtiler" äußert - oder ist es kein Terror, wenn man einem Volk, pardon einer Minderheit (denn als Volk wird ja nur noch anerkannt, wer einen eigenen Staat hat - und dann wundert man sich, wenn alle Völker ihren eigenen Staat haben wollen!) den Gebrauch seiner Muttersprache verbietet, wie das vor allem die Franzosen immer wieder getan haben? Wenn die IRA oder die ETA dagegen mit allen Mitteln ankämpfen, so sind sie im Recht, auch wenn sie dabei von einem großen Teil der eigenen Bevölkerung nicht (mehr) unterstützt werden, weil die inzwischen zu zahmen, geknechteten Kastraten geworden sind, der Staatsterror ihrer Unterdrücker also erfolgreich war.

Gewiß, es ist viel bequemer, Kastilisch oder Englisch zu lernen als Baskisch oder Irisch. (Ja, liebe Leser, auch für Muttersprachler! Ihr glaubt, Englisch sei schwierig zu erlernen, weil die gesprochene so stark von der geschriebenen Sprache abweicht? Dann habt Ihr noch nie versucht, Irisch schreiben zu lernen - Chinesisch ist nichts dagegen!) Aber ist das ein Grund, die letzteren zu unterdrücken? Müßten wir dann nicht alle Newspeak, pardon Esperanto lernen? Gewiß, es gibt auch den umgekehrten Fall: Wenn Völker, die es selber nie zu einer echten eigenen Kultur gebracht haben, wie die Heuschrecken in ein fremdes Land einfallen, von dessen kulturellen und sonstigen Leistungen schmarotzen, es unterwandern und hinterher auch noch mit (oder ganz alleine!) regieren wollen, dann ist das auch Terrorismus - solche Völker dürften keinen "Minderheitenschutz" genießen. Dazu zählen z.B. die Tamilen in Ceylon, die Zulus in Südafrika (die dort freilich inzwischen die Macht an sich gerissen haben) und die ursprünglich arabischen Muslime in allen Ländern, deren Kulturen sie zerstört haben, von Ägypten über Persien und Indien bis zur Inselwelt Austronesiens. (Und ausweislich der Statistik der nicht als Asylanten anerkannten Asylbewerber auch über 90% der nach West- und Mittel-Europa einreisenden "Drittstaatler".) Um solche Feinde und Totengräber der Kultur abzuschrecken kann kein "Staats-Terror zu hart sein, denn er rechtfertigt sich durch das ureigenste Recht eines jeden Menschen und eines jeden Volkes: die Notwehr.

"Und was ist mit den Befreiern?" hört Dikigoros jetzt einige gut manipulierte Naivlinge fragen? Na klar, die Amerikaner sind vor gut einem halben Jahrhundert nach Deutschland gekommen, um es von seinen Uhren und vom National-Sozialismus zu "befreien". Das war nett - wenn man mal davon absieht, daß die meisten Deutschen gar nicht von ihren Uhren (und so manchem anderen) "befreit" werden wollten. Gewiß war es auch nett, die Albaner im Kosovo von den Serben zu "befreien" und die Taliban in Afganistan von den Russen - nun können die endlich ungestört ihren terroristischen Aktivitäten nachgehen... Nein, mit "Befreiungen" ist das meist so eine Sache: China hat Tibet von den Lamas befreit - aber dafür hat es das Land selber unterworfen, und damit sind die Bewohner vom Regen in die Traufe gekommen. Die Spanier haben die präkolumbianischen Indios von der Terror-Herrschaft der Inka und Azteken befreit - aber ihr eigenes Regime war für die Eingeborenen nicht viel besser. Lenin hat die Völker des Zarenreichs von der Knute befreit - und an deren Stelle die GULAGs gesetzt. Und manche Völker wollen auch gar nicht befreit werden, wie der große Reisende Richard Katz einmal schrieb: Die Indonesier wollen lieber von einem ihresgleichen, einem Sultan regiert werden - auch wenn der noch so grausam, korrupt und unfähig ist! -, als von einem noch so tüchtigen, milden und gerechten Gouverneur aus den Niederlanden. Dikigoros schüttelt zwar auch den Kopf darüber, aber er meint, daß man das respektieren muß - des Volkes Wille ist sein Himmelreich, und jedes Wahl-Volk hat die Regierung, die es verdient. Und selbst wenn nicht - welcher fremde Staat hätte das "Recht", sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen einzumischen, um dessen Volk "die Freiheit" oder andere vermeintliche Segnungen seiner eigenen Zivilisation zu bringen? Vielleicht leben einige Menschen lieber in Lehmhütten als in Betonkästen (vielleicht ist das sogar gesünder)? Vielleicht schlafen in Indien die Menschen lieber auf der Straße als im Himmelbett? Vielleicht wollen sie gar keine Kondome, Anti-Baby-Pillen und Abtreibungs-Kliniken, weil sie Kinder als größeren Reichtum empfinden als ein dickes Auto (das die Umwelt belastet), eine Gefriertruhe (in dem dann doch bloß Junk-Food für die Mikrowelle aufbewahrt wird) und einen Stereo-Farbfernseher mit integriertem DVD-Player und Kabel- statt Familien-Anschluß? Aber Dikigoros will nicht abschweifen.

Aber haben denn immer die zufällig zuerst gekommenen ein "Recht" auf ein Land - womöglich noch ein alleiniges Recht? Nein, durchaus nicht. Ein Land gehört von Rechts wegen dem Volk, das etwas daraus macht. Deshalb gehört(e) der Chaco von Rechts wegen den Mennoniten, Formosa den Japanern, Südafrika den Buren, der Sinai den Israelis, das Baltikum, Preußen, Pommern, Schlesien und Siebenbürgen den Deutschen, Kleinasien den Griechen und Australien den Weißen. Dreist ist wenn, wenn fremde Völker, die ihrerseits nichts zum Blühen dieser Landschaften beigetragen haben, sie an sich reißen und davon schmarotzen, bis die Substanz aufgebraucht ist; noch dreister ist es, wenn sie anschließend bei eben denen die Hand aufhalten und ihre maroden Staats(un)wesen alimentiert sehen wollen, womöglich noch genau von denen, die sie von dort vertrieben haben, wie das die Schwarzen in Namibia, Südafrika und Rhodesien tun, die Indonesier in Insulinde, die Palästiner in Judäa und Samaria, die Kanaken auf Neu-Kaledonien, die Bosniaken auf dem Balken und selbst die Paschtunen in Afganistan! Aber von all dem kann gerade bei den kleinen Völkern auf der iberischen Halbinsel schwerlich die Rede sein - im Gegenteil: Der marode spanische Zentralstaat schmarotzt seit Jahrhunderten von den tüchtigen Basken und Katalanen, die er ausbeutet und unterdrückt, ebenso wie der marode Zentralstaat Jugoslawien von den Slowenen und Kroaten schmarotzt hat, wie Nigeria von Biafra und der Kongo von Katanga. Hat das hierzulande irgend jemanden geschert? Mitnichten: meist ist man den tüchtigen unterdrückten Minderheiten noch in den Rücken gefallen, während man die faulen Schmarotzer unterstützt hat!

Im März 2004, zwei Wochen vor den Parlamentswahlen, verbietet die spanische Zentralregierung erneut die Baskenpartei. Kurz darauf verüber muslimische Terroristen Sprengstoffanschläge auf die Bahnhöfe von Madrid. Die Regierung ist schnell bei der Hand: "Das kann nur die ETA gewesen sein." Noch vor den Wahlen kommt die Wahrheit heraus.

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