Das Reich in dem die Kugel rollte

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VON NEU-AMSTERDAM BIS BATAVIA
oder: von Käsköppen, Nassauern und deutschem Blut
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EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE
Im 16. Jahrhundert herrschten die spanischen Habsburger über ein Reich, von dem sie glaubten, daß in ihm die Sonne nie unterginge: Von Lateinamerika bis zu den Filippinen. Allein in Europa umfaßte es Portugal und Spanien, Königreich und Freigrafschaft Burgund, Elsaß und Lothringen, die "Spanischen Niederlande" (heute BeNeLux), Österreich und Ungarn, Böhmen und Mähren, das Königreich beider Sizilien und andere Teile Italiens. (Das mit England und Schottland hatte nicht geklappt, aber das war ja auch nicht so wichtig; dort kam die Sonne eh nur selten hinter den Wolken hervor; und man wollte ja kein Reich, indem der Regen nicht aufhörte - das ist eine andere Geschichte.) Aus den Kolonien in Mexiko und Peru kam das Silber, mit dem man sich Wohlstand vorgaukelte, aus Fernost der Pfeffer und die anderen schönen Gewürze, mit denen man den schalen Geschmack der einheimischen Gerichte "aufpeppte" - und alles war in Butter. Die kam überwiegend aus Holland; aber im allgemeinen war man noch weit von der Erkenntnis entfernt, daß Gewürzen alleine nicht satt machen und daß man Edelmetalle überhaupt nicht essen kann, daß sie allenfalls einen Gegenwert darstellen können für Erzeugnisse, die der Gewerbefleiß der Menschen herstellt, daß zum Beispiel die Kleidungsstücke, die sie verschönern sollen, erstmal als solche da sein müssen. Stoffe und Tuche aber wurde in den Spanischen Niederlanden hergestellt, ebenso wie Molkereiprodukte und andere Grundnahrungsmittel; das schöne Silber aus Übersee dagegen führte erst zur Inflation, dann früher und später (nicht "oder" - mehrmals!) zum Staatsbankrott. Irgendwann hatten es die Holländer satt und erklärten ihre Unabhängigkeit. (Ja liebe Leser, nicht alle Niederländer wurden unabhängig, sondern nur die sieben nördlichen Provinzen, die "General-Staaten", vor allem Holland, deren Einwohner Protestanten waren und einen niederdeutschen Dialekt sprachen; die südlichen Provinzen - das spätere Belgien -, dessen Bewohner überwiegend welschsprachige Katholiken waren, blieb vorerst eine spanische Kolonie.) Nach 80 Jahren zwischen Krieg und Waffenstillstand wurde sie allgemein anerkannt; und die Holländer blickten auf ihr Reich: Es war inzwischen größer als das der Spanier im Silbernen Zeitalter (das sie fälschlich "Siglo de Oro [Goldenes Zeitalter]" nannten, obwohl es nicht auf Gold-, sondern wie gesagt auf Silberfunden in Mexico und Peru beruhte), denn es reichte von Nord- und Südamerika über Südafrika bis Süd-, Ost- und Südostasien. Ob und wann da die Sonne auf- oder unterging war den geschäftstüchtigen Holländern freilich ziemlich egal, denn dafür konnten sie sich nichts kaufen; für sie kam es allein darauf an, daß der Handel florierte, daß der Rubel, pardon der Gulden rollte - und die Käsekugeln.
Nicht lachen, liebe Leser, die Ihr Seereisen nur im "Traumschiff" auf Kreuzfahrt kennt, mit Morgen-, Mittag- und Abend-Buffet vom Feinsten mit Nachfassen nach Belieben. Und auch Ihr, liebe Militär-Historiker, die Ihr glaubt, in der Weltgeschichte sei es immer nur auf die Kanonenkugeln aus Eisen und auf die Räder der Streitwagen angekommen. Oder auf sonst irgendeine große technische Neuerung, vom Zündnagelgewehr bis zur Atombombe, wo man nur den Nippel durch die Lasche ziehen, den Finger am Abzugshahn krümmen oder auf den Knopf drücken muß. Das mag in einem stark technisierten Zeitalter wie dem unseren so sein; aber früher spielte der Faktor Mensch noch eine größere Rolle. Zwar hat ein großer und durchaus origineller - aber eben auch nicht immer unfehlbarer - Historiker wie Hellmut Diwald (ein Landsmann der Katz, Kisch und Ross) einmal geschrieben, die Holländer hätten im 17. Jahrhundert die halbe Welt erobert (von den Spaniern, Portugiesen, Engländern und Franzosen, die sie schon fast unter sich aufgeteilt hatten), weil sie einen neuen, überlegenen Schiffstyp erfunden hätten, die Fleute. Nun, es mag ja stimmen, daß aus den Werften von Hoorn damals die besten Schiffe der Welt kamen; aber wie das so ist mit Erfindungen: sie sprechen sich herum, werden kopiert und nachgebaut. (Wer gab schon etwas auf Urheberschutzrechte? Das Wort "Copyright" war noch nicht erfunden!) Nur wenige Jahre später hatten die anderen Seefahrer-Nationen gleich gezogen; die Engländer bauten bald sogar noch bessere Schiffe - daran kann es also kaum gelegen haben. Nein, Dikigoros ist überzeugt, daß die Holländer nur deshalb so auftrumpfen konnten, weil aus Edam die besten Käsekugeln der Welt kamen, und aus Gouda die besten Käseräder der Welt. [Nur am Rande erwähnt er, daß die Holländer aus dem Armagnac auch den besten Branntwein der Welt holten, während andere Seefahrer-Nationen ihre Matrosen mit Rum dumm machten. Denn die Getränke waren fast noch wichtiger als die Speisen: Trinkwasser wurde schnell brackig (Mikropur gab es noch nicht), das konnte man bald nur noch im Suff ertragen - nicht umsonst hatte jeder Matrose Anrecht auf einen halben Liter harten Alkohols pro Tag auf See.] Die Stellung eines Landes in der Welt hing schon damals vom Außenhandel ab, also von der Geschicklichkeit seiner Weltreisenden; und da es damals noch keine Flugzeuge, Auto- und Eisenbahnen gab, benutzte man Schiffe. Und zwar keine "Traumschiffe" mit starken Motoren, die fast von selber liefen, und Tiefkühltruhen mit hygienisch einwandfreien Konserven, sondern Segelschiffe, die mit Matrosen bemannt waren.
Matrose zu sein war damals so ziemlich der härteste Knochenjob den es gab, zumal in der Kriegsmarine. (In England gab es einen Spruch: "Lieber in der Hölle als in der Marine.") Das schlimmste daran war nicht so sehr die Arbeit oder die eiserne Disziplin, auf die dabei gehalten wurde, auch nicht die Stürme oder die Seeschlachten, sondern - die schlechte Verpflegung. Der Mensch ist, was er ißt (und trinkt); und die Matrosen der Übersee-Segler, die Wochen, bisweilen (wenn die Fleute in die Flaute geriet) Monate lang kein Land - und damit keine Proviant-Stationen - sahen, waren alles andere als die vor Kraft strotzenden Seebären, die uns romantische Kino- und Fernsehfilme heute vorgaukeln. In der Regel, d.h. wenn sie nicht gerade Offizier oder Smutje waren, waren es arme, abgerissene Wracks, ausgemergelt, hungernd, durstend, an Skorbut leidend; mit 30 waren sie erfahrene "Old hands", mit 40 alte Eisen, die ihre letzte Heuer in irgendwelchen schäbigen Hafenspelunken versoffen und in der Gosse starben. (Nein, liebe Schlips-Matrosen von heute, damals gab es noch keine Seemannsheime und kein Versorgungswerk!) Fett bezogen sie meist aus ranzigem Speck, Kohlenhydrate aus trockenem Schiffszwieback, und ihr einziger Eiweißträger (sobald das Dörrfleisch, wenn es überhaupt welches gab, aufgebraucht war) waren die Maden darin. (Kluge Seeleute klopften sie nicht heraus, sondern aßen sie mit.) Was hätte man sonst mitnehmen sollen? Die Holländer fanden die Antwort: Käsekugeln! Die Rinde aus Wachs schützte den Inhalt vor dem Feuchtwerden oder Austrocknen, dem Faulen oder Verschimmeln - der wurde sogar mit dem Alter immer besser! Nicht ihre Kanonenkugeln - oder jedenfalls nicht die alleine - eroberten den Holländern die Meere und die halbe Welt, sondern ihre Käsekugeln. Alkohol pro Tag auf See. Bei einer solchen Ernährung waren Mangelkrankheiten vorprogrammiert, vor allem der gefürchtete Skorbut; aber wie wir heute wissen, war es das nicht allein, und die Probleme lagen auch nicht nur in etwas Vitamin-C-Mangel. Viel schlimmer war auf lange Sicht der Knochenschwund, vor allem das Ausfallen der Zähne; und das wurde durch Calcium-Mangel verursacht - auch dagegen half den Holländern ihr Käse. Solange die Edamer Kugel rollte ging im holländischen Kolonialreich die Sonne nicht unter.
Nun hat Dikigoros in den vorigen Absätzen zwei Begriffe benutzt, die heute in vielen Ohren keinen guten Klang mehr haben: "erobern" und "Kolonialreich". Dikigoros erinnert sich noch an die Würfelspiele seiner Kindheit, da galt es, auf einem Pappbrett "Reiche" zu "erobern"; später, als das nicht mehr als schicklich galt, ändern die Hersteller zwar nicht das Spiel, aber die Ausdrücke: künftig hieß es "befreien" statt "erobern". Was lernen wir daraus? Daß beides offenbar weniger weit voneinander entfernt ist, als uns die politisch-korrekten Gutmenschen weismachen wollen. Gewiß, auch die Geschichtsbücher wurden umgeschrieben; wenn man nur daran denkt, wieviele Länder und Völker allein die Amerikaner schon befreit haben in den letzten zwei Jahrhunderten: Erst Louisiana von den Franzosen, dann den Wilden Westen von den Indianern, dann Texas, New Mexiko, Arizona, Kalifornien und Nevada von den Mexikanern, dann Kuba, Puerto Rico und die Filippinen von den Spaniern, dann Europa vom Kaiser und seinen deutschen Hunnen, dann die ganze Welt von Hitler und seinen Nazi-Deutschen (und die letzteren von ihren Armbanduhren), usw., usw. - bis hin zum Irak, den sie von ihrem bösen Diktator Saddam Hussein befreiten. Tatsächlich war damit jedesmal auch eine Eroberung verbunden; und deshalb will Dikigoros nicht lange um den Brei herum reden, sondern seine geneigten Leser - denen er sonst die Frage zu stellen pflegt: "Freiheit wessen wovon wozu?" - diesmal fragen: "Eroberung wessen von wem für wen?" Das führt uns gleich zum zweiten Begriff, der sich eigentlich aus zwei Begriffen zusammen setzt: Eine Kolonie ist etwas, das der Kolon ("Landwirt") bebaut (weshalb man ihn früher, als körperliche Arbeit noch nicht verpönt war und eine Berufsbezeichnung, die diese anzeigte, noch nicht als Schimpfwort galt, auch "Bauer" nannte), besiedelt und im Idealfall auch regiert - denn "regieren" und "Reich" haben die gleiche Wortwurzel. Deshalb hat Dikigoros immer etwas Bauchweh, wenn er in mehr oder weniger klugen Geschichtsbüchern - egal, ob sie nun den Käse und seine Bedeutung erwähnen oder nicht - Wendungen liest wie: "Die Eroberung der Welt[meere]" oder "Die Entstehung der Kolonialreiche". Denn das meiste, was da entstand, waren weder Kolonien noch Reiche, und was da von wem fül;r wen "erobert" wurde, ist auch noch die Frage. Die ersten europäischen "Entdecker" - meist Spanier und Portugiesen (und Italiener - aber darüber schreibt Dikigoros an anderer Stelle), dachten nicht im Traum daran, so etwas zu schaffen - die waren froh, wenn sie überhaupt lebend wieder nach Hause kamen. Und auch die ersten "Eroberer" dachten nicht daran, neue Reiche zu schaffen und dort Landsleute anzusiedeln (schon gar nicht, um dort etwas an- oder aufzubauen), sondern sie wollten eigentlich nur die schon vorhandenen Reiche erobern - deshalb nannten sie sich ehrlicherweise auch "Konquistadoren". (Hätten sie 400 Jahre später gelebt, hätten sie sich selbstverständlich "Befreier" genannt - allerdings mit einiger Berechtigung, denn sie befreiten das heutige Lateinamerika von der Terrorherrschaft der Azteken und Inka. Dagegen führten die "Libertadores" des frühen 19. Jahrhunderts diesen Titel schon zu Unrecht - aber auch das ist eine andere Geschichte.)
Was ist der Sinn einer Kolonie, liebe Leser? Darüber kann man trefflich streiten. Die alten Griechen und Römern sahen ihn darin, dort ihren Bevölkerungsüberschuß, d.h. Hungerleider, die der heimische Acker nicht mehr ernährte, Ungläubige, Kriminelle oder sonst Leute, die man los sein wollte - freiwillig, d.h. ohne Not, ging praktisch niemand in die Fremde, ins Elend, in die Verbannung (alles Ausdrücke, die damals synonym waren) - ansiedelten. Das war eine feine Sache, zumal wenn es denen auch noch gelang, einen Überschuß an Nahrungsmitteln zu produzieren oder gar Bodenschätze oder sonst etwas Brauchbares zu finden - dann konnte man Handel mit ihnen treiben, d.h. es ihnen billig abkaufen. Aber das war wie gesagt urspünglich nicht das Hauptanliegen, denn Handel hätte man mit fernen Ländern und Reichen auch treiben können, ohne dort eigene Leute anzusiedeln. Aber galt das im 17. Jahrhundert, also der Zeit, um die es uns hier gehen soll, auch noch? Dikigoros hat da aus vielerlei Gründe seine Zweifel. Der wichtigste dieser Gründe ist, daß die Bedürfnisse - und vor allem die Geschmücker - der Menschen verschieden sind. Die meisten "Kolonialwaren" sind objektiv betrachtet überflüssiger Luxus. Gewiß, auch Dikigoros ißt gerne Ananas, Apfelsinen, Bananen, Kiwis und Kokosnüsse; aber im Grunde genommen täten es auch Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und andere Früchte aus einheimischer Produktion; und für Stoffe, Edelsteine u.ä. gilt erst recht, daß die nicht lebensnotwendig sind. Das sah man freilich damals ganz anders: Gold und Silber bedeutete "Reichtum", und Gewürze auch. Der Ärger war nur: Die Einheimischen in den Herkunftsländern wollten die Notwendigkeit, diese Bodenschätze mühsam abzubauen, nicht so recht einsehen - in Mexiko z.B. zahlte man nicht mit Silber, einem ziemlich häufigen und daher wenig wertvollen Metall, sondern mit Kakaobohnen -, ebensowenig die Notwendigkeit, Überschüsse zu produzieren, um sie gegen irgendwelches Zeug, das ihnen die Europäer im Tausch dafür anboten, einzuhandeln - weil das für sie meist ebenso überflüssiger Luxus war. Die Europäern mußten sich also etwas einfallen lassen - aber was?
Die "altmodische" Methode, eigene Landsleute anzusiedeln, um sie dort Bodenschätze ab- oder exotische Nahrungsmittel anbauen zu lassen, stand völlig außer Frage. Wenn man schon bereit war, in die Tropen zu gehen, dann doch nicht, um dort genauso viel wie - oder gar noch mehr als - zuhause zu schuften; die Arbeit mußten also andere machen. Wenn die Einheimischen dazu nicht bereit oder in der Lage waren, und die eigenen Landsdleute auch nicht, dann mußte man andere Dumme suchen - und finden...
Nein, wir sind noch nicht in der Zeit, also die Menschen "freiwilWie es der Zufall will, hat Dikigoros das einstige niederländische Weltreich - mit Ausnahme seiner Kernprovinz Holland - ziemlich genau in der Reihenfolge kennen gelernt, in der es entstand.
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(Fortsetzungen folgen)
Immer nach den eigenen Erlebnissen!
1609. Die Holländer haben gerade den ersten längeren Waffenstillstand im Krieg gegen die Spanier geschlossen - die Zeit muß man nutzen. Und sie nutzen sie gut:
1609 xy liegt auf seinem Schiff im Hafen von ... nein Nagasaki!
Er vertritt die Niederländische Ostindische Handelsgesellschaft
Ihre Feinde, die Spanier, sind schon seit einem Vierteljahrundert in Nippon, und die Portugiesen (mit denen sie damals gerade in Personal-Union regiert wurden) noch viele länger - sie hatten den Japanern vor einem halben Jahrhundert das Schießpulver gebracht (das behauptete jedenfalls der Reiseschriftsteller Mendez Pinto in seinen Memoiren); sie nahmen das zum Anlaß, Korea zu überfallen, eine chinesische Kolonie, und bezogen dabei derart Prügel, daß das politische System Japans zusammen brach. Die neuen Herrscher, "Shógun" genannt, begannen sich Gedanken zu machen, ob es lohnte, in die Ferne zu schweifen, wo das Gute doch so nahe lag, nämlich zu Hause, und ob man das verdammte Ausland und die verdammten Ausländer überhaupt brauchte. Sie begannen noch intensiver über diese Frage nachzudenken, als zunehmend spanische und portugiesische Jesuiten ins Land kamen und anfingen, das katholische Christentum zu verbreiten und damit neuen sozialen Sprengstoff nach Japan zu tragen, das gerade einen Jahrzehnte langen Bürgerkrieg hinter sich hatte - genau wie die Holländer. Auch die konnten als (reformierte) Protestanten die wirtschaftliche und religiöse Konkurrenz der "Namban" (Iberer) gar nicht leiden. Sie begannen, den Shógun massiv gegen diese lästige Konkurrenz aufzuhetzen - und mit Erfolg. Ja, liebe Leser, damals waren die Niederdeutschen ihren Kriegsgegnern in der Disziplin "Greuelpropaganda" noch voraus; es gelangt ihnen, die katholischen Spanier und Portugiesen bei den Japanern so zu verleumden, daß 1636 erst das Christentum verboten wurden, dann die Reise von Japanern ins Ausland, daß 1638 alle Ausländer des Landes verwiesen und die Grenzen hermetisch abgeschottet wurden, wie Ossiland nach dem Bau der Berliner Mauer. (Nein, liebe Leser, das war kein Rassismus: auch die Koreaner und Chinesen wurden des Landes verwiesen; und der - aus China gekommene - Buddhismus wurde damals genauso verfolgt wie der Katholizismus; allein der ur-japanische Shintoismus wurde geduldet. Und als das Christentum offiziell verboten wurde, hatten längst "spontane", vom Shógunat geduldete, wenn nicht gar geförderte Pogrome - nicht nur die im Westen bekannteren wie die von Nagasaki und Shimabara - die japanischen Christen so gut wie ausgerottet.) Politik des abgeschlossenen Landes, Sákoku, nannte man das. Aber die Shintoisten waren klüger als die Kommunisten
Na also.
Nagasaki war noch vor nicht allzu langer Zeit ein verschlafener kleiner Fischerhafen gewesen, der erst 1568 für den Außenhandel geöffnet wurde und knapp 20 Jahre später zur freien Reichsstadt aufstieg.
Ab 1640 (bis 1857, aber das ist eine andere Geschichte) die einzige japanische Stadt, in der Ausländer (Chinesen und Holländer) Handel treiben durften.
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(Fortsetzungen folgen)
Neu Amsterdam und Neu Haarlem
Jan Kees (das bedeutet soviel wie "Käs'", "Käse"!), der erste "Yankee"
Peer Minnewitt aus Wesel, Peer Stuyvesant
New York nach König James II (der damals noch Herzog von York war)
Curacao - viel mehr wert. Blumenhändler Rosenfeld.
Kapstadt
Ceylon
Batavia
Wie ging es weiter? New York: arme.htm hier A
Südafrika nach dem Burenkrieg: suedwest.htm target="_blank"hier A
Ceylon nach 1805 Louisiana (napoleonische Kriege!): indien.htm hier A
Indonesien nach 1949: china.htm hier A
Nagasaki: pazifik.htm hier A
in Indonesien: befreiten die Eingeborenen (die sich als Landeskinder "anak-anak" nannten - daraus entstand unser Begriff "Kanaken") wenigstens vorläufig von der größten Geißel der Menschheit, dem militanten Islam. (Zum Trost, liebe Leser: Das militante Christentum und das militante Judentum kommen gleich danach; und die mitunter nicht weniger militanten Ersatzreligionen des 19. und 20. Jahrhunderts, der Liberalismus, der Nationalismus, der Demokratismus - in dessen Namen im 20. Jahrhundert die zwei furchtbarsten "Kreuzzüge" aller Zeiten geführt wurden -, der Sozialismus, der Kommunismus, der Tolerantismus und der Multikultismus, sind ja auch nicht ohne).
Der Inkacker, der Manhattan verkaufte. Wem gehört ein Land? Diese Frage ist so alt wie die Menschheit. Bibel: Kain und Abel. Der arabische Scheich seine Kamelherde zufällig gerade durch die Wüste trieb, d.h. etwas früher auf der Durchreise war als derjenige, der etwas aus der Wüste machte, einen Garten anlegte oder auch nur Erdöl förderte? Dikigoros steht auf der Seite des Ackerbauern, d.h. er hält es mit Kain. Die Niederländer haben das Land bebaut, nicht die Indianer!
"Kolonie" kommt vom lateinischen Wort für Bauer, colon. (Ob es wirklich Zufall ist, daß der Jude aus Genua, der 1492 die westindischen Inseln entdeckte, nach seiner Taufe auf den Vornamen "Christofero" als Nachnamen diesen "Künstlernamen" wählte?) Wer das Land bebaut, hat ein Recht darauf - das schließt das Recht ein, es denjenigen wegzunehmen, die zwar vorher da waren, aber nur darauf herum gelungert und gewartet haben, daß ihnen die gebratenen Tauben ins Maul fliegen, das Recht, diejenigen zu vertreiben, die nicht arbeiten, sondern nur mit essen wollen, und das Recht, diejenigen abzuwehren, die das Land mit Gewalt erobern wollen, um sich selber ins gemachte Nest zu setzen und andere für sich arbeiten zu lassen.
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1643, Valdivia, am anderen Ende der Welt, vor der Küste Chiles. General Hendrick Brouwer und Kapitän Elias Herckmans liegen mit ihrer "Flotte" aus vier Äppelkähnen... nein, nicht Äppel, "Apfelsine", "Eintracht", "Amsterdam" und "Vlissingen" heißen ihre Pötte, und sie liegen vor der zweitgrößten Stadt Chiles (eigentlich der einzigen neben Santiago, alle anderen muß man sich eher als Dörfer vorstellen), der südlichsten amerikanischen Kolonie Spaniens, mit dem die Generalstaaten noch immer - oder schon wieder - im Krieg stehen. Wäre es nicht eine feine Sache, ihnen dieses Land auch noch abzujagen? Hier gibt es die reichsten Vorkommen an Salpeter (dieses "Steinsalz" - richtiger getrocknete Möwen-Scheiße - braucht man, um Schießpulver herzustellen) und einige der reichsten Kupferminen der Welt. Brouwer (den heute kaum noch jemand kennt - wir wissen nicht mal mehr genau, wann er geboren und gestorben ist) ist der genialste Seefahrer und größte Reiseschriftsteller seiner Zeit. Was haben denn all diese Idioten vor ihm geleistet, die man heute als "Entdecker" irgendwelcher Seewege nach sonstwohin feiert? Sich vom Wind auf gut Glück nach Westen treiben lassen, wie Kolumbus, um am Ende selber nicht zu wissen, wo man gelandet war? Wie ein Galeeren-Ruderer am Rand von Afrika und Asien entlang schleichen, wie Magellan oder Vasco da Gama, um anderthalb Jahre von Amsterdam bis Batavia zu brauchen und zurück ebenso lange? Das war doch nicht der Seeweg nach Indien, sondern der Küstengewässerweg! Und wenn der Monsun kam, blieb man im Zwischenhafen und machte Pause, bis wieder schönes Wetter war - welch eine Verschwendung von Zeit und Geld! Diese Schönwetter-Kapitäne hatten doch nicht für 5 Stuiver nachgedacht; dabei hatte es längst die Navigationsinstrumente - Windrose alias "Kompaß" und Besteck alias "Sixtant" - gegeben, die man brauchte, um eine wirklich Seereise zu unternehmen! Gesagt, getan. Brouwer segelte vom Kap der Guten Hoffnung aus nicht mehr die übliche Zickzack-Route nordöstlich nach Arabien, von dort östlich nach Indien, von dort südöstlich nach Ceylon, von dort nordöstlich nach Siam und von dort dann wieder südöstlich bis Jawa; sondern er nahm "blind" Kurs immer geradeaus: quer durch den Indischen Ozean gen Osten; und als er nach seinen Berechnungen auf der Höhe von Batavia angekommen war, drehte er scharf nach Norden. Die Berechnungen stimmten, und so schaffte er die Reise von Amsterdam nach Batavia in 6 Monaten, das war eine Zeitersparnis von zwei Dritteln! Aber das ist lange her. 1612-14 war Brouwer schon "Opperhoofd" der Faktorei in Deshima gewesen, er muß also inzwischen ein Methusalem sein. Das Unternehmen mißlingt; Chile bleibt spanisch - also ist dieser Absatz für den Gang der Geschichte eigentlich völlig überflüssig. Dikigoros wollte den tüchtigen Brouwer lediglich erwähnt haben, damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät. Drei Jahre später schrieb er seine - längst vergessenen - Memoiren, und gut drei Jahrhunderte später besuchte auch Dikigoros Chile und Valdivia (aber das ist eine andere Geschichte).
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Als 1648 der Westfälische Doppel-Friede zu Münster und Osnabrück geschlossen wurde hätte es der offiziellen Anerkennung der General-Staaten als "unabhängig" vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen gar nicht mehr bedurft - jeder der Augen hatte konnte, ja mußte sehen, daß Holland die Weltmacht Nummer eins geworden war. Insofern versteht Dikigoros auch die Käse-, pardon Fach-Historiker nicht, die ständig daher faseln und schreiben, damals sei Deutschland auf dem Tiefpunkt seiner Geschichte angelangt, geschlagen, gedemütigt, zerrissen und ausgeplündert. Sind die Damen und Herren blind? Niederdeutsch (eine Sprache, die Dikigoros viel sympathischer ist als Luthers Früh-Ossinesisch) war Weltsprache, ein nordwestdeutscher Stamm beherrschte die Weltmeere, sein Land blühte nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell in einem Ausmaße wie nie wieder ein Land zuvor oder danach. Was bitte will man mehr? Ach so, es gab noch keine live- oder fast-live-Übertragungen von Fußballspielen im Fernsehen, und damit fehlte natürlich die Kugel, die den meisten Leute heute als das höchste gilt. (Dikigoros dankt seiner Frau für diesen trefflichen Hinweis und legt Wert auf die Feststellung, daß sie diese Erkenntnis nicht aus Feldstudien am eigenen Mann gewonnen haben kann.)
*****
Nun riefen die Erfolge der Holländer freilich ein Volk auf den Plan, dem Glück und Wohlstand anderer Völker schon immer ein Dorn im Auge war: die Engländer. Während des Dreißigjährigen Krieges waren auch sie selber mit einem (Bürger-)Krieg beschäftigt, der einen gewissen Cromwell an die Macht brachte. Kaum war der Frieden geschlossen - hüben wie drüben - begann der Erste Weltkrieg. Wahrscheinlich habt Ihr, liebe Leser, in Euren Märchen-, pardon Geschichtsbüchern etwas anderes gelesen über "die großen Kriege der Weltgeschichte": Den 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert, den 7-jährigen Krieg im 18., die napoleonischen Kriege im 19. und die beiden "Weltkriege" im 20. Jahrhundert? Vergeßt all diesen Unsinn. Die wirklichen Kriege um die Welt spielten sich zu ganz anderen Zeiten oder an ganz anderen Orten ab, als man es uns an Schule und Universität weis zu machen versucht hat. Oder glaubt Ihr wirklich, nur weil Ihr vielleicht Deutsche seid, der Bürgerkrieg, der irgendwo zwischen Böhmen und der Pfalz, statt fand, in dem ein paar marodierende Landsknechtshaufen aus aller Herren Länder über Deutschland herfielen, hätte auf den Gang der Weltgeschichte irgendeinen wesentlichen Einfluß gehabt? Bloß weil die Dichter so viele Theaterstücke über Gustav Adolf und Wallenstein geschrieben haben? Wen interessierten denn langfristig die albernen innenpolitischen Verhältnisse im Reich, von der Libertät seiner Duodezfürsten bis zur Religion seiner Untertanen? Den ersten richtigen Weltkrieg führten die Engländer und die Franzosen gegen die Nordwestdeutschen 1652-1678 (mit kurzen Unterbrechungen, die man "Friedensschlüsse" nannte, die aber in Wirklichkeit nicht viel mehr als Waffenstillstände waren); ihr findet ihn in den Lexika unzutreffend als "englisch-holländische Seekriege" verzeichnet und lest dort bestenfalls noch etwas über ein paar mehr oder weniger unbedeutende Seegefechte im englischen Kanal. Gewiß, dort wurden viele Schiffe versenkt, und viele Matrosen ließen ihr Leben - vor allem britische, denn der holländische Admiral Michael von Reuter war seinem englischen Widerpart, dem Herzog von York (dem späteren König Jakob II, den die Engländer heute "James" nennen, obwohl er selber sich ausweislich seiner Münzen als "Iacobvs" bezeichnete), militärisch überlegen war. 1667 drang die holländiche Flotte in Scapa Flow, pardon in Chatham bei London ein und zerstörte die englische Flotte auf ihren Liegeplätzen. Damals - unter Reuter, nicht unter Tirpitz oder unter Hitler - entstand der Haß der Angelsachsen auf "the Dutch", die Deutschen.
Pardon, hier ist wohl ein kleiner Exkurs angebracht: Waren die Holländer überhaupt Deutsche, wie Dikigoros hier so einfach unterstellt? Jeder Niederländer von heute würde das empört bestreiten.
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Wilhelmus van Nassauwe ben ik van duitsem bloed... (mehr über die Entstehungsgeschichte dieses Lieds schreibt Dikigoros italien.htm A hier). 3 Gulden sind bis heute ein Rijksdaler (im Deutschen Reich wurde der bereits 1907 abgeschafft). Na klar waren sie das, und dazu noch die typischten überhaupt. Sie vereinten - und vereinen bis heute - all die besten und schlechtesten Eigenschaften "der" Deutschen...
Zurück ins Jahr 1667. Die Holländer hatten den Krieg gewonnen, aber sie verloren den Frieden, der in Breda geschlossen wurde:
Sie tauschten das wertlose Manhatten gegen Rückgabe des wertvollen Surinam.
Der Friede von Breda war einer der schlimmsten Fehler der eltgeschichte, die an Dummheiten in Bezug auf Pazifismus und "Friedensschlüsse" jemals gemacht wurden - die Engländer warteten nur ab, Manhattan in Besitz zu nehmen, um ihn zu brechen und wieder über Holland herzufallen; diesmal im Verein mit den Franzosen, und damit wurde die dutch-englische Auseinandersetzung endgültig zum Weltkrieg. Der Rest ist schnell erzählt:
1672 brachen die Engländer den Frieden, 1676 fiel Reuter, 1678 mußten die General-Staaten den Frieden von Nijmwegen schließen und die englische Vorherrschaft auf den Weltmeeren anerkennen.
Nach dem Sieg zerstritten sich die Alliierten - wie immer - über der Beute; deshalb wurde der Zweite Krieg um die Welt folgerichtig zwischen Engländern und Franzosen geführt, 1754 bis 1763, vor allem um Nordamerika und Indien. Weil während der letzten 7 Jahre auch die Hilfetrotteln, pardon Hilfstruppen der Engländer und Franzosen, die Preußen und Österreicher, sich um ein Stückchen Land zwischen Oder und Neiße stritten halten viele Leute das für den "Siebenjährigen Krieg", und weil die Dichter auch über Friedrich II, den Kleinen (1,50 m) von Preußen und die Resi von Österreich (nein, Kaiserin war sie nicht, sondern das war - jedenfalls offiziell - ihr Mann; sie selber war damit beschäftigt, jedes Jahr ein Kind zu bekommen) so viele schöne Theaterstücke geschrieben haben, glauben manche Deutsche, damals sei es um Schlesien und den "deutschen Dualismus" gegangen - ha ha.
Halt, hat Dikigoros da nicht etwas vergessen? Schreiben nicht einige besonders "fortschrittliche" Historiker, der erste "Weltkrieg" sei der Spanische Erbfolgekrieg zu Beginn des 18. Jahrhunderts gewesen? Tja, liebe Leser, wenn man denn meint, weil Idioten aus aller Welt sich 13 Jahre lang um ein paar Inseln im Mittelmeer und vor der Küste Kanadas kloppten sei das schon ein "Weltkrieg" gewesen, dann mag man das so sehen. Aber das einzige "echte" Ergebnis jenes Krieges (der Frieden wurde übrigens in den Niederlanden geschlossen, in Utrecht) war, daß England das Monopol auf den Sklavenhandel mit ganz Amerika erhielt (genauer gesagt behielt, es hatte sich das schon kurz zuvor in Tordesillas gesichert). Nun wäre es gewiß eine ganz wichtige Sache gewesen, wenn damals etwa der Sklavenhandel verboten worden wäre, der soviel Unglück über die Menschheit gebracht hat (vor allem über die Narren, die glaubten, von ihm zu profitieren, und ihre Nachkommen in den Sklavenhalter-Ländern); aber ob die Frage, wer diesen Handel betrieb, da er denn anhielt, welche Krämerseelen-Nation es war, die sich daran bereicherte, scheint Dikigoros für den Gang der Weltgeschichte denn doch nicht sonderlich erheblich zu sein.
Den dritten Weltkrieg führten die Engländer und Russen gegen die Franzosen (die bis zum letzten deutschen Hilfstrupp kämpften) 1798-1815.
Was, liebe Leser, Ihr meint, daß das doch eigentlich gar kein richtiger "Welt"-Krieg war, weil er bloß in Europa statt fand? Daß Napoleon doch sogar Louisiana kampflos (und äußerst billig) an die USA verkaufte, um jeglichen Kämpfen in Übersee aus dem Wege zu gehen? (Eine kurze Reise nach Ägypten hatte ausgereicht, um ihn von jeglichem Fernweh - man sagt, es habe auch ihn nach Indien gezogen - zu kurieren.) Wohl wahr, aber Ihr überseht eines: Es kann der frömmste nicht in Frieden leben - auch nicht in Übersee -, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Die Deutschen neigen dazu, Napoleon zum Alleinschuldigen der nach ihm benannten Kriege zu machen, ebenso wie die Franzosen dazu neigen, Hitler, dem sie selber 1939 aus nichtigem Anlaß den Krieg erklärten, zum Alleinschuldigen desselben zu machen - obwohl auch der überhaupt keinen Wert auf überseeische Besitzungen legte (seine gelegentliche Kolonialhuberei war nur ein Lippenbekenntnis, um die Altkaiserlichen nicht zu vergrätzen). Aber beide - Napoleon und Hitler - hatten Holland besetzt; und damit gaben sie den Engländern einen Vorwand, den europäischen Krieg, den sie 1793 bzw. 1939 vom Zaun gebrochen, pardon, den ihnen die bösen Provokateure Napoleon und Hitler aufgezwungen hatten, zum Weltkrieg auszuweiten. (Nein, liebe Leser, nun kommt Dikigoros doch bloß nicht damit, daß die Engländer losschlugen, sechs Jahre bevor Napoleon Konsul wurde, geschweige denn Kaiser, und daß Churchill schon lange zum "Präventiv"-Krieg gegen Deutschland hetzte, lange bevor Hitler dort an die Macht kam - das zu erwähnen wäre politisch unkorrekt!) 1795 besetzten sie Südafrika und Ceylon (1798 machte daraufhin die VOC Pleite), 1811 Indonesien. Die ersten beiden Kolonien behielten sie, Indonesien gaben 1814 noch einmal zurück. Mit ihrem segensreichen System des "Cultuursteltsel" machten die Holländer aus diesem verluderten Saustall auch ohne große Bodenschätze ein Musterländle, die reichste Kolonie der Welt, wo jeder - auch jeder "Eingeborene" - in Wohlstand leben konnte.
Exkurs. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, daß Kolonialherrschaft immer bedeuten müsse, daß einer den anderen ausbeutet, daß die einen sich bereichern und die anderen dadurch verarmen. Gewiß es kommt immer wieder vor, daß Fremdherrscher ein Land unterwerfen und ausplündern. Kurzfristig mögen sie damit Erfolg haben; aber wenn sie länger dort bleiben - und das ist ja der Sinn der "Kolonialherrschaft" - dann zahlen sie früher oder später drauf. Die älteste europäische Kolonialmacht zum Beispiel, Portugal, mag einige Jahrhunderte lang große Gewinne eingefahren haben aus Gold und Elfenbein, Pfeffer, Zimt und Nelken, die es in Afrika und Asien zu ernten gab; aber am Ende hatten die hohen Kosten das kleine Land völlig ruiniert - 1975 fegte eine "Nelken"-Revolution das abgewirtschaftete Regime hinweg, und die neuen Herren liquidierte als erstes das unrentable Kolonialreich. Und die letzte europäische Kolonialmacht, Rußland, mag nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Satelliten - sowohl die des Comecon als auch die innerhalb des Sowjet-Union, einige Jahrzehnte mit Gewinn ausgebeutet haben; am Ende waren das aber nur noch Zuschuß-Gebiete, die billig mit russischem Erdöl versorgt werden mußten, während sie als Gegenleistung nur Schrott lieferten - auch jenes Reich mußte liquidiert werden (und nur Narren trauern ihm nach). Andere Länder, wie England und Frankreich waren klüger und entließen ihre Kolonien in die Unabhängigkeit, als sie merkten, daß die Ausgaben die Einnahmen dauerhaft überstiegen. Und wieder anderen wurde diese Entscheidung abgenommen: Die Kolonien der Deutschen und Japaner waren entgegen anders lautender Behauptungen von Anfang bis Ende defizitär (Dikigoros hat die Bilanzen genau studiert) - von den ungeheuren Vermögenswerten, die Japan in Nordkorea investierte, zehrte das marode Regime dort noch Jahrzehnte lang; und als die Substanz verbraucht war, begann das von seinen Kolonialherren "befreite" Volk Nordkoreas buchstäblich zu verhungern.
Tatsächlich gab es aber eine positive Ausnahme, und das war Niederländisch-Indien: Die geschäftstüchtiger Inder brachten die faulen Indonesier... Pardon, ke-malas-an bedeutet eigentlich gar nicht Faulheit, sondern Langsamkeit im Sinne von "Eile mit Weile"; es ist die National-Eigenschaft der Indonesier, auf die sie sogar einigermaßen stolz sind. Ihr (und aller Malaien) Lieblingstier - das was für Rußland der Bär ist (den dort niemand als "faul" bezeichnen würde - er liegt halt nur gerne auf der faulen, pardon Bärenhaut und hält Winterschlaf, wer könnte ihm das verdenken?) ist oder für China der schlafende Drache - ist Kancil, die Hirschmaus, die viele indonesische Hotels, Restaurants und sonstige Geschäfte im Wappen führen. Kancil steht in dem Ruf steht, stets mit Pfiffigkeit und wenig Arbeitsaufwand ans Ziel zu gelangen. Allerdings gibt es da auch immer wieder Spielverderber. Dikigoros wird nie eine Zeichentrick-Geschichte vergessen, die er anno 1982 (also vor der Islamisierung, die solche Geschichten heute verbieten würde) in Malaysia gelesen hat: Kommt die Hirschmaus an einen Fluß, der voller Krokodile ist. Da sie zu faul ist, einen Umweg zu machen, um eine Brücke zu suchen, sagt sie zu den Krokodilen: "Ich habe hier eine wichtige Botschaft des Profeten (Nabi) zu überbringen, ihr müßt mir also gehorchen." Brav legen sich die Krokodile so ins Wasser, daß sie eine lebende Brücke bilden, über die die Hirschmaus hüpfen kann. Aber plötzlich reißt ein Krokodil das Maul auf, und da es das letzte Bild ist, ist klar, daß es die Hirschmaus als nächstes verspeisen wird. Die fragt noch ganz bedröppelt: "Aber warum reißt du denn das Maul so weit auf?" Antwortet das Krokodil: "Weil ich Bescheid weiß; ich habe die Geschichte nämlich schon mal gelesen..." (Der Witz liegt darin, daß "mengapa" zugleich "den Mund aufreißen" und "gähnen" bedeutet; das Krokodil will also sagen: Die Geschichte langweilt mich so, daß ich gähnen muß... Buaya bedeutet nicht nur Krokodil, sondern auch Ausbeuter und Betrüger im allgemeinen, und weißer Ausbeuter und Betrüger im besonderen.
Dennoch trifft die Holländer dieser Vorwurf nicht: Hätten sie die Indonesier nicht zur Arbeit angehalten, wären die nicht reicher geworden, sondern ebenfalls ärmer; sie haben sie dazu gebracht, soviel zu produzieren, daß beide Kolonialherren und "Eingeborene", einen Gewinn daraus zogen, ohne daß eine Seite dabei zu kurz kam. War das wirklich so verwerflich? Gewiß, (Hand-)Arbeit schändet, dieser Glaube war und ist in den Gehirnen der meisten asiatischen Völker bis heute fest verwurzelt. Der große Psychologe und Kultur-Filosof Sigmund Freud hat Ende der 20er Jahre, als er schon alt und weise war, in einem Aufsatz mit dem Titel "Die Zukunft einer Illusion" geschrieben, daß die meisten Völker ohne Zwang nicht einmal bereit wären, soviel zu arbeiten, daß ihr bloßes Überleben gesichert ist; und zu diesen Völkern zählen - wie man heute sieht - unzweifelhaft auch die Indonesier. Und der große Weltreisende Richard Katz schrieb nur wenige Jahre später die profetischen Worte:
(Zitat aus reisende.htm übernehmen!)
Exkurs Ende.
Ja, liebe Leser, so ist das mit dem Wohlstand: Wenn es den Leuten zu gut geht, fangen sie an zu murren; die Frösche fangen an zu quaken und wollen statt des Stocks lieber einen Storch zum Herrn. So auch die Kanaken von Insulinde: Regelmäßig finden Aufstände und Bürgerkriege statt, nicht zuletzt von den Engländern geschürt. Eine Zeitlang können die Holländer sich ihrer erwehren, dann kommt der vierte Weltkrieg: Diesmal führen ihn die Engländer, die Franzosen, die Russen und die Amerikaner gegen die Deutschen, 1914-45, und am Ende verliert Deutschland erneut. Und die Angelsachsen - diesmal die von jenseits des großen Teichs; - nehmen den Holländern ihre letzte Kolonie weg, unterstützen die politische "Unabhängigkeit" der Kanaken, um sie in wirtschaftliche Abhängigkeit von sich selber zu bringen. Binnen kurzem haben diese Amok laufenden Primitiven die schönen Inseln ruiniert, die ohne die ordnende Hand der Holländer längst nicht mehr in der Lage sind, die immens angewachsene Bevölkerung zu ernähren, geschweige denn ihr den Wohlstand zu erhalten, den ihr die Holländer gebracht hatten. Es ist eine große Milchmädchenrechnung in der Geschichte der Politik zu glauben, daß ein Land "ausgebeutet" würde, wenn man seine Eingeborenen zum Arbeiten anhält, diese Arbeit organisiert und beaufsichtigt. Wer das glaubt, glaubt, man bräuchte nur die Organisatoren und Aufseher, die ja "nicht arbeiten, sondern nur fressen", aus dem Land zu werfen, dann hätten alle mehr, denn man könne ja dann mehr umverteilen. Die Geschichte lehrt das Gegenteil: Wo diese ordnende Hand fortfällt, produzieren die Eingeborenen am Ende soviel weniger, daß sie selbst nach der Vertreibung ihrer Wohltäter selber weniger haben als zuvor.
Freud:
Cartier:
Exkurs Ende.
Dikigoros hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß er diese Kriege für die eigentlichen großen "Reisen" der Geschichte hält; und ihm ist bewußt, daß seine eigenen Reisen zu Friedenszeiten nur einen Bruchteil der Horizonte öffnen konnten und können, die eine bewaffnete Auseinandersetzung mit dem besuchten (man sagt hier merkwürdigerweise auch "heimgesuchten") Land bietet. Dennoch will er ein wenig über sie erzählen.
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Aus welchen Gründen hat England "seine" Weltkriege geführt? Den gegen Holland um die Freiheit der Meere zu schützen, den gegen Napoleon um die Freiheit Hollands zu schützen, den ersten gegen Deutschland, um die Freiheit Belgiens zu schützen, den zweiten gegen Deutschland um die Freiheit Polens zu schützen? Gewiß, liebe Leser, diese netten Märchen habt Ihr alle mal brav auswendig lernen müssen im Geschichtsunterricht auf der Schule oder an der Universität (die ja auch nur eine Fortsetzung der staatlichen Verdummung mit anderen Mitteln ist); aber davon werden sie nicht wahrer. Der Weltkrieg Englands gegen Holland endete mit der Durchsetzung der Suprematie-Akte, d.h. der Knechtschaft der Meere unter Britanniens Fuchtel. (Seitdem lautet die inoffizielle englische National-Hymne "Rule Britannia, Britannia rule the seas".) Der gegen Deutschland endete statt mit der "Abtretung" Danzigs an das Reich (die England nicht akzeptieren wollte, obwohl jene damals noch rein deutsche Stadt staatsrechtlich gar nicht zu Polen gehörte) mit der Knechtschaft Polens unter der Rußlands Fuchtel. Und wer wissen will, welches die Kriegsziele Englands in den Napoleonischen Kriegen waren, lese die Denkschrift vom 1.11.1812 des edlen Freiherrn vom und zum Stein - der damals Englands Sprachrohr und willfähriger Handlanger in Deutschland war. Nein, nicht den albernen Satz, den man Euch daraus meist vorlügt ("Ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland") - das war erstens eine Schutzbehauptung, und zweitens stand es gar nicht in der Denkschrift, sondern im Begleitbrief -, sondern die ganz konkreten Vorschläge für territoriale "Veränderungen". Da steht es klipp und klar: "Holland wird mit dem britischen Reich vereinigt." (Nebenbei sollte England noch einen Teil Dänemarks bekommen, aber das tut hier nichts zur Sache.) Gewiß, Napoleon hatte 1795 Holland besetzt und die General-Staaten in eine Batavische Republik unter französischer Herrschaft umfunktioniert. Aber das konnte den Holländern eigentlich ziemlich egal sein: Napoleon tastete ihre Staatsgrenzen und ihre Kolonien nicht an; Holland war eine Handels-Nation, und der Fortfall der britischen Konkurrenz auf dem Kontinent konnte den Ausfall im Übersee-Handel - den ohnehin England kontrollierte - mehr als wett machen. Wenn also die Briten und die Russen 1799 eine Invasion Hollands unternahmen, so war das keine hochherzige Rettungsaktion zur "Befreiung" der Niederlande, sondern schlicht ein Versuch der Briten, sie mitsamt Ostfriesland zu annektieren (das hätte so schön zu Hannover gepaßt, das bereits eine britische Kolonie war, zur "Abrundung"). Der Versuch mißlang kläglich, denn der (im Ernst?) erwartete Aufstand der Holländer gegen Napoleon blieb aus - sie rührten keinen Finger, sondern schauten dem Fiasko der Briten eiskalt zu. Die hielten sich schadlos an den holländischen Kolonien:
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Fortsetzungen folgen.
Außerdem übersehen viele Historiker, deren Blick auf die "Napoleonischen" Kriegen allzusehr auf Frankreich fixiert sind, daß es in Wirklichkeit wie immer England war, das den Krieg zum Weltkrieg ausweitete; und wenn ihm die Franzosen dazu keinen Anlaß gaben - wie mit der Besetzung der Niederlande -, dann suchten sie sich eben einen anderen. Zum Beispiel in den USA, wo sie sich plötzlich bemüßigt fühlten, für die Freiheit der Indianer zu kämpfen. In die letzten drei Jahre der "Napoleonischen" Kriege fällt der Versuch Englands, seine Ex-Kolonie (deren Unabhängigkeit es erst 30 Jahre zuvor anerkannt hatte) zurück in die Abhängigkeit vom "Mutterland" zu bringen. Ihre indianischen Verbündeten köderten sie mit dem Versprechen eines eigenen Staat - wohlgemerkt nicht auf britischem Territorium in Kanada, sondern auf dem der USA (es fällt ja immer leichter, das Eigentum anderer zu verschenken als eigenes). Fast hätten die Briten auch Erfolg gehabt, denn der Oberbefehlshaber der US Army, ein Niederländer namens van Rensselaer, war ziemlich unfähig und verlor eine Schlacht nach der anderen. Die Briten eroberten Washington und brannten es nieder (wobei es ihnen - Treppenwitz der Geschichte - erging wie Napoleon in Moskau: Nachdem alles zerstört war, mußten sie sich zurück ziehen, da es nichts mehr zu essen gab). Ganz nebenbei "befreiten" die Engländern auch noch Florida von den Spaniern (nanu?), wurden aber von den Amerikanern (die inzwischen einen anderen OB hatten) wieder hinaus geworfen; da schlossen sie am Ende doch lieber Frieden (übrigens wieder in den einstmals spanischen Niederlanden, in Gent), am Heiligabend anno 1814, auf dem status quo ante - das heißt, die Indianer gingen leer aus und gewannen nur den Haß der Amerikaner. Die scherten sich im übrigen herzlich wenig um den Friedensvertrag: Zwei Wochen später überfielen sie die sich einschiffenden Engländer in New Orleans und machten sie nieder, einschließlich des kommandierenden Generals (und das ist ja auch mal gut so - warum sollen immer nur die einfachen Soldaten ins Gras beißen?). Der amerikanische Admiral Stephen Decatur kommentierte das mit einem geflügelten Wort, das eines Briten würdig gewesen wäre: "Right or wrong, my country (Recht oder Unrecht, mein Vaterland)".
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Dezember 1900. Dikigoros' Großonkel Willem (so benannt nach dem Kaiser, den die Deutschen damals gerade wieder bekommen hatten) hat es nach Köln am Rhein verschlagen. (Das war damals noch ein schöner blauer Fluß, in dem man ohne gesundheitliches Risiko schwimmen konnte; es gab sogar eine Badeanstalt.) Für ihn als Norddeutschen sind die Eingeborenen hier alles Karnevalsjecken - das festzustellen genügen ihm die paar Sonntage Ausgang, die er als Soldat hat. Die Preußen versetzen ihre Landeskinder beim Militär gerne in weit entfernte Provinzen, möglichst so weit, daß sie in eine Gegend kamen, deren Mundart sie nicht verstanden. Offiziell geschah das, damit die Soldaten "etwas vom Königreich zu sehen" bekamen, inoffiziell um zu verhindern, daß sie bei etwaigen Einsätzen gegen Aufständische sich auf Seiten der Bevölkerung stellten - die Obrigkeit hat Angst, daß die Soldaten nicht auf eigene Eltern, Geschwister und sonstige Verwandte schießen würden, wenn sie allzu heimatnah eingesetzt würden. In Köln besteht da keine Gefahr; das Militär, das eingesetzt ist, um die Menschenmassen im Zaum zu halten, würde schießen. Freilich gibt es hier gar keinen Aufstand, sondern einen Volksauflauf mit insgeheimer Billigung, um einen populären Gast zu bejubeln: Paule Krüger, genannt "Oom (Opa)", den greisen Führer der niederländischen (Süd-)Afrikaner. Auch er spricht eine andere Sprache, die aber zufällig ziemlich genau in der Mitte zwischen Kölsch und Pladdütsch liegt: Afrikaans (eine Art friesischer Dialekt). Die Versammelten verstehen jedenfalls ziemlich gut, was der halbblinde alte Mann ihnen da erzählt: Die Engländer...
(brit. Geschichte abschreiben)
Willems Entscheidung ist schnell gefaßt: Seine Dienstzeit läuft Ende des Jahres aus; Soldat zu sein findet er - wie so viele damals - schön (für viele ist sie objektiv gesehen auch schöner als ihr oft noch mühseligerer, noch schlechter bezahlter Zivilberuf); aber die preußische Armee will ihn nicht über die Pflichtdienstzeit hinaus behalten - er ist kein großes Licht im Griffe kloppen und Paradieren im Stechschritt, und das ist nach drei Jahrzehnten Frieden bei der Beurteilung halt wichtiger als Marschieren im Felde und Schießen. Südafrika bittet um Geld und um Freiwillige. Geld hat Willem keines, aber als Freiwilliger meldet er sich gerne. Er wird angenommen, sogar als Korporal. Bald darauf beginnt seine Odyssee.
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Aus unerfindlichen Gründen weiß Dikigoros nicht mehr genau, wann er zum ersten Mal Amsterdam, die Mutter des niederländischen Käsereichs, besucht hat. Eigentlich nie richtig, sondern immer nur auf der Durchreise. Er muß gestehen, daß ihm diese Stadt der Fahrraddiebe, Hasch-Cafés und Pornografen nicht sonderlich sympathisch ist; umgekehrt ist er es den Niederländern als Deutscher auch nicht - da er ihre Sprache versteht, merkt er das eher als andere Touristen, die als Kannitverstaan durchs Land reisen. Die Besatzungszeit 1940-45 ist immer noch nicht vergessen, geschweige denn vergeben - mit Ausnahme der Wohltaten, versteht sich, zum Beispiel des ebenso großartigen wie kostspieligen Projekts des neuen Maas-Kanals, den ihnen die deutschen Moffen 1942, mitten im Krieg gebaut und finanziert haben. (Die Medaillen, die ein gewisser Mijnheer Kutterijnk auf dieses Ereignis geprägt hatte, schmolz er 1945 höchst persönlich wieder ein und um; nunmehr zeigten sie einen holländischen Hooligan, pardon Löwen, der auf einem bereits zerbrochenen Hakenkreuz herum trampelt. Ein paar Jahre später trug er wieder die Pfeile spazieren, die von je her zum niederländischen Wappen gehört haben, und die der holländische Jan Käs' nur bei den Spaniern als "falangistisch" bekrittelt.) Vielleicht war diese "Besatzung" (unter eigener Verwaltung - bloß die Königin war nach England abgehauen) allzu milde - Dankbarkeit ist keine große Tugend der Holländer. (Die belgischen Wallonen, die ungleich härter angefaßt wurden, zählten dagegen - neben der französischen Légion "Charlemagne" - unter ihrem Nationalhelden Léon Degrelle zu den letzten, die ihren deutschen Verbündeten die Treue hielten - auch über das Kriegsende hinaus aus dem Exil, in das sie die alliierten Besatzer, pardon Befreier trieben.) Vielleicht war aber auch nur das Gedächtnis der Holländer ein wenig selektiv; dafür spricht, daß sie z.B. auch vergessen haben, was ihnen die Angelsachsen 1945-49 in Indonesien angetan haben. Die Ergebnisse sieht man jetzt im Stadtbild: Für den Touristen mag es malerisch und exotisch sein, "ambonesische" Cafés und Restaurants zu sehen. (Zugegeben, Dikigoros ist - und ißt - eine schöne Rijsdafel auch lieber als Matjes-Heringe mit Pellkartoffeln, aber das ist eine andere Geschichte.) Die Kehrseite sehen die meisten Touristen freilich nicht: Die Ambonesen haben sich nicht "integriert" (warum auch - hatte die Holländer nicht versprochen, daß sie ihnen helfen würden, eines Tages zurück zu kehren in ihre geliebte Heimat?); sie leben in selbst gewählten Ghetto's, haben nie richtig Holländisch gelernt. (Zugegeben, eine schwierige Sprache, fast so schwierig wie Deutsch, bis auf die Rechtschreibung, die seit der außerordentlich geglückten Rechtschreibreform von 1947 etwas einfacher geworden ist - zumindest objektiv. Was, so etwas gibt es? Ja, aber das war nur kurz nach dem Krieg möglich, aus Haß auf die Deutschen. Das Holländische, das sich bis dahin ähnlich wie das Deutsche geschrieben - aber ganz anderes ausgesprochen - hatte, sollte für die verhaßten Moffen-Nachbarn möglichst unverständlich gemacht werden; und so reformierte man es denn so, wie es sich spricht. Dikigoros kann nicht umhin einzuräumen, daß das objektiv eine Vereinfachung ist - wenn es ihm auch subjektiv das Erlernen der Schriftsprache erschwert haben mag.) Und die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Indonesien haben die Ambonesen inzwischen auch aufgegeben. Die erste Generation ist längst ausgestorbegn; die zweite sitzt zwischen allen Stühlen und Parkbänken, sie hat resigniert; aber die dritte begehrt auf: Ohne Bildungsabschlüsse, auf dem Arbeitsmarkt chancenlos, werden die Kindeskinder der Geflohenen kriminell und bilden zusammen (nein, eigentlich nicht zusammen, aber gleichzeitig) mit den anderen integrationsunwilligen und -unfähigen Ausländern, die von diversen (nicht nur linken) holländischen Regierungen mit sträflicher Unbekümmertheit ins Land gelassen worden sind, einen gefährlichen Sprengsatz.
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Südafrika 1939: Malan
1945 Indonesien
1961 Unabhängigkeit
In den 70er Jahren verschlägt es Dikigoros auch nach Südafrika - aber das ist eine andere Geschichte.
![[Fr. Antje]](antjejunk.jpg)
heim zu Reisen duch die Vergangenheit