Am 25. November 1952 starb Sven Hedin, er war 87 Jahre und 9 Monate alt geworden. Drei Tage vor seinem Tod hatte der fast Erblindete unter Aufbietung seiner letzten Kräfte, auf die Bitte eines Freundes, seinen letzten Brief an ein fünfzehnjähriges Mädel geschrieben:
„Liebe kleine Kajsa Wickman!
Unser gemeinsamer Freund Nils Amboldt hat mich gebeten, Dir mein Bild und ein paar Zeilen zu schicken als Beweis, daß ich noch am Leben bin, obgleich der 88. Winter nun seinen Einzug über meinem Leben und meinen grauen Scheitel hält. Ich höre, daß Du in der Schule einen Vortrag über meine Wanderungen in Asien halten sollst. Grüße die Wüsten und die Berge, wenn Du über sie sprichst, und sage ihnen, daß ich mich vergebens danach sehne, sie wiederzusehen, teils weil mein hohes Alter mich daran hindert, teils wegen der Mauer, die die Roten in Rußland und China um das geliebte Abenteuerland meiner Jugend errichtet haben. Du und Deine Schulkameraden werden in der Schulzeit viel mehr über den Lop-nor, die 2000 Jahre alten Ruinen antiker Städte und das heilige Tibet kennen lernen und erfahren, als ich während meiner Wanderungen geschafft habe. Aber dann habe ich die Erde längst hinter mir gelassen und halte mich in einem heiligeren Land unter dem Schutz des Ewigen auf. Nun hoffe ich indessen, daß Du ein paar lustige Episoden aus der Zeit erzählst, als ich mich als Alleinherrscher über das Innerste des größten Kontinents der Erde fühlte.
Mit herzlichen Gruß von Deinem Freund
Sven Hedin
Als eine große trauernde Volksmenge am 1. Dezember 1952 Sven Hedin zu Grabe geleitete, hätte eigentlich neben dem Kranz des schwedischen Königs ein Kranz der Bundesrepublik Deutschland liegen müssen. Aber der damalige Bundespräsident
Theodor Heuß
sah von einer unmittelbaren Beileidskundgebung ab. Auf dem Schreibtisch Sven Hedins lag ein Zeitungsausschnitt mit dem Gesicht einer schwedischen Autorin, das lebhaft seine Lebenshaltung zum Ausdruck brachte. Die letzten Zeilen lauten: „Brecht auf, brecht auf! Der neue Tag beginnt. Unendlich unsere großen Abenteuer sind!"
Jeder hat auf den Stationen seines Lebensweges besondere Erinnerungsbilder. Wenn ein lesehungriger und phantasiebegabter Junge einem Forscher auf seinen Reisen begleitet und begeistert all das nacherlebt, mitempfindet und in Herz und Seele einströmen läßt, was der Forscher erlebt, empfunden und niedergeschrieben hat, dann bleibt - wenn die Ideale der Jugend im späteren Leben nicht verkümmern - eine tiefe Verbundenheit zurück. Aus jugendlichem Sehnsuchtsdrang geboren, kann dann eine Liebe aufbrechen, die bis in das Alter hinein nicht mehr abklingt und bestimmend wird. Dann kann es einem geschehen,
wie es Sven Hedin mit Deutschland geschah, daß man eine zweite Heimat gefunden hat. Eine zweite Heimat, die in tieferverbundenheit zum europäischen Norden wurzelte. Eine zweite Heimat im Erlebnis ihrer landschaftlichen Schönheiten, im
Miterleben ihrer Geschichte und ihrer Kultur und in der Seelenverwandschaft zu ihren Menschen und zu ihren hervorragenden Persönlichkeiten. Eine solche hervorragende Persönlichkeit war der Schwede Sven Hedin.
Der Engländer Carlyle schrieb einmal: "...daß die Weltgeschichte im Grunde nichts anderes als die Geschichte der größten Männer ist, die in ihr gelebt und gewirkt haben. Sie waren die Führer der Menschheit, diese Großen, sie formten, sie schufen:" Ein solcher
großer Führer der Menschheit war Sven Hedin, dem die weite Welt zum Arbeitsfeld seines
Lebens wurde. Sven Hedin, von dem sein Freund, sein deutscher Verleger Hans Brockhaus,
in seinem ergreifenden Nachwort zu seinem Tode sagte:" Er ist der größte Forschungsreisende
seiner Zeit gewesen, er war ein Wissenschaftler von hohem Rang, er war ein Dichter: Was er
als Mensch gewesen ist, ist mehr als alles andere gewesen."
Er ist ein Mensch gewesen, der nach Meinung einer indischen Zeitung nicht ganz der
gewohnten Vorstellung von einem großen Forschungsreisenden entsprach, obwohl er
beides war. Seinem Äußeren nach ist er einfach, natürlich, von einer fast
kindhaften Lebhaftigkeit und Fröhlichkeit, die besonders erfrischend wirkt.
Selbst glücklich, versteht er die Kunst, Freude um sich zu verbreiten.
Der einfache, natürliche Mensch war neunfacher Doktor und erhielt höchste Auszeichnungen
Deutschlands, Österreichs, Englands, Chinas, Bulgariens, Persiens, Rußlands und
Japans. Er war Gast in Kaiser-, Königsund Fürstenhäusern, besuchte auf verbotenen
Wegen die Stadt Lhasa in Tibet und reichte dem Taschi Lama die Hand. Außer seinen
wissenschaftlichen Niederschriften, die Regale füllen, schrieb er 88 Bücher über
seine Reisen, die in 23 Sprachen übersetzt wurden. Beim 89. Buch, das er nicht
mehr vollenden konnte, hat ihm der Tod die Feder aus der Hand genommen. Sven
Hedin, der ein Mensch blieb, in dessen Brust ein gefühlvolles Herz schlug, der ein
mitfühlender Mensch war, besonders dann, wenn er Abschied von seinen Pferden,
Kamelen und Hunden nehmen mußte. Von seinen Hunden, denen er eines seiner
schönsten Bücher geschrieben und gewidmet hat, darin er von sehnsuchtsvollen,
verwunderten und melancholischen Blicken dieser seiner Freunde spricht, wenn
wieder einmal die Abschiedsstunde schlug.
„Er war der beste Hund, den ich gehabt habe, klug, lustig und freundlich. Er war nur
einen Tag krank und starb in der Nacht, wie sehr ich mich auch um ihn bemühte. Am
nächsten Morgen wurde er feierlich begraben; es war mir bitter zumute, als ich seine
feinen weichen Ohren in der kalten Erde verschwinden sah." Und er schrieb: „Wie viele
Hunderte von Hunden mögen im Laufe der Jahre mehr oder weniger treue Mitglieder meiner
Karawanen gewesen sein! Die Zahl der Hunde, an die ich mich noch heute und für immer mit
Dankbarkeit, Zuneigung oder Bewunderung erinnere, ich nicht allzu groß; diese aber haben
ausnahmslos eine tragische, dramatische oder heldenhafte Rolle gespielt. Das Schicksal
einiger habe ich bis zum Schluß verfolgen können, andere sind auf rätselvolle Weise
abhanden gekommen. Alle sind sie meine Freunde gewesen, meine Gefährten in der Einsamkeit,
und um manche habe ich mich in schlaflosen Nächten bitter gesorgt." Sven Hedin, der als der
besterfahrene weiße Asienkenner galt, der 25 Jahre seines Lebens auf Pferden, Kamelen und
Maultieren, auf Flößen, Holperkarren und in Faltbooten, in den unwegsamen Einöden von
Mesopotamien, Persien, Turkestan, Tibet, China, der Äußeren Mongolei, Nordindien und
Afghanistan verbrachte und darüber hinaus die ganze Welt bereiste. Ein schwedischer, ein
europäischer Genius, für den Hans Grimm die Worte geschrieben haben könnte: „Je mehr einer
gehört und gesehen hat, desto kräftiger ist seine Bescheidenheit und seine Andacht." Der
Mensch Sven Hedin war einer der treuesten Freunde, die Deutschland außerhalb seiner Grenzen
besessen hat.
Am 19. Februar 1865 hatte Sven Anders Hedin in einem alten Haus in der Drottninggata zu
Stockholm, als zweites von sieben Kindern und als ältester Sohn, das Licht der Welt erblickt.
Sein lebensfroher Vater, der später einmal, bis in sein hohes Alter hinein, am Lebenswerk
seines Sohnes teilhaben sollte, indem er dessen umfangreiches literarisches Werk mit
gestochener Handschrift druckreif ins Reine schrieb. Der Vaterwar Stadtarchitekt in Stockholm
und ein Nachkomme schwedischer Vorfahren, die vom Bauern zum Lehrer und Pastor, zu Beamten
und Gelehrten aufgestiegen waren. Die Großmutter Sven Hedin war die Tochter eines wohlhabenden
Politikers, der Mitarbeiter König Gustav III. und ein Freund Carl Michael Bellmanns, des
schwedischen Liedersängers, war. Von einem Ahn erbte Sven Hedin die Begabung für fremde
Sprachen. Er beherrschte später neben Englisch, Französisch und Deutsch fließend Persisch,
Kirgisisch, Mongolisch, Türkisch und Russisch. Seine Mutter, von der er später schreibt,
daß er vom Glück begünstigt worden und dieses Glück vor allem auf ihre Erziehung zurück zu
führen sei und auf die Richtung, die seine Mutter ihm gegeben habe. Sie war die Tochter eines
Propstes, eines südschwedischen Prälaten, der neben seinem Pastoratsamt reichstagspolitische
Aufgaben wahrnahm, in einem einfachen und anspruchslosen Elternhaus, das von Ruhe, Frieden,
Frohsinn, Behaglichkeit, aber auch von Arbeitseifer geprägt war, verbrachte Sven Hedin seine
Kindheit. Eine Kindheit, die er als einen unerschütterlichen Sockel der Erinnerung,
durch die Weite und Größe seines Lebens trug. In seinem Kindheitsheim hat er - wie er
später schrieb - wie nirgend sonst, Treue, Pflichtgefühl, gegenseitige Liebe, Interesse
für Menschlichkeit und Religion gefunden. Religion, nicht für gesprochene, sondern
für gelebte Religion, die etwas ganz anderes ist. Auf allen späteren Reisen hat
ihn die Stimme seines Elternhauses, hat das Heimathaus ihn begleitet, hat sein
Herz erwärmt und die bisweilen streikenden Lebensgeister wieder aufgemuntert. Nur in
tiefer Wehmut trennte er sich vom Elternhaus und es war ihm eine Wonne, wenn er sich
wieder auf dem Heimweg wußte. Von Heimweh geplagt, hat er in unübertrefflichem Fleiß
Briefe nach Daheim geschrieben. Briefe an Eltern, Geschwister und Verwandte, die es
minutiös gestatten, seinen Weg als Forscher zu verfolgen. Ebenso fleißig hat er
Antworten von daheim erhalten. „Kein Scherz - schrieb er - läßt sich mit dem vergleichen,
sich selbst für lange Zeit mit den Wurzeln aus der Heimaterde herauszureißen."
In der Schule soll es, wie seine Schwester Alma in ihrem schönen Erinnerungsbuch über ihren
Bruder Sven schrieb, anfangs nicht so recht gegangen sein. Aber nach einigen Jahren habe er
Interesse am Lernen bekommen und er habe sich ernstlich ins Geschirrgelegt.
Geschichtewarsein Lieblingsfach. Geographie wurde zum Inbegriff seines Lebens
und Kartenzeichnen zu einer Leidenschaft. Romantisch-historisch sei sein reiches
Phantasieleben ausgerichtet gewesen und seine jugendliche Abenteuerlust war
unbezähmbar und kaum zu stillen, angereizt durch seine vier Onkel, die Zeit
ihres Lebens lausernde und schalkhafte Knaben geblieben waren. Als er 14 Jahre
alt war, hatte Sven Hedin - wie er Jahrzehnte später schrieb - etwas unerhört
Merkwürdiges erlebt und erfahren, was für sein ganzes Leben entscheidend werden
sollte: Das Dampfschiff „Vega" war unter Leitung des schwedischen Polarforschers
Nordenskjöld von einer zweijährigen Fahrt, die über die Nordostpassage von Sibirien
rund um Asien geführt hatte, nach Stockholm zurück gekehrt. Mit einem Feuerwerk
begrüßt, in einem Meer von Licht, hielt die „Vega" ihren Einzug. Bewunderung für
die Männer, die ihrem Vaterland Ehre gemacht und den schwedischen Namen durch die
Welt getragen hatten, erfüllte Herz und Brust des Jungen. Es rumorte in ihm, denn
er meinte, wenn Nordenskjöld nur dadurch, daß er in unbekannte Gegenden auf der
Erdoberfläche vorgedrungen war, einen weltweiten Ruhm erworben hatte, so mußte auch
ihm, Sven Anders Hedin, 14 Jahre alt, dieser Weg offen stehen. Nach der Heimkehr der
"Vega" bewegten sich seine Gedanken nur noch um Nordenskjöld und es stand für den
vierzehnjährigen Knaben fest, es den Männern der "Vega" gleichzutun. Auch er wollte
Großes für Schweden tun. Das war sein Ziel. Aber er begriff auch, daß der Weg dorthin mit
Kenntnis und unermüdlicher Arbeit, mit Entbehrungen und großer Mühsal gepflastert war
und daß es viele einsame Nächte unter schimmernden Sternen erfordern würde.
Als ein Besessener und Begeisterter begann er, Geschichte der Polarfahrten zu studieren,
begann, sich in all den Fächern auszubilden, die für wissenschaftliche Forschungsreisen
notwendig sind. Um die künftigen Strapazen aushärten zu können, härtete er sich ab, schlief
auch im Winter: bei offenem Fenster im ungeheizten Zimmer und übte sich darin, möglichst wenig
zu essen. Und er zeichnete, zeichnete. Er zeichnete Karten über jede Expedition, die in der
Literatur aufzustöbern war. Auch wenn andere sein Tun nicht ernst nahmen, er nahm es sehr ernst.
So ernst, daß er weitschweifend von einem völligen Größenwahn besessen, oft in ganzer Länge auf
dem Fußboden des häuslichen Eßzimmers lag, um die historischen Entdeckerfahrten und
Entdeckernamen, nach den ihm bekannt gewordenen Quellen, auf Monsterkarten zu kartieren
und einzutragen. Strenges Geheimnis wahrte er über seine Tätigkeit. Auch Eltern und
Geschwister hatte er vergattert, nichts zu erzählen, denn er wollte in der Schule in kein
besonderes Licht gerückt werden. Aber da entdeckte eines Tages zufällig der Direktor
seiner Schule, der mit seinem Vater eine Bauangelegenheit besprechen wollte, den auf dem
Fußboden liegenden Jungen und staunte über Eifer und Sorgfalt seiner Schülers, der nicht
nur etwas hinzeichnete, sondern dessen Zeichnungen gediegene Vorstudien erforderlich machten.
Nun hatte man ihn entdeckt und seine selbst erworbenen Fertigkeiten machten schließlich so
bedeutende Fortschritte, daß er von einem Freund der Familie, der an der "Vega"-Expedition
teilgenommen hatte und einen wissenschaftlichen Vortrag halten sollte, aufgefordert wurde,
dazu eine Schaukarte zu zeichnen. Diese Zeichnung, heute noch in der Geographischen
Gesellschaft in Stockholm aufbewahrt, wurde ein Wunderwerk. Sie erregte nicht nur durch ihre
Größe beträchtliches Aufsehen, sondern auch durch Übersichtlichkeit und Genauigkeit.
Drei Jahre später, nachdem der junge Sven Hedin sein Abitur bestanden hatte, ließ der
selbe Schuldirektor seinen Schüler zu sich kommen und stellte ihm die Frage, ob er nicht
Lust habe, einen zwölfjährigen Jungen zu unterrichten, der in Kürze mit seiner Mutter nach
Rußland, nach Baku, reisen würde, wo der Vater als Ingenieur bei der Firma Nobel tätig war.
Mit Begeisterung nahm er das Angebot an. Schon die Fahrt dorthin, wurde ein großartiges
Erlebnis, die mit Schiff durch den Finnischen Meerbusen nach St. Peterburg ging und von dort
mit der Eisenbahn über Moskau und Woronesch nach Rostow. Die letzten zweihundert Kilometer
wurden in einem russischen Reisewagen zurückgelegt. "In einer Steinvilla in halbtatarischem
Stil, die nur aus einem Erdgeschoß mit eingedrückter Veranda bestand, wohnte ich und
trichterte dem Hirn meines lieben Erhard nützliches Wissen ein. Einen schlechteren Lehrer
hat es gewiß weder östlich noch westlich der Grenze zwischen den beiden Erdteilen je gegeben,
denn einem Jungen die Deklination von mensa und schwedische Rechtschreibung und andere wichtige
Kenntnisse beizubringen, während ganz Asien mit seinen Pferden, Hunden und Kamelen wartend
vor mir lag, war eine Zumutung, die weit über meine Kräfte ging." Und er schrieb:
"Etwas derartiges habe ich noch nicht gesehen und erlebt. Rings um uns erheben sich auf
allen Seiten die Bergriesen des Kaukasus und zwischen steil abfallenden Bergwänden
öffneten sich herrliche Sichten mit schneebedeckten Berggipfeln im Hintergrund. Alle
anderen überragend, badet der Kasbek seinen 5043 m hohen Scheitel in der Sonne." Fast
ein Jahr dauerte der Aufenthalt inmitten altschwedischer und altrussischer Gastfreundschaft.
Aber er hat dort nicht nur seinen jungen Schüler unterrichtet, sondern auch selber viel
gelernt. Acht Sprachen trieb er an einem Tag, darunter russisch, tartarisch, persisch und
türkisch. Hier lernte er die breite russische Natur kennen und hier begann er, das
russische Volk zu lieben. Eine Liebe, die über allen politischen und gesellschaftlichen
Erschütterungen, über allen Erschrecknissen der Zeit, sein ganzes Leben hindurch anhielt.
Nach seiner Lehrtätigkeit in Baku, die mit einem großen Abschiedsfest und mit der mit „recht
gut" bestandenen Prüfung seines Schülers endete, überraschte er seine Eltern mit einem
Telegramm: „Ich reise nach Persien!" Diese Studienreise hatte er in Baku vorgeplant, genau
die Kosten berechnet, eisern gespart und als dann noch von zu Hause ein Zuschuß und ein
Empfehlungsschreiben von Nordenskjöld eintreffen, da lag nicht nur problemlos die Zukunft
vor Sven Hedin, sondern fortan hatte er mit Nordenskjöld seinen Wohltäter in Stockholm
gefunden, der bis zu seinem Tod mit Sven Hedin in Freundschaft verbunden blieb. „300
Kilometer habe ich zurückgelegt - heißt es in einem Brief - über verschneite Berge, Meer
und Flüsse, ganz allein. Ich habe Pferde auf gefährlichen Wegen geritten, oft im wildesten
Galopp, ohne Schaden zu nehmen, durch Gegenden Nordarabiens, wo Beduinen umher schweiften,
ohne ausgeplündert zu werden, durch heiße, ungesunde und von der Pest heimgesuchte Gegenden,
ohne krank zu werden; in der heftigsten Sonnenglut, ohne Sonnenstich zu bekommen, in
kohlschwarzer Nacht und oft auf dem Pferderücken eingeschlafen, ohne hinunter zu fallen und
mir das Genick zu brechen, ich habe reißende Flüsse durchquert, ohne daß das Pferd den Boden
unter den Füßen verlor, von der Strömung mit gerissen wurde und ertrank, ich war dem
Mißgeschick entgangen, auch nur ein Pferd zuschanden zu reiten."
Und auf allen seinen späteren Expeditionen hat es nie Blutvergießen gegeben, nirgend
hat er Übelwollen hervorgerufen. Als seinensgleichen hat er alle Völker und Stämme
behandelt. Auf dieser ersten Reise, die nicht von Eitelkeit getrieben, sondern von
seinem Forschereifer geprägt wurde, besteht er seine Feuertaufe. Nicht in Verwegenheit
und Tollkühnheit, nicht sich unnötig Gefahren aussetzend, war er zu dieser ersten Reise
aufgebrochen. Alles hatte er vorher reiflich überlegt und geplant: „Die Hauptsache ist,
daß man weiß, was man will, an sich selbst glaubt und dann weder nach rechts noch nach
links abweicht." Obgleich er nach dieser Reise noch nicht wußte, wie verzweifelt viele
Krümmungen seine künftigen Reisewege machen würden, wie verrückt bergauf und bergab es
noch gehen sollte, so wußte er doch, was er wollte: Dem Ruf seines Vaterlandes zu folgen
und seinem Vaterland Ehre zu machen, das war sein Wollen und seine Pflicht. Diese Pflicht
machte ihn zum einfachsten und anspruchlosesten Menschen, der schon von Haus aus einer der
stets frohen, freundlichen und höflichen, einer der liebenswürdigsten Menschen war. Ja,
von zu Hause aus, vom Elternhaus her, dahin er von seinen Reisen zurückkehrte, darin dann
stets Freude herrschte, wenn er wieder daheim war, um in der anspruchlosesten, stillsten und
liebevollsten Weise allen, die mit ihm in Berührung kamen, das Dasein zu verschönen.
Niemals hatte er es eilig. Um ungestört tätig sein zu können, verlegte er seine Arbeitszeit in
die Nacht. Dieser liebenswürdige Mensch Sven Hedin fand dann, nachdem er seine Persienreise
mit seinem ersten Buch gekrönt und, um sein Rüstzeug zu vervollkommnen, Geologie, Mineralogie,
Zoologie und Latein studiert, sein philosophisches Examen abgelegt hatte, dieser liebenswürdige
Sven Hedin fand in einem liebenswürdigen berühmten Gelehrten nicht nur den Vervollkommner seines
Rüstzeuges und den Anreger seiner künftigen Pionieraufgaben- und Taten, er fand in diesem
Gelehrten den Freund, dem er bis zu dessen Tod in Treue und Dankbarkeit verbunden blieb und bis
zu seinem eigenen Tod ein ehrendes Gedenken bewahrte: Er wurde Schüler des bedeutenden deutschen
Geographen Ferdinand Freiherr von Richthofen in Berlin. Richthofen, ein ungewöhnlicher Mann, ein
Erneuerer der geographischen Wissenschaft, der umfangreiche Forschungsarbeiten in Ost-Asien
durchgeführt hatte, war eine vornehme, anspruchslose Erscheinung, war ein Gelehrter von
wissenschaftlicher Genauigkeit, der strenge und scharfe Forderungen stellte, aber jedem seiner
Schüler mit herzlicher Zuneigung und persönlichem Interesse begegnete und verbunden war.
Außerordentlich freundlich empfing er seinen Schüler, brachte seinen früheren Studien großes
Interesse entgegen und sprach sich anerkennend über sein Persienbuch aus. Hier wurde nicht nur
ein Freundesbund geschlossen, sondern zugleich wurde, in Berlin, eine Freundschaft zu Deutschland
besiegelt und die Liebe Sven Hedins zu Deutschland, die über zwei grausame Kriege hinweg allen
Erschütterungen trotzen sollte. Darüber aber wird noch zu berichten sein. Er bezeichnete Berlin
als die Hauptstadt der Welt, darin er sich wohl fühle, gewann dort sein Herz für Deutschland und
für das deutsche Volk, verbrachte hier eine glückliche Zeit, die von Arbeitsfreude geprägt war,
die ihm, neben gründlichem Kennenlernen der Reichshauptstadt, Begegnungen mit Männern wie Virchow,
Helmholtz, Harnack - um hier nur einige zu nennen - eintrug. Deutschland war seien zweite Heimat
geworden. Als dann Richthofen einen Vortrag über umstrittenen Gebirge in Zentralasien hielt, dazu
Sven Hedin ein Musterbeispiel von Karten beigesteuert hafte, da schloß Richthofen seinen Vortrag
mit den Worten: „Es ist Ihre Aufgabe, Sven Hedin, in diese Orologie (in diese Gebirgskunde)
Ordnung zu bringen."
Schon ein Jahr später bricht er zu seiner fast einjährigen Reise über Persien und Mesopotamien
nach Chinesisch-Turkestan auf, ist nach Beendigung wieder in Berlin bei Richthofen, promoviert
in Halle über den höchsten Berg Persiens, den 5700m hohen Domavend, hört in Berlin den Vortrag
eines Studiengenossen über Tibet, der mit von lautem Beifall begleiteten Worten schloß: "... man
könne erwarten, daß Sven Hedin die noch unbekannten Teile Tibets erforschen und beschreiben
würde." Nach seiner Persien-Turkestan-Reise beschäftigte er sich eingehend mit Tibet und nach
Überwindung finanzieller Schwierigkeiten und eines Augenleidens, das eine Operation erforderlich
machte, brach er am 1. Oktober 1893 zu seinem größten Abenteuer auf, das bis 1897 dauern sollte.
„Wohl weiß ich beim Aufbruch, welche Gebiete ich erforschen und welche Probleme ich am liebsten
lösen will, und ich weiß natürlich auch, durch welche Pforte ich in das Innere eindringen will."
Von Kaschgar aus erforschte er den Pamir und die Sandwüste Taklamakan, nahm den Tarimfluß
kartographisch auf und löste das Problem des Sees Lop-nor. Zwei Jahre später befährt er von
neuem den Tarim bis zum Lop-nor, dringt dann südwärts nach Tibet. Auf verbotenen Wegen erreicht
er die verbotene Stadt Lhasa, um dann westwärts nach Leh in Ladak zu ziehen. Wieder drei Jahre
später zieht er noch einmal durch Persien über Indien nach Tibet, entdeckt dabei die Quelle des
Tsangpo, Satledsch und Indus und erforscht die Kette des größten Gebirges der Welt, das er nun
Transhimalaja benennt. Diese Reisen, die er geschickt durchführt und glücklich beendet, verleihen ihm Weltruhm und
machen ihn zum hervorragendsten geographischen Forscher seiner Zeit.
„Ich traute mir zu, eine große Schlacht zu schlagen und ganz Asien erobern zu können, vom Westen
bis zum Osten und brannte vor Sehnsucht, wieder hinauszukommen zu wilden Abenteuern." „Durch die
Wüste nach Peking" hat er später den ersten Teil dieser Reisen beschrieben, der danach die Bücher
„Im Herzen von Asien", „Zu Land nach Indien", „Transhimalaja" und „Durch Asiens Wüsten" folgen
sollten. Vor Studenten sagte er: „Ich bin ein Wüstenwanderer. Als mein Lebensziel habe ich mir
gesetzt, das Wissen von dem größten Erdteile zu erweitern. Meine Reise ist nur eine Erkundung
gewesen, und ich werde es als eine Ehre empfinden, wenn Sie mich einen Pionier nennen wollten.
Ich selbst bin zufrieden, wenn ich nur einige kleine Halme in die Scheuer eingebracht habe."
Mögen uns heute, in unserem rasanten technischen Zeitalter, darin es fast keine weißen Flecken
mehr auf der Weltkarte gibt, mögen uns diese Reisen heute als kleine Halme erscheinen, damals
waren sie unberechenbare Abenteuer. In seinen Büchern können wir nachlesen, wie lebensgefährlich
sie oft waren und welche Strapazen sich mit ihnen verbanden. Sein Fuß hafte ja Gebiete betreten,
die vorher von keines weißen Mannes Fuß betreten waren. „Der glückliche Stern, den Gott über
meinen Pfaden leuchten läßt, hat niemals so klar gestrahlt wie in den letzten vierzehn Tagen;
einer Kette von Wundern habe ich meine Rettung zu danken. Wir waren nämlich nahe daran, vor
Durst zu sterben, als wir im letzten Augenblick und mit versagenden Kräften den Fluß erreichten."
- "Wasser, Wasser! Nie schätzt man diese köstliche Flüssigkeit höher, als wenn man wochenlang
durch unfruchtbare Wüsten gezogen ist und nahe daran war, vor Durst zu vergehen. Ich wollte
mich im Wasser wälzen, es küssen, mich von seinen Wogen streicheln lassen." "Es ist schwer sich
vorzustellen, welche ungeheuren Entbehrungen und Strapazen ein solches Unternehmen bedeutet.
Die dünne Luft, die Kälte, der Hunger, man weiß nicht, was am schlimmsten ist." Und dennoch.
Wenn die Strapazen überwunden sind, dann genießt er das beste dieser Reisen, genießt die große
Stille, die Ruhe, die ihm völlige Erholung nach dem Saus und Braus der großen Welt bedeutet.
Dann denkt er mit Wehmut an das feierliche Schweigen in der Tiefe der Wüsten zurück, das doch
beredter und Nahrung für seine Seele sei. Dann stehen wieder vor ihm die mächtigen Schneeberge
des Himalaja und Karakorum, die beim Sonnenuntergang blutrot aufleuchten mit dunkelblauem
Himmel dahinter: „Himalaja, eine schönere und großartigere Natur habe ich niemals gesehen.
Ganz Tibet ist freundlich gegen mich." Dann schreibt er an seinen Schwager nach Stockholm:
"Hier sitze ich wie gewöhnlich einsam im Frieden der Nacht und schreibe eine Epistel nach der
anderen. Es ist 1 Uhr, alles ist still ringsum. Ich sitze hier in meiner ruhigen Hütte und
denke keinen Augenblick an die Vergänglichkeit der Welt, sondern nur an das Schöne und
Glückliche eines Loses wie des meinen, in so wechselnden Verhältnissen leben zu können, aus
dem was meine Tage mir erzählten, ganze Geschichten formen zu können, meine Lebensbahn in
großen, scharfen, kräftigen Linien zu ziehen, statt auf einem Fleck oder auf dem Katheder
zu sitzen und jeden Tag dem ändern gleichen zu lassen."
Aber immer wieder wird er von Heimweh gepackt, wenn er am Weihnachtsabend bei 13 Grad
Kälte im Zelt und bei 39 Grad im Freien vor seiner gefrorenen Kaffeetasse sitzt und
Weihnachten für ihn der schlimmste Tag ist. Da fühlt er sich so überschrecklich
einsam und verlassen. Dann kriecht er unter die Decke und versucht, sich einzubilden,
daß er bereits eingeschlafen sei. Seiner Gesundheit, seiner unbeugsamen Entschlossenheit,
aber auch seinem anziehenden Wesen, seinem Humor, seiner sympathischen Persönlichkeit,
verdankte er Gelingen und Erfolge. Kraft seines starken Willens und kraft seines starken
Glaubens an sich selber hatte er im Bewußtsein dieser Kräfte die Fähigkeit, alle Strapazen
und Wiederwärtigkeiten zu überwinden. Ein Mann der alles erreichte, was er sich vornahm,
weil er wußte, wie es erreicht werden sollte. Weil er alle Schwierigkeiten voraussah und
alle notwendigen Vorbereitungen traf, aber vor allem deshalb, weil er in hohem Grade die
Fähigkeit besaß, mit seinem Willen zu wollen. Ein Wille der aushält, durchhält, ein
energischer Wille, der nie erlahmte. In einem Brief nach zu Hause ist zu lesen, als er
sich in seinem Faltboot auf dem Manasarovar-See, in Tibet, befand, in den der Gott Schiwa
als ein weißer Schwan umherschwimmt, das Boot zwischen den Wogen hin und her geworfen wurde:
Bei solchen Gelegenheiten kommt über mich eine Ruhe, die nicht von dieser Welt ist, ich wußte
so bestimmt, daß ich in diesem Wasser nicht ertrinken wollte." So einfach ist es! Ein solcher
Wille trägt durch den Sturm. Dieser Wille führte den Forscher Sven Hedin nicht nur über die
Wasser der Manasarovar, sondern durch alle schweren Situationen seines Forscherlebens.
Es gibt einen Willen, der glühet wie Wein, der ruft - niemals müde, zu wagen; du aller
Geheimnisse Welt, sei mein, sollst uraltem Dunkel entsagen.
Nach Amerika, Japan, China und Sibirien hat er seine Reisen fortgesetzt, hat klares Licht der
Wissenschaft auf viele dunkle Rätsel geworfen. Arbeit war die Freude seines Lebens, das er zu
seiner Sternennacht der Arbeit gemacht hatte. Bis kurz vor seinem Tod hat er oft wie ein Sklave
gearbeitet. „Ich habe niemals so viel Aufzeichnungen gemacht, wie diesmal: - schrieb
er von einer Reise - 1192 Seiten in 135 Tagen. Dann habe ich eine Karte von der Route
in 162 Blättern angefertigt, 200 Gesteinsstücke gesammelt, 100 Portraits gezeichnet.
Ferner habe ich mehr als 50 Panoramen von Bergketten hergestellt, alle zweieinhalb Meter lang.
Natürlich habe ich Unmengen photographischer Aufnahmen gemacht. Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft streiten sich um meine Zeit und ich weiß nicht, wo die Stunden und die Tage bleiben.
Ich kann gar nicht alles schaffen, was getan werden muß," Unzählige Huldigungen hat er
entgegen nehmen müssen: „Niemand darf glauben, daß die Huldigung, die mir jetzt dargebracht
worden ist, und etwaige andere, die meiner vielleicht noch warten können, mich verleiten
werden, mich zurückzuziehen, um meine Muße mit einer mehr oder minder eingebildeten Würde
zu genießen. Im Gegenteil, diese Huldigung soll mir ein Ansporn sein zu neuen Anstrengungen.
„Die schönsten Huldigungen aber waren für Sven Hedin, wenn aus der Feder seines Freundes
Richthofen seine Arbeit gewürdigt wurde, wenn irgendwo in der weiten Welt, Briefe seines
Freundes ihn erreichten. „Inhaltsreiche Jahre haben Sie hinter sich" - heißt er in einem
Brief Richthofen' s -; "in Arbeit und großer Tätigkeit leben Sie auch jetzt. Viel Ruhm haben
Sie geerntet, viele - sehr viele - Freunde in allen Ländern gewonnen, die Herzen der heran
wachsenden Jugend haben Sie erobert, indem Sie ihr noch besonders Ihre Erlebnisse und Taten
erzählt haben. Ich kann Ihnen nurwünschen, daß Sie Ihre herrliche Kraft und Frische bewahren
mögen, daß Ihr Herz auch weiterhin warm und treu für die Ihrigen, für Ihre Freude und die
Aufgaben schlagen möge, die Sie sich für Ihr Leben gestellt haben."
Und in einem anderen Brief von Richthofen heißt es: „Ihnen, mein lieber Freund,
war es vergönnt, den Schlußstein zu legen in das Gebäude der großen Entdeckungen
außerhalb der Antarktis. Sie konnten noch neues Land durchziehen, das keiner
europäischen Machtgehörte, und dessen Kenntnis nicht nur intensiv, sondern auch
extensiv fördern. Das danken Sie Ihrem frischen Unternehmungsgeist und Ihrer
eisernen Energie. Das es Ihnen so gut gelang, verdanken Sie aber außerdem Ihrer
persönlichen Liebenswürdigkeit, der seltenen Eigenschaft, die Zuneigung, Liebe
und Freundschaft der Menschen jeden Standes und jeder Nationalität zu gewinnen.
Mit alledem vereinigen Sie Kenntnisse, die Gabe der Beobachtung und den andauernden
Fleiß in der Niederlegung der Beobachtungen. So konnten Sie ein Werk schreiben,
welches gleichzeitig ein Monument in der Entdeckungsgeschichte ist und jedem, der
es liest, Freude gewährt. Mir ist es ein Genuß, es durchzulesen. Denn Sie schreiben
nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen; und wer Sie kennt, dem treten
Sie auf jeder Seite in Ihrer ganzen Persönlichkeit entgegen." So war der Forscher
Sven Hedin. Der Politiker Sven Hedin ist vom Forscher nicht zu trennen.
"Ein ganzes Gebirge habt Ihr uns von Asien mitgebracht! Das ist viel. Einem ganzen
Volke aber halfet Ihr, seine Ehre retten! Das ist mehr!" Diese Worte wurden anläßlich
eines Geburtstages von Sven Hedin gesprochen. "Ein Volk in Waffen" - so hatte
Sven Hedin sein Buch betitelt, das er nach Ausbruch des ersten Weltkrieges geschrieben
und dem Deutschen Soldaten gewidmet hatte. Mit diesem Buch sollte die Weit erfahren,
nach welcher Richtung seine Sympathien in diesem Krieg gingen. Sein Gefühl hatte ihm
gesagt, daß er an der Seite seiner deutschen Brüder stehen müsse. Aus Liebe und Bewunderung
für unser Volk und Land, das gegen eine Welt von Feinden anzukämpfen hatte, stand er als
Freund dem Freund zur Seite. Es berührte ihn nicht im geringsten, daß dabei seine Sympathien
schwanden, er seine Freunde in England und Frankreich verlor. Er bezeichnete den Tag, als
Amerika in den ersten Weltkrieg eintrat, als einen furchtbaren Tag, als eine Todesbotschaft
für Tausende und Abertausende, als einen lähmenden Schlag, ungerecht und brutal gegen ein
ganzes Volk, gegen eine hoch stehende Kultur. Mahnend und warnend rief er aus: „Wer Deutschland
schmäht, der schändet Europa!" Er mahnte und warnte aber auch sein schwedisches Volk, denn er
wußte schon damals, daß auch die Lage Schwedens in Gefahr sei, wenn Deutschland besiegt würde.
Er wußte und sagte, daß der, der sich nicht verteidigen könnte, überhaupt keine eigenen Interessen
haben dürfe, er würde nieder getreten, wenn er zufällig einer Großmacht im Wege stände.
Er schreibt von nationaler Knochenerweichung und Dekadenz, wenn eine Jugend nicht mehr zur
Verteidigung bereit sei. Nichtverteidigung führe zu Krieg und Unterwerfung, nur eine starke
Landesverteidigung sei das einzige Mittel, das unseren Frieden und unsere Freiheit retten könne.
Schwer traf ihn die Niederlage Deutschlands. „Für mich kam der Zusammenbruch Deutschland wie ein
Schlag. Ich hatte an Deutschlands Sieg geglaubt, und nun zeigt sich das arme Volk der schrecklichen
Lage gar nicht gewachsen..." schreibt er am 11. Juli 1922 an Oswald Spengler.
Leidenschaftlich setzte er sich für die Revision der Versailler Friedensvertrages ein:
„Wenn die Haßpolitik der Entente nicht aufhört, wird eine neue, größere Katastrophe
die Folge sein. Ein vernichtetes Deutschland muß ein Krebsgeschwür im Leibe Europas
bilden. Deutschland muß sich wieder erheben, muß in der Welt eine führende Rolle
spielen:" Er schrieb: „Das einzige, was in der jetzigen verzweifelten Lage die Welt vor
einer Katastrophe retten könnte, die unfehlbar den Untergang der abendländischen Kultur
herbei führen würde, wäre eine neue Weltkonferenz, mit der Aufgabe, ein für allemal die
letzten Spuren von Versailles auszutilgen, die Dinge offen und ehrlich beim rechten
Namen zu nennen und im Geist der Versöhnung und der Klugheit, Richtlinien für eine
vernünftige Weltordnung auszuarbeiten."
Als sich dann Deutschland wieder erhob, die Spuren von Versailles zu tilgen begann, sprach er
die prophetischen Worte:" „Gebt acht! Gebt acht auf die Zeichen der Zeit!" Immer hatte er für
das anspruchslose, gutmütige russische Volk, wärmste Sympathien gehegt, die bis zu seinem Tod
nicht ausgelöscht werden konnten. Aber - so schrieb er -: „Dieses Volk besitzt nicht die
Freiheit, selbst sein Schicksal zu beeinflussen, sondern es wird als ein willenloses, in
stärkeren Händen befindliches Werkzeug verwendet." Unter Stalin - so schrieb er - sei der
Gedanke der Weltrevolution zur Religion geworden, die, gestützt auf ein Volk von 185 Millionen
Menschen, seine menschenmordende und kulturtötende Lehre über die ganze Welt ausbreiten wolle.
Es sei eine unabweisbare Pflicht aller Völker der Erde, sich von dieser Bedrohung zu befreien.
Die abendländische Kultur habe für Propheten vom Schlage eines Lenin, Trotzki und Stalin keinen
Bedarf.
Als dann auch der zweite Weltkrieg für Deutschland und Europa verloren ging, darin - wie er
schreibt - die Machenschaften der englischen Regierung noch unerfreulicher waren als 1914,
wobei er erkannte und berücksichtigte, daß hinter der britischen Politik sich unvergleichlich
stärker der Einfluß des amerikanischen Präsidenten Roosevelt geltend machte. Roosevelt redete
von der Demokratie und verriet sie ohne Unterlaß. Er schmähte die, die um des Friedens und der
Aufrechterhaltung der amerikanischen Lebensform willen ihn zur Umkehr mahnten, als undemokratisch
und unamerikanisch. Roosevelt machte die Demokratie zu einem Zerrbild statt zu einem Vorbild.
Er sprach von der Redefreiheit und verbot denen, die nicht seiner Meinung waren, den Mund.
Er sprach von Glaubensfreiheit und schloß ein Bündnis mit dem Bolschewismus, sandte einen
Beauftragten an dem Vatikan, um seine katholischen Wähler zu fangen, und ließ selbst keinen
päpstlichen Nuntius in Washington zu. Er sprach von der Freiheit, vom leiblichen Mangel und
konnte mehr als zehn Millionen keine Arbeit schaffen, kein Brot, kein Obdach. Er sprach von
der Freiheit von Furcht vor künftigen Kriegen und bereitete den Krieg vor nicht nur für sein
eigenes Volk, sondern für die Welt, indem er die, die ohne seine Hilfe vielleicht bereit
gewesen wären, sich mit den Achsenmächten zu einigen, zum Widerstand gegen sie aufhetzte und
so Millionen in den Tod trieb. Dieser Krieg wird in die Geschichte eingehen als der Krieg des
Präsidenten Roosevelt!" Beschwörend mahnt er: „Wenn man bedenkt, daß dieses gigantische Aufgebot
von Soldaten und Material zum vornehmsten Ziele hatte, die Deutschen zu vernichten, jenes Volk,
das nebst den Engländern vor allem die Vereinigten Staaten aufgebaut und Amerika nie bedroht
hatte. Die amerikanischen Truppen kämpfen in einem fremden Land und verstehen nicht, wofür sie
sich schlagen und warum Deutschland vernichtet werden soll. Die Deutschen aber verteidigen
ihren eigenen Boden und wissen nur zu gut, weshalb sie kämpfen." - "Fürchterlich und tödlich
ist der Schlag, der uns droht. Wir selbst sind es, die unsere Städte in Ruinen verwandeln,
unsere Häuser in Asche legen und unseren Lieben des Grab schaufeln. In erschreckender Blindheit
bereiten wir der Invasion aus dem Osten den Boden vor... Worauf warten wir? Was bezwecken wir
mit diesem Massenmord? Hören wir nicht die Todeshymnen, die von allen Kirchtürmen das Vorspiel
zu Europas Untergang einläuten...? Jener Volksführer in England, Deutschland oder Frankreich,
der heute, während die Schicksalsstunde schlägt, genügend Mut und Charakter, hinreichende
moralische Unabhänigkeit und allgemeinmenschliches Verantwortungsbewußtsein besäße... dieser
Volksführer könnte unendlich mehr Ruhm und Ehre gewinnen, als sie ... die Heerführer am
Schlachtfeld erwerben. Er würde als der größte unserer Zeit gepriesen werden. Riese unter dem
Dutzend Staatsmänner, die nun, sich gegenseitig schmähend und beschuldigend, um Leben und
Wohlfahrt der Völker würfeln und... nicht davor zurück schrecken, das Feuer zu entfachen,
das sie selbst und ihre Nationen verzehren wird... Laßt die Posaunen es von den Türmen
verkünden, daß die Führer der Völker sich versammelt haben, um während einiger Wochen der
Waffenruhe über die Ungereimtheiten zu beraten, die den Weltkrieg, vor dem wir nun stehen,
veranlaßt haben. Die Zukunft wird erstaunt sein über die Torheit, die einen letzten
Zusammenprall der Waffen einem vernünftigen Gespräch zwischen klugen, kühl abwägenden und
beherrschten Männern vorzog, um in Eintracht und Gerechtigkeit die letzten Reste des Friedens
von Versailles, dieses ärgsten Gespenstes unserer Zeit zu beseitigen."
Bis an sein Lebensende hat Sven Hedin überzeugend seine Meinung vertreten, daß Adolf Hitler
diesen Krieg vermeiden wollte und daß es ein Kriegsverbrechen gewesen sei, Deutschland im
Herzen Europas zu vernichten. Dies störe das Gleichgewicht nicht nur in Europa, sondern in
der ganzen Welt. Er schrieb: „Die Aussaugung Deutschlands umfaßte nicht nur das materielle,
sondern auch das geistige Leben. Niemals in der Weltgeschichte, weder während der Antike, des
Mittelalters noch im Dreißigjährigen Krieg hat man eine solche barbarische Kriegsführung
erlebt, und niemals ist ein besiegter Feind mit größerer Grausamkeit behandelt worden." Als am
1. August 1945 auf Veranlassung der schwedischen Regierung die leitenden deutschen Diplomaten
nach Lübeck in britische Haft überführt werden sollten, da standen Sven Hedin und seine Schwester
Alma, demonstrativ am Stockholmer Kai, um die deutschen Freunde noch einmal zu grüßen. Und als er
dann auch im eigenen Land erleben muß, von gewisser Seite als „Kriegsverbrecher" hingestellt zu
werden, da wehrt er sich und schreibt 1946 in „Dagsposten":
„Ja, ist es denn einem Schweden verboten, Deutschenfreund zu sein? In diesem Fall wäre ich schon
seit sechzig Jahren ein Verbrecher und gedenke es bis zu meiner letzten Stunde zu bleiben. Die
Zukunft wird uns nach anderen Gesichtspunkten beurteilen als eine Gegenwart, die von einer
gehässigen Propaganda, deren einziges Ziel die Vernichtung Deutschlands gewesen ist, systematisch
irre geführt wird. Das Ziel hat man erreicht. Das Deutsche Reich wurde ausradiert. Die stärkste
Macht Europas, Herz und Mittelpunkt des Kontinents, wurde in ein Vakuum verwandelt, das - wie es
auch in der Atmosphäre der Fall ist - mit jedem Tag dem Ausbruch eines fürchterlichen Zyklons
näher kommt. Es ist nicht so einfach, ein Reich zu vernichten, das ein Jahrtausend hindurch
zu enormer Stärke herangewachsen ist." Und er schrieb: "Ihr gemeinsames Ziel, das sie einte,
war nicht das Glück und die Wohlfahrt der Menschheit. Nein, das Ziel, das sie stärker als jedes
andere Bindemittel zusammenhielt, war der gemeinsame Haß gegen Deutschland..., gegen jenes Volk,
das mehr als jedes andere der Menschheit hohe ideelle Werte, Entdeckungen, Erfindungen und
Gedanken geschenkt hat." Kurz vor seinem Tod, Sven Hedin starb am 26. November 1952, empfing er
in seinem Stockholmer Heim einen jungen deutschen Journalisten. Diesem sagte er : „Der
Kommunismus ist eben eine Pseudo-Philosophie, die auf die Dauer nichts eigenes von Bestand zu
bieten hat. Es bleibt ihr praktisch gar keine andere Wahl als die Ausschaltung jeder konkreten
eigenen Meinung. Die Anschwärzung, Kaltstellung und sogar Liquidation aller potentiellen und
geistig überlegenen Gegner gehört im Grund zum System. Der Marxismus-Leninismus vermag erst
dann einen Schimmer von eigener Bedeutung zu erzielen, wenn zuvor sämtliche anderen, Jahrtausende
lang gültig gewesenen Erkenntnisse und Gesetze des Menschengeistes ausgelöscht worden sind.
Gerade das aber wird sich zuletzt als unmöglich erweisen, weil es ein sinnloses, undurchführbares
Unterfangen ist. Der Kommunismus ist in der Weltgeschichte der einmalige Versuch, mit dem Geist
der Verneinung eine Weltherrschaft aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Europa wird zwar noch
eine längere, vielleicht sogar eine schmerzlich lange Periode der Gärung und der mit allen
Mitteln versuchten gewaltsamen Nivellierung und Verdummung durchmachen müssen. Aber das Ende
des Bolschewismus ist zu irgendeiner Zeit ebenso sicher wie das Ergebnis einer mathematischen
Gleichung." „Ich wünsche Deutschland die Morgenröte des neuen Tages, dessen Sonne noch einmal
über Deutschland leuchten wird!"
Als sich dieser Journalist über das umfangreiche Briefarchiv von Sven Hedin wundert, dieser
ein Bündel handgeschriebener Briefe aus einem Fach zieht, die als Absender den Namen des
letzten Repräsentanten des Deutschen Reiches tragen, schließt er die Briefe sorgsam wieder weg
und sagt: „Kommen Sie, die Zeit ist noch nicht reif. Und ihr Deutsches Vaterland hat nach dem
Hochgefühl der dreißiger Jahre einen zu tiefen unvermuteten Sturz getan, als es im Moment auch
nur einen Deutschen geben könnte, der zu einer leidenschaftslosen Würdigung dieses historischen
Phänomens imstande wäre. Aber jahrhundertelang wird diese Gestalt noch den Historikern zu
denken geben, die imponierende Größe und tragische Unzulänglichkeit in sich vereinigte. Weg
radieren kann man die Spuren dieses Mannes jedenfalls nicht, weder durch eingleisige Thesen
noch durch Verbote. Er war ein historischer Faktum. Damit werden sich alle abfinden müssen,
man wird sich dazu bequemen müssen. Enthüllungsliteraten werden dieser ganzen Aufbruchsepoche
Deutschlands nicht gerecht. Das Geschehen war vielschichtiger und elementarer. Tageszeitungen
sind nur Sekundenzeiger der Weltgeschichte. Und ohne Klärung der Zusammenhänge von Versailles
und von den vorhergegangenen Revolutionen in Rußland und Deutschland ist ohnehin jeder Versuch
zur Klärung der Ursprünge des Geschehens in Deutschland vergebliche Mühe. Ich glaube daran,
daß Europas Sendung noch nicht beendet ist. Und ich weiß, daß Europa ohne ein starkes und
gesundes Deutschland keinerlei Zukunft mehr haben würde. Bitte grüßen Sie Deutschland und
seien Sie stolz, in diesem Lande geboren zu sein!"
Vor der Geschichte werden diese Worte gewogen und gewogen werden seine Worte: "Wenn die Germanen
gegen Asien zusammen gehalten hätten, dann wäre der wirkliche Friede auf Erden möglich gewesen."
„Wenn ihr den Idealen eurer Jugendträume treu bleibt, wird die Sonne in eurem Lande nie unter
gehen." - hatte Sven Hedin einmal geschrieben. Mit Sven Hedin kam noch einmal das Licht aus dem
Norden, entfacht von Jugendträumen und jugendlicher Begeisterung und von einem Willen, von dem
er schrieb: „Es gibt nichts unter dem Zuge der Wolken, was sich nicht einem starken Willen beugen muß,
nicht, was nicht einer unbeugsamen Energie nachgibt." Dieser Wille war eine der größten
Charakter-Eigenschaften Sven Hedins, dazu das Opfer kam, denn er meinte, wenn man etwas
erringen will, man auch zum Opfer bereit sein müsse.
Sven Hedin, der mit seiner Tatkraft und seiner Pflichttreue, mit seinerglücklichen Vereinigung
geistiger und körperlicher Spannkraft, mit der Konzentrationsfähigkeit seines Verstandes, mit
seinem zähen Willen und seinem gesunden Körper, mit seiner Ausdauer und mit seinem Fleiß, mit
seiner Treue und Liebe, doch der heutigen Jugend zum Vorbild und zur Nacheiferung gereichen
müßte. Sven Hedin, der trotz seiner Erfolge, die für alle Zeiten unsterblich bleiben werden,
der gütige und bescheidene Mensch geblieben ist. „Ihr Vaterland ist stolz auf Sie" - sagte
einmal ein Franzose - „aber durch die Dienste die Sie geleistet haben, sind Sie ein Bürger
der Menschheit geworden." Und Fridtjof Nansen: „Es heißt, es sei eine kranke Zeit, in der
wir leben, eine Zeit, die der Tat ermangelt. Du aber hast Ergebnisse erreicht, die für einen
Mann groß genug sind. Du hast gezeigt, daß der Mann seines Glückes Schmied ist, daß er selbst
sich sein Schicksal schaffen kann." - "Wohl ist es wahr", schreibt Sven Hedin - „daß der Mann
stark ist der allein steht, aber noch stärker ist, wer sich bewußt ist, daß er die Sympathie
der Jugend hinter sich hat..." Wir sollten uns jener Worte Sven Hedin's erinnern, die er am
4. August 1936, vor einer hunderttausendköpfigen Welt-Jugend, anläßlich der Olympischen Spiele
im Olympiastadion zu Berlin, als eine Mahnung an die Jugend sprach. Eine Mahnung, die er in
seinem Leben selbst erfahren, erlebt und vorgelebt hatte:
„Jugend, ich rufe dich. Es genügt nicht, in den flüchtigen Wettkämpfen des Tages zu siegen,
euer Ziel sei ein höheres! Laßt die Gesetze der Olympischen Spiel die Ausdauer, unermüdliche
Arbeit und Ritterlichkeit gebieten, auch das Vorbild und den Grundgedanken in einer neuen
Völkergemeinschaft sein, einem weltumspannenden Verband, dessen Mitglieder im Glauben an Gott
und die eigene Stärke, für gegenseitiges Vertrauen, Wahrheit und Frieden zwischen allen
Völkern der Erde kämpften. Bald kehrt heim... Verbreitet euch über den Erdball als Herolde
im Dienst des Guten! Der Weg, den ihr beschreitet, führt durch die Stürme der Zeit in eine
Welt unvergänglicher Schönheit, zu einem Menschengeschlecht, das in Glück, Brüderlichkeit
und Harmonie lebt... Lebet wohl ihr alle - Jugend der Welt!"
Aus der umfangreichen Literatur von und über SVEN HEDIN wurde folgendes eingesehen:
Auffenberg-Kamarow, Adolph von: „Sven Hedin, ein treuer Freund Deutschlands" Wien 1965
Brennecke, Detlef: „Sven Hedin" Reinbek 1987
Caprivi, Fritz: „Letztes Gespräch mit Sven Hedin" Coburg 1962
Essen, Dr. Rütger: „Sven Hedin - Ein großes Leben" Leoni 1959
Hedin, Alma: „Mein Bruder Sven" Leipzig 1925
Hedin, Sven: „Durch Asiens Wüsten" Leipzig 1923
Hedin, Sven: „Deutschland und Europa" Buenos Aires 1948
Hedin, Sven: „Ohne Auftrag in Berlin" Stuttgart 1953
Hedin, Sven: „Die Flucht des großen Pferdes" Wiesbaden 1979
Hedin, Sven: „Der 9. November - Ein Gruß an das Deutsche Volk" Leipzig 1921
Hedin, Sven: „Amerika im Kampf der Kontinente" Leipzig 1943
Hedin, Sven: „Die Seidenstraße" Leipzig 1942
Hedin, Sven: „Fünfzig Jahre Deutschland" Leipzig 1943
Hedin, Sven: „Eroberungszüge in Tibet" Leipzig 1940
Hedin, Sven: „Transhimalaja - Entdeckung und Abenteuer in Tibet" Wiesbaden 1985
Hess, Willy: „Die Werke von Sven Hedin" Stockholm 1962
Pozorny, Reinhard: „Zeuge für Deutschland - Sven Hedin zum 25. Todestag" München 1977
Wennerholm, Eric: „Sven Hedin 1865-1952" Wiesbaden 1978
Hedin, Sven: „Meine Hunde in Asien" Wiesbaden 1956
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